Maike Kohl-Richter (M) und ihr Anwalt Thomas Hermes (r. hinter der Witwe) kommen zum Oberlandesgericht.  (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Rolf Vennenbernd)

Urteil im Streit mit Kohls Ghostwriter Teilerfolg für Witwe von Helmut Kohl

Die Witwe von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, Maike Kohl-Richter, hat im Rechtsstreit gegen dessen Ghostwriter einen neuen Teilerfolg erzielt. Weitere Textpassagen in der Kohl-Biographie "Vermächtnis" müssen geschwärzt werden.

Der Autor Heribert Schwan darf zahlreiche weitere Textstellen aus seinem 2014 erschienenen Buch "Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle" nicht mehr verbreiten. Das entschied das Kölner Landgericht am Mittwoch.

Zudem muss Schwan Auskunft über seine durch den Bestseller erzielten Einnahmen erteilen. Auf Grundlage dieser Summe könnte Maike Kohl-Richter dann gegebenenfalls auf Schadenersatz klagen.

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Erfolglos blieb Kohl-Richter aber mit ihrer Forderung, auch einen Koautor sowie den Verlag Random House zur Unterlassung und Auskunft über ihre Gewinneinnahmen zu zwingen. Diese hätten keine "vertragliche Verbindung" zu dem Altkanzler. Persönlichkeitsrechte des Verstorbenen hätten sie ebenfalls nicht verletzt, hieß es im Urteil. (Az.: 28 O 11/18)

Anwälte stehen hinter dem Buch "Vermächtnis - Die Kohl Protokolle2" des Journalisten Heribert Schwan über den ehemaligen Bundeskanzler Kohl. (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Oliver Berg)
Um dieses Buch geht es: Heribert Schwan verfasste "Vermächtnis" ohne Absprache mit Kohl, nachdem er sich mit dem Altkanzler verkracht hatte. Foto: Oliver Berg

Nach Auffassung des Gerichts ging Kohl davon aus, dass Schwan seine Äußerungen vertraulich behandeln würde. Die Zeugenvernehmung in der Verhandlung habe nichts anderes ergeben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kohl-Richter: "Setze die Prozesse fort"

In einem im Sommer im Internet veröffentlichten offenen Brief erklärte Kohl-Richter, warum sie weiter gegen Schwan vorgeht. "Es ist natürlich richtig, dass ich klage, aber eigentlich klage nicht ich, sondern setze ich die Prozesse nur fort, die mein Mann im Jahr 2012 beziehungsweise 2014 begonnen hat", so die Witwe.

Schwans 2014 veröffentlichtes Buch sei "ein Paradebeispiel dafür, wie man einen Menschen mit seinen eigenen, im privaten Raum gesprochen Worten zum Zeugen gegen sich selbst macht".

In einem früheren Urteil hatte das Oberlandesgericht (OLG) Köln in zweiter Instanz bereits das Verbot von 116 Textstellen aus dem Buch bestätigt und "eine Fülle von Fehlzitaten und Kontextverfälschungen" kritisiert.

600 Stunden Tonbandmaterial

Im Fokus stehen dabei besonders die Tonbänder, die während der gemeinsamen Arbeit von Kohl und Schwan zur Vorbereitung der Memoiren entstanden waren. Dabei soll es sich um insgesamt 600 Stunden Material handeln. Maike Kohl-Richter forderte vor Gericht auch die Herausgabe der Tonbänder.

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Die beiden Männer hatten sich vor der Fertigstellung zerstritten. Daraufhin schrieb der Journalist auf eigene Faust sein Buch - mit deftigen Zitaten, die Kohl nicht zur Veröffentlichung freigegeben hatte.

Tonbänder "der Forschung zugänglich machen"

Der CDU-Politiker verklagte Schwan daraufhin. Ihm wurde eine Entschädigung zugesprochen. Kohl, der auch Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz war, starb am 16. Juni 2017, bevor das Urteil rechtskräftig wurde. Kohl-Richter schreibt, sie wolle die Tonbänder, "sobald ich sie in Händen habe und dann sorgfältig abgeschrieben und autorisiert habe, der Forschung zugänglich machen".

Die Urteilsverkündung war zunächst viel früher geplant. Nach Informationen der "Rheinpfalz" musste diese allerdings verschoben werden, weil die Aussage des Verlegers der Memoiren auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden sollte. Wegen möglichen Meineids droht ihm mindestens ein Jahr im Gefängnis.

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