Menschen warten am Mainzer Hauptbahnhof am Gleis (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Fredrik Von Erichsen)

Verärgerte Berufspendler ICE-Ausfälle Mainz-Stuttgart - Bahn räumt Engpässe ein

Und täglich grüßt der ICE 711 oder er tut es eben nicht. Im Oktober warteten Fahrgäste in Mainz beinahe täglich vergebens auf ihren Zug nach Stuttgart. Die Bahn kennt das Problem und vertröstet.

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und die Nachricht der Bahn ist immer dieselbe: "Fahrt fällt aus". Einige Fahrgäste erreichte die Nachricht oft erst auf dem Bahnsteig. Die Suche nach Alternativen wird so zur besonderen Herausforderung.

Allein in zwei aufeinander folgenden Oktober-Wochen fiel der ICE 711 in Richtung Stuttgart von zehn möglichen Verbindungen sechsmal aus, beim ICE 710 in Richtung Mainz waren es sogar sieben Ausfälle. Das haben SWR-Recherchen gezeigt.

Besonders betroffen sind Berufspendler und Geschäftsreisende, auch SWR-Mitarbeiter Titus Gast:

Und täglich grüßt der ICE 711 - bzw. er tut es eben gerade nicht, @DB_Bahn. Könnt ihr mir bitte mal sagen, was da los ist? Ich glaube, auf meinen letzten 7 geplanten Fahrten mit diesem Zug fuhr er ungefähr ein einziges Mal. Kollegen erzählen dasselbe. (1/2) https://t.co/ZIWsjVUq0s

Bahn hat keine Ersatzzüge

Schon im Juli traf es Pendler aus dem Raum Mainz hart, als der ICE 715 in Richtung Heidelberg mehrfach ausgefallen war. Die Datenjournalisten des SWR ermittelten, dass 13 von 22 angebotenen Fahrten ausfielen.

Der Grund für die Ausfälle seien Fahrzeugengpässe, erklärte eine Bahn-Sprecherin auf SWR-Anfrage. Zahlreiche der auf dieser Strecke eingesetzten Fahrzeuge müssten derzeit gewartet werden.

Die Situation bei der Fernverkehrsflotte sei insgesamt angespannt, so die Bahn. Nach den SWR-Aufzeichnungen fuhren in dieser Zeit für ICEs zudem keine Ersatzzüge in Mainz. Das deckt sich mit den Angaben der Bahn. Demnach könnten keine angeboten werden.

Wochenbilanz #ICE711 KW43: Mo: gefahren✅ Di: ausgefallen❌ Mi: ausgefallen❌ Do: ausgefallen❌ Fr: ausgefallen❌ Und so geht das seit Monaten. @DB_Bahn, es ist echt schwer zu fassen, wie ihr Pendler auf dieser Strecke im Stich lasst! #bahnfrust https://t.co/u96rx3LEcg

Kurzfristiger Einsatz unrentabel

Der Einsatz eines nicht genutzten Fahrzeugs, beispielsweise aus Norddeutschland, komme für die Bahn zur Lösung jedoch nicht in Frage, so eine Bahn-Sprecherin. Der Transfer in die Rhein-Main-Region für einen Tag sei zu unrentabel.

Perspektivisch würde sich die Situation bundesweit mit dem Zukauf neuer Züge verbessern. Wann damit genau zu rechnen ist, bleibt jedoch unklar.

Fahrgastverband: Bahn setzt eigene Prioritäten

Die Verbindung ICE 710/711 seien ICE-Pendlerzüge, die von der Bahn nicht als prioritär angesehen würden, meint der Fahrgastverband PRO BAHN. Ein ähnliches Problem gebe es zwischen Augsburg und München.

"Es fallen Züge aus, die nicht so wichtig erscheinen", sagt Pressesprecher Karl-Peter Naumann.

Drei Jahre bis zur Auslieferung

Die Züge der Baureihe 407, die auf der Strecke zwischen Mainz und Stuttgart eingesetzt würden, hätten derzeit die Mitte ihres Lebens erreicht und würden renoviert. "Das geht sehr langsam voran", sagt Naumann.

Neue Züge könne die Deutsche Bahn nicht einfach so schnell einkaufen. Von der Bestellung bis zur Auslieferung dauere es etwa drei Jahre. "Die Bahn pfeift aus dem letzten Loch."

"Wird der Zug aus dem Ausland geliefert, muss noch die deutsche Sicherheitstechnik eingebaut werden und es braucht eine Zulassung", sagt Naumann.

Zeitpunkt für Entspannung unklar

Trotz der häufigen Ausfälle von ICE 710/711 sei der Bahn die Wichtigkeit der Verbindung bewusst. "Wir kümmern uns intensiv um diese beiden Leistungen", teilte die Bahn-Sprecherin mit.

Bis dahin werden einige Fahrgäste wohl vorerst aufs Auto umsteigen. "Ob ich dann später wieder zum Zug zurückkehre", fragt sich Titus Gast. "Keine Ahnung. So wird das mit der Verkehrswende jedenfalls nichts."

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