Innenminister von Rheinland-Pfalz Roger Lewentz (SPD) zu den neuen Erkenntnissen zur Amokfahrt in Trier.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Andreas Arnold)

Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag

Polizei nennt beunruhigende Details zur Amokfahrt in Trier

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Innenminister Roger Lewentz (SPD) und Vertreter von Polizei und Justiz haben den Innenausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags über die schrecklichen Geschehnisse und den Ermittlungsstand informiert. Dabei kamen neue Details zur Amokfahrt in Trier ans Licht.

So habe der Fahrer nach der Amokfahrt das Auto abgestellt und eine Zigarette geraucht. Der Polizeivizepräsident von Trier, Franz-Dieter Ankner, sagte: "Dort sah er den Einsatzkräften grinsend entgegen" - bevor er von den Beamten überwältigt und festgenommen worden sei.

Ankner zufolge fuhr der Täter mit 81 km/h durch die Fußgängerzone in der Simeonstraße. Im Auto fanden die Ermittler außerdem scharfe Munition, jedoch keine Waffe.

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Noch ist das Motiv für die Tat weiterhin unklar. Der Mann habe bei den bisherigen Vernehmungen keine klaren Angaben dazu gemacht, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Freitag.

Die Sondersitzung des Gremiums hatten SPD, FDP, Grüne und die CDU-Opposition gemeinsam beantragt. Die Fraktionen im Landtag stünden in diesen schweren Stunden an der Seite der Bürgerinnen und Bürger, heißt es in einer Pressemitteilung. Ihr tief empfundenes Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer. Es werde noch Monate brauchen, um das Geschehene zu verarbeiten. Mit der Sondersitzung wollten die Fraktionen ihren Beitrag dazu leisten.

Amokfahrer fuhr absichtlich Schlangenlinien

Bei der Amokfahrt eines 51-Jährigen in einem Geländewagen waren am Dienstag in der Trierer Fußgängerzone fünf Menschen getötet worden. Die Zahl der Verletzten stieg unterdessen auf 24. Zunächst war von 18 die Rede gewesen. Es hätten sich nachträglich noch Leute gemeldet", sagte ein Sprecher der Polizei am Freitag. Dabei handele es sich um Menschen, die nach der Tat nicht in einem Krankenhaus waren und erst später zum Arzt gegangen seien. Die Zahl der Schwerverletzten darunter sei bei sechs geblieben. Unter den Toten sind nach Angaben der Polizei ein neun Wochen altes Baby, der 45 Jahre alte Vater sowie drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren.

Der Mann fuhr ersten Erkenntnissen zufolge absichtlich zick-zack, um "so viele Menschen wie möglich zu töten oder zumindest zu verletzen". Er sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft, ihm wird unter anderem mehrfacher Mord vorgeworfen. Bisher habe man das Motiv für seine Tat nicht ergründen können, so die Staatsanwaltschaft. Es hätten sich bisher keine Anhaltspunkte zu politischen, religiösen oder ähnlichen Motiven des Beschuldigten ergeben.

OB Leibe: Große Hilfsbereitschaft

Am Donnerstag hatten zahlreiche Menschen in einer Schweigeminute der Opfer gedacht: 13.46 Uhr war genau der Zeitpunkt, an dem die Amokfahrt am Dienstag in der Innenstadt begonnen hatte. Im Anschluss läuteten die Kirchenglocken in Trier und vielerorts im gesamten Bistum.

Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) bedankte sich anschließend für die große Anteilnahme. "Es hilft uns allen sehr, zu sehen, wie groß die Hilfsbereitschaft innerhalb und außerhalb der Stadt Trier ist. Im Angesicht einer so mörderischen Tat stehen die Menschen zusammen", teilte Leibe mit. Mehr als 200 Schreiben aus aller Welt hätten das Rathaus seit der Tat am Dienstag erreicht, hieß es. Zudem seien auf dem Spendenkonto für die Opfer mehr als 100.000 Euro eingegangen.

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