"Wir haben diese Zeit nicht" Katholikenrat Speyer übt Kritik an Bischofskonferenz

Sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche aufarbeiten und in Zukunft verhindern: Darum geht es bei der Bischofskonferenz im niedersächsischen Lingen. Was bisher dabei erreicht wurde, hält der Katholikenrat im Bistum Speyer für nicht ausreichend.

Bisher sei von den Bischöfen kein richtiges Konzept erarbeitet worden, sagt die Vorsitzende des Katholikenrats im Bistum Speyer Luise Fischer. Der Katholikenrat repräsentiert die Laienschaft des Bistums. Die Mitglieder haben kein geistliches Amt inne. Die meisten Ideen zur Missbrauchsaufarbeitung seien laut Fischer bereits im Sieben-Punkte-Plan der Herbstvollversammlung angekündigt worden. Außerdem fehle ein konkreter Zeitplan, wann die Vorschläge umgesetzt werden sollen.

Leitfaden: Bis Wann?

Unter anderem hatten die Bischöfe sich darauf geeinigt, dass es für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle einen unabhängigen Leitfaden geben soll. Dieser soll festlegen, was Kriterien und Standards für eine gute Aufarbeitung sind. Luise Fischer vom Katholikenrat im Bistum Speyer bemängelt: Es sei nicht klar, wann der angekündigten Leitfaden fertig sein soll.

Stephan Ackermann (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist der Missbrauchsbeauftragte der deutschen Bischöfe. Er stellte bei der Bischofskonferenz Maßnahmen zur Aufarbeitung vor. Picture Alliance

"Diese Zeit haben wir nicht"

Außerdem wurde angekündigt, dass Standards für die Führung von Personalakten von Klerikern entwickelt werden sollen. So soll sichergestellt werden, dass künftig Missbrauchsbeschuldigungen in allen Diözesen einheitlich und transparent dokumentiert werden. Auch hier hätten die Bischöfe offen gelassen, bis wann es eine Standadisierung der Personalakten geben soll, so Fischer. Immer wieder sei die Rede davon gewesen, dass die Aufarbeitung und Präventionsmaßnahmen Zeit bräuchten. "Diese Zeit haben wir nicht", sagt Luise Fischer.

66 Bischöfe bei Frühjahrsvollversammlung

Der Umgang der Katholische Kirche mit sexuellem Missbrauch war Thema auf der Bischofskonferenz im niedersächsischen Lingen. 66 Bischöfe treffen sich bis Donnerstag zur Frühjahrsvollversammlung.

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hatte hohe Wellen geschlagen. Allein im Bistum Speyer sind fast 200 Fälle von sexuellem Missbrauch bekannt, die Dunkelziffer ist vermutlich noch viel höher.

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