Die Missbrauchskrise hat bis heute Folgen für die Kirche - auch in Rheinland-Pfalz. (Foto: dpa Bildfunk)

Zahlen aus den Bistümern Das Ausmaß des Missbrauchs in Rheinland-Pfalz

2010 werden verjährte Fälle von sexuellem Missbrauch an einer Jesuitenschule in Berlin bekannt. Was folgt, hat bis heute Konsequenzen für die Kirche - auch in Rheinland-Pfalz.

Ein ehemaliger Schüler schreibt mit Anfang 40 einen Brief an den Jesuitenorden, in dem er von sexuellem Missbrauch durch einen ehemaligen Pater berichtet. Im Januar 2010 macht der Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin, Klaus Mertes, jahrelange systematische Übergriffe an der Schule öffentlich. Das ist der Anfang. Wie in einem Dominoeffekt offenbaren sich Betroffene aus anderen Ordensschulen und Kirchengemeinden.

Hier finden Sie einen Überblick über Zahlen zu sexuellen Missbrauch aus den Bistümern, die auf dem Gebiet von Rheinland-Pfalz liegen:

Die Deutsche Bischofskonferenz verschärfte 2010 als Reaktion auf die aufgedeckten Fälle des sexuellen Missbrauchs durch kirchliche Mitarbeiter ihre Vorschriften. Seither wird laut Kirchenangaben automatisch bei jedem Verdacht auf sexuellen Missbrauch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Trierer Bischof wird Beauftragter für Missbrauchsfragen

Hauptberufliche Mitarbeiter, die mit Schutzbefohlenen zu tun haben, müssen erweiterte Führungszeugnisse vorlegen. Der Trierer Bischof Stefan Ackermann wurde zum Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz. 

Die Kirche startete 2010 einen innerkirchlichen Gesprächsprozess. Über fünf Jahre hinweg ging es in vielen Gesprächsrunden mit den Gläubigen an der Basis um mögliche Reformen, unter anderem zur Sexualmoral und zur Priesterweihe von erprobten verheirateten Männern. Vieles davon lehnte auch der damalige Papst Benedikt deutlich ab.

Katholische Bistümer auf dem Gebiet von Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)
Anzahl der Missbrauchsopfer laut einer Studie der Kirche in katholischen Bistümern, die in Rheinland-Pfalz liegen

Wissenschaftliche Aufarbeitung

2011 wurde eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle vereinbart. Die Studienergebnissen lagen aber erst 2018 vor. Demnach wurden zwischen 1946 und 2014 in Deutschland 3.677 meist männliche Minderjährige von insgesamt 1.670 katholische Klerikern sexuell missbraucht.

Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass problematische Strukturen in der Kirche Missbrauch nach wie vor befördern könnten - etwa die umstrittene Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit (Zölibat) und die ausgeprägte klerikale Macht einzelner Geistlicher.

Staatsanwaltschaften ermitteln

Als Reaktion auf die Missbrauchsstudie hat die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz Unterlagen der bischöflichen Ordinariate in Köln, Limburg, Mainz und Trier zu Verdachtsfällen angefordert. "Die Zahl der neu einzuleitenden Ermittlungsverfahren wird man möglicherweise an einer Hand abzählen können", hieß es von der Anklagebehörde. Die endgültige Klärung könne noch einige Monate dauern. Entsprechendes unternehmen auch die Generalstaatsanwaltschaft Zweibrücken für deren Bereiche des Bistums Speyer und die Generalstaatsanwaltschaft Saarbrücken für Gebiete der Bistümer Speyer und Trier.

Papst Franziskus hat für Ende Februar 2019 Bischöfe aus aller Welt zu viertägigen Beratungen über den sexuellen Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche eingeladen. Aus Deutschland ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx dabei.

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