Ein Apotheker hält eine Spritze mit Grippeschutzimpfstoff vor dem Logo der Apotheke. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | David Inderlied)

Vielfältige Gründe

Darum wollen kaum Apotheker in Rheinland-Pfalz gegen Corona impfen

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Christine Sona
Bild von Christine Knoth (Foto: SWR)

Seit Anfnag Februar dürfen auch Apotheker in Deutschland gegen Corona impfen. In Rheinland-Pfalz werden sich viele Apotheken aber vorerst nicht beteiligen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Seit Inkrafttreten der neuen Corona-Impfverordnung dürfen auch Apotheker Corona-Impfungen anbieten und durchführen. Der Landesapothekerverband Rheinland-Pfalz sieht darin ein weiteres niederschwelliges Impfangebot.

 "Stellen Sie sich vor, Sie sind neu in einer Stadt und haben noch keinen Hausarzt. Oder Sie haben sprachliche Barrieren", sagt Sprecherin Petra Engel-Djabarian. Besonders für diejenigen sei das Impfen in Apotheken sinnvoll. Die Covid-19-Impfung ist jedoch ein freiwilliges Angebot der Apotheken - und viele machen vorerst nicht mit.

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Corona: Wenige Apotheken in RLP "impffähig und impfwillig"

In Rheinland-Pfalz haben sich bei der zuständigen Landesapothekerkammer bisher gerade einmal 70 der rund 916 Apotheken als "impfwillig und impffähig" gemeldet, so ein Sprecher auf Anfrage. Das sind weniger als acht Prozent. 

Die Gründe dafür sind verschieden. Um überhaupt impffähig zu sein, brauchen die Apotheken die Räumlichkeiten, Personal, das extra geschult werden muss, und einen Versicherungsschutz. Eine weitere Voraussetzung ist laut Landesapothekerverband Rheinland-Pfalz zum Beispiel auch, dass das komplette Personal vollständig geimpft und geboostert sein muss. 

Apotheker aus RLP: Impfung kurzfristig schwer stemmbar 

"Vieles war auch sehr kurzfristig", sagt Christian Brand, Inhaber einer Apotheke in Kaiserslautern. Beispielsweise habe es in der Kürze der Zeit nicht genug der erforderlichen Schulungen gegeben. "In der Hochphase, als es um die Schulungen ging, kamen gerade die kostenlosen Corona-Tests wieder. Da mussten wir uns erstmal darum kümmern", so Brand. 

Zudem seien die Anforderungen an die Räumlichkeiten erst letzte Woche vom Ministerium bekanntgegeben worden. Auf Dauer soll in seiner Apotheke aber gegen das Coronavirus geimpft werden. "Selbstverständlich", sagt er. Man könne es im Moment nur noch nicht leisten. 

Impfung ohne Arzt: Angst vor allergischen Schocks in Apotheken

Einige Apotheker haben aber auch Bedenken, wie zum Beispiel Heike Schrot. "Impfen ist eine Aufgabe von Ärzten und nicht von Apothekern", sagt die Inhaberin einer Apotheke in Wittlich.

Einerseits fehlten ihr die geeigneten Räumlichkeiten in ihrer Apotheke, andererseits wolle sie nicht Impfen, wenn kein gelernter Mediziner in der Nähe sei. "Was mache ich denn, wenn mir jemand nach der Impfung umfällt?", fragt Schrot. Immerhin könne der Impfstoff allergische Schocks auslösen.  

Hausärzte in RLP kritisieren Impfungen in Apotheken

Auch der Hausärzteverband Rheinland-Pfalz sieht Impfen als ärztliche Aufgabe und entsprechend keine Notwendigkeit dafür, dass nun auch Apotheker impfen dürfen. "Vielmehr ist das ein Zeichen der Missachtung der Leistung aller niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und deren Praxisteams", heißt es in einer Mitteilung.

Derzeit gebe es ein Überangebot sowohl an Impfdosen, als auch an Impfterminen in Arztpraxen. Daher sehen man weder den Bedarf noch eine Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung durch dieses zusätzliche Impfangebot.

Impfung in Apotheken wegen weiterer Booster-Impfung sinnvoll?

Die Landesapothekerkammer plädiert dafür, langfristiger zu denken. "Die Omikron-Welle werden wir wohl auch durch das Impfen in Apotheken nicht mehr brechen. Das Coronavirus hielt aber schon bisher einige Überraschungen für uns parat," so Präsident Peter Stahl in einer Mitteilung.  

Daher sei es besser, die Apotheken frühzeitig in die Impfinfrastruktur einzubinden. Wenn die Ständige Impfkommission (STIKO) eine weitere Booster-Impfung empfehlen sollte, weitere Impfstoffvarianten angeboten würden oder aber das Virus weiter mutiere, dürfte die Nachfrage nach Impfungen auch in Apotheken steigen, so Stahl.

Wer kann sich in RLP in Apotheken impfen lassen?

Laut Infektionsschutzgesetz können in Apotheken alle Menschen ab 12 Jahren geimpft werden. Für die Corona-Impfung gibt es jedoch eine spezielle Schulung. Nur wer diese absolviert hat, darf auch wirklich ab 12 impfen, heißt es vom Landesapothekerverband auf Anfrage. "Wer nur für die Grippe-Impfung geschult ist, darf Bürgerinnen und Bürger erst ab 18 Jahren impfen." Die Corona-Impfung von Unter-12-Jährigen ist weiter den Kinderärzten vorbehalten.  

Welche Apotheke in ihrer Nähe gegen Corona impft, können Sie online auf dem Apothekenportal des Deutschen Apothekerverbands einsehen.

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