Anwohner in RLP beschweren sich, dass die baustellen für die Verlegung von Glasfaser zu lange dauern. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg)

Ausbau des Glasfasernetzes in Rheinland-Pfalz

Der steinige Weg zum schnellen Internet

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In vielen Regionen in Rheinland-Pfalz werden derzeit Glasfaserkabel für schnelles Internet verlegt. In etlichen Gemeinden liegen die Nerven allerdings blank.

Der Hochwälderhof, ein Aussiedlerhof bei Rhaunen im Hunsrück: Von den neun Haushalten dort hatten die ersten schon 2019 Verträge für einen Glasfaseranschluss beim Anbieter Inexio unterschrieben, der inzwischen zur Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser gehört. Mittlerweile hat der Ausbau begonnen, versinkt aber offenbar im Chaos.

Kaum ein Glasfaseranschluss im Aussiedlerhof funktioniert

Der eine hat viel weniger Bandbreite als vertraglich vereinbart, der andere kann angerufen werden, aber nicht nach außen telefonieren. In einem Fall hat das Unternehmen sogar den Vertrag mit dem bisherigen Anbieter gekündigt, ohne dass überhaupt ein Glasfaserkabel ins Haus verlegt ist. Die Betroffenen sind seit Ende August völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Ein Neuzugezogener wartet seit Juli auf eine Glasfaserverbindung und steht ohne alles da. Ein Desaster in einer Zeit, wo fast nichts mehr ohne Internetanschluss geht.

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Michael Gundall, Digital-Experte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, kennt solche Fälle nur zu gut. "In der Tat ist es so, dass die Glasfaseranbieter ihre Kapazität überschätzen und dann halt auch Ausbauten ankündigen, für die sie aber den Terminplan einfach nicht halten können." Bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kämen dazu relativ viele Beschwerden an - aber nicht nur von Kunden der Deutschen Glasfaser. Die Kunden seien aber nicht wehrlos, betont Gundall.

Verbraucher können Entschädigung verlangen

"Dauert eine Störung länger, können Kunden ab dem dritten Tag eine Entschädigung verlangen. Und zwar fünf Euro pro Tag oder mindestens zehn Prozent des monatlichen Beitrags. Ab dem fünften Tag steigt der Anspruch auf zehn Euro pro Tag oder mindestens 20 Prozent des monatlichen Beitrags." Die Verbraucherzentrale rät aber auch dazu, sich schon bei der Entscheidung für einen Anbieter genau über die Vertragsbedingungen zu informieren. Keinesfalls soll man sich an der Haustür zu einem Vertragsabschluss drängen lassen.

Verbrauchertipps für einen Glasfaseranschluss in Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)

Die Deutsche Glasfaser sieht sich als führendes Unternehmen beim Ausbau des Glasfasernetzes in ländlichen Gebieten. Erst in diesem Jahr hat das Unternehmen mit der rheinland-pfälzischen Landesregierung eine Absichtserklärung unterschrieben, den flächendeckenden Glasfaserausbau voranzubringen: Bis 2030 plant das Unternehmen, 700.000 Haushalte im Land mit Glasfaser zu versorgen. Eine Überforderung sei dies keineswegs, sagte ein Unternehmenssprecher. Angesichts der Masse an Kunden seien die Beschwerden Einzelfälle. Im Großen und Ganzen laufe der Ausbau gut.

Gemeinden klagen über Glasfaser-Baustellen

Aber auch aus verschiedenen Gemeinden gibt es seit Jahren Klagen über den Netzausbau der Deutschen Glasfaser. Meistens geht es um Baustellen, die monatelang offen liegen und einfach nicht fertig werden.

Die Ortsbürgermeisterin von Laubenheim an der Nahe, Barbara Sand, berichtet von vielen solcher Baustellen im Ort. Manche lägen seit einem Jahr brach, klagt sie und die Kommunikation mit dem Unternehmen sei schwierig. "Es gibt so viele Projektleiter und Bauleiter, die wir haben kommen und gehen sehen, wo wir im Endeffekt nicht sagen können, wer ist denn jetzt zuständig?" Die Deutsche Glasfaser lehnte ein Interview vor der Kamera mit "Zur Sache Rheinland-Pfalz" ab, relativierte aber die Missstände in einer schriftlichen Stellungnahme.

"Der Glasfasernetzausbau ist ein komplexes Infrastrukturausbauprojekt. Zeitweise Belastungen, Verzögerungen oder Schäden während der jeweils mehrmonatigen Bauphase lassen sich aufgrund der Komplexität und hohen Bauintensität trotz exakter Planung und Vorsorge nicht immer gänzlich vermeiden."

Dabei wäre es dringend notwendig, dass der Glasfaserausbau zügig vorangeht. Das hat nicht zuletzt die Corona-Pandemie allen deutlich vor Augen geführt. Immerhin bei der Geschwindigkeit mit der das Glasfasernetz ausgebaut wird, belegt Rheinland-Pfalz hinter Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen den dritten Platz.

Dennoch waren in Rheinland-Pfalz im Jahr 2021 nur etwa zehn Prozent der Haushalte mit Glasfaserverbindungen versorgt. Zusammen mit Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen und Brandenburg gehört Rheinland-Pfalz zu den fünf Bundesländern, in denen das Glasfasernetz am wenigsten ausgebaut ist.

In Rheinland-Pfalz sind Hunsrück und Eifel, aber auch die Westpfalz besonders schlecht versorgt. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm beispielsweise haben gerade mal zwei Prozent der Haushalte einen Glasfaseranschluss.

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