Senior mit Iphone (Foto: SWR)

Immer smarter, immer schwieriger Wie man vom digitalen Wandel nicht abgehängt wird

Der Fernseher ist längst kein reiner Fernseher mehr, das Handy nicht mehr nur zum Telefonieren da. Vor allem Senioren fühlen sich oft vom digitalen Wandel abgehängt. Doch auch jüngere Menschen haben zunehmend Defizite.

Es hat in vielen Familien inzwischen schon Tradition: Beim Besuch bei Oma und Opa holen diese Handys, Tablets und Fernbedienung aus der Schublade. "Kind, irgendwas funktioniert da schon wieder nicht, kannst du mal nachgucken?"

Kein Wunder, denn während man noch vor zehn Jahren einfach die Taste mit der Eins drückte, um pünktlich die Tagesschau zu sehen, will der Fernseher jetzt plötzlich wissen, was man eigentlich möchte? Fernsehen? In der Mediathek surfen? Oder einen Film auf Netflix streamen?

Fernbedienungen (Foto: SWR)
Viele Tasten, wenig selbsterklärend - die Fernbedienungen sind im Laufe der Jahre nicht nur zahlreicher, sondern auch komplexer geworden.

Ähnlich rasant ist die Entwicklung bei nahezu allen Haushaltsgeräten. Die Maschinen werden smarter, doch die Überforderung bei den Anwendern wächst: Wie startet man nochmal das einfache Waschprogramm bei 40 Grad? Ein Problem, dass das Mainzer Unternehmen Levato schon vor einigen Jahren erkannt hat. In Kursen und Schulungen bringen sie den so genannten Silver Surfern das Bedienen von Smartphones und Co. näher.

Die Angst, etwas kaputt zu machen

"Zu uns kommen hauptsächlich Menschen aus der Eltern- und Großelterngeneration - Menschen, denen bisher die nötige Freizeit fehlte, um mit den digitalen Entwicklungen mitzuhalten", sagt Gründer Andreas Dautermann. Oft befürchteten die Senioren, etwas kaputt zu machen. "Sie haben Angst davor, was als nächstes passiert, welche Folgen ein Klicken oder ein Tippen haben kann." In vielen Fällen führe diese Angst zu einer regelrechten Blockade. Das Selbstbewusstsein in Sachen Technik schwinde.

Auch die Initiative "Digital-Botschafterinnen und -Botschafter für Rheinland-Pfalz" der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) hat genau diese Zielgruppe im Visier. Das Projekt, das Teil der Digitalisierungsstrategie des Landes ist und noch bis zum Jahr 2021 vom Sozialministerium gefördert wird, will erreichen, dass in den nächsten Jahren deutlich mehr ältere Menschen digitale Medien nutzen. Landesweit werden dazu bis zu 100 Ehrenamtliche ausgebildet, die Senioren im digitalen Dschungel unterstützen sollen.

Senior vor PC-Bildschirm (Foto: SWR)
Oft ist es die Angst davor, etwas kaputt zu machen, die Senioren vom Surfen im Internet abhält.

"Heutzutage wird in Nachrichtensendungen und im Radio selbstverständlich auf Internetangebote verwiesen", sagt Sprecher Florian Preßmar. "Wer allerdings keinen Zugang zum Netz hat oder wem Kenntnisse zur Nutzung fehlen, der kann nicht teilhaben, obwohl er interessiert ist." Die Folge sei, dass die älteren Menschen sich ausgeschlossen vorkämen.

Viele alltägliche Bereiche komplett digital

Zudem sei vor allem in ländlichen Regionen die Abwanderung von Geschäften, Banken oder der Post ein großes Problem. "Oftmals bleibt dann nur die Möglichkeit, diese Dinge online zu erledigen." Und schließlich dürfe man auch immobile Menschen, zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen, nicht vergessen. Für diese seien Internetzugänge und -kenntnisse elementar, um mehr am öffentlichen Leben teilzuhaben.

Nicht nur Senioren betroffen

Die Gefahr, von der Digitalisierung abgehängt zu werden, sieht Preßmar aber nicht nur bei der Generation 50 Plus. Er glaubt, dass auch jüngere Menschen Defizite in digitalen Bereichen aufwiesen - beispielsweise in Fragen des Daten- und Verbraucherschutzes sowie der steigenden Internetkriminalität. Auch das gehöre zur Medienkompetenz.

Das bestätigt auch Trainer Andreas Dautermann: "Die heutige junge Generation wird in den kommenden Jahrzehnten in die gleiche Situation geraten, in der die Silver Surfer heute sind." Ohne zugeschnittene Bildungsangebote wird sich das Problem sogar noch verstärken, glaubt Dautermann.

Er rät daher Alt und Jung: "Geduldig sein, keine Panik aufkommen lassen und immer aufmerksam lesen!" Das seien zwar sehr allgemeine Tipps, die nicht unbedingt "digital" klängen, aber immer wieder Wunder bewirkten.

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