Ausgetrockneter Boden im Sommer 2018 (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Wetterdienst stellt neues Vorhersagesystem vor Bessere Dürre-Prognosen für Landwirte

Die Dürre des letzten Sommers hat vielen Landwirten zugesetzt. Meteorologen haben nun einen Weg gefunden, solche Entwicklungen längerfristig vorherzusagen. Der Bauernverband begrüßt die neue Möglichkeit.

Der außergewöhnlich heiße und trockene Sommer des vergangenen Jahres hat bei Landwirten und Waldbesitzern teilweise zu großen Ausfällen geführt. Vor allem bei Kartoffeln, Zuckerrüben und anderen Gemüsearten gab es einen deutlichen Ernterückgang. Auch Heu und Stroh waren extrem knapp, so dass viele Viehzüchter ihre Tiere nicht mehr ordentlich versorgen konnten. Dabei kam Rheinland-Pfalz im Verhältnis zu anderen Bundesländer noch gut weg - trotzdem waren die Schäden auch hier bedeutend.

Um sich auf die Folgen solcher extremen Verhältnisse einrichten zu können, sind längerfristige Prognosen besonders wichtig für die Landwirte. Die Wettervorhersagen decken aber bislang in der Regel nur einen Zeitraum von maximal zwei Wochen ab.

Dauer

Bodenfeuchte als Grundlage der Prognose

Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) haben nun ein neues System entwickelt, das deutlich längerfristige Prognosen möglich macht. "Ich bin optimistisch, dass die Landwirte mit unseren neuen Dürre-Prognosen künftig Ertragsausfälle, wie wir sie im Jahr 2018 erleben mussten, zumindest vermindern können“, sagte DWD-Vizepräsident Paul Becker bei der Vorstellung der neuen Methode am Dienstag in Berlin.

Sechs-Wochen-Vorhersage der Bodenfeuchte (DWD) (Foto: Pressestelle, Deutscher Wetterdienst)
Sechs-Wochen-Vorhersage der Bodenfeuchte (DWD). In der Vorhersagekarte (oben) entspricht die Größe der Punkte die Vorhersagegüte. Je größer der Punkt, desto größer die Güte der Vorhersage. Pressestelle Deutscher Wetterdienst

Grundlage der neuen Dürre-Prognosen sind Vorhersagen der Bodenfeuchte. Diese beschreiben, wieviel Wasser im Boden gespeichert ist. So könne es im Sommer wochenlang nicht geregnet haben und trotzdem verfügten die Pflanzen durch die gespeicherte Bodenfeuchte aus Niederschlägen des Winters und Frühlings über genug Wasser für ihr Wachstum, erklärte Becker. Der Boden wirke als Puffer, könne Pflanzen auch mal über längere Trockenzeiten hinweghelfen.

Die Bodenfeuchte sei dabei eine Speichergröße, die sich im Verhältnis eher langsam verändere. Genau diese Eigenschaft werde bei der Berechnung langfristiger Bodenfeuchte-Vorhersagen genutzt, betonte Becker. Die Probephase habe im Mai 2018 begonnen. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass "eine hohe Vorhersagegüte bestanden hat - sogar bis hinein in die fünfte und teilweise auch sechste Vorhersagewoche". Beckers Fazit: "Mit den heute verfügbaren Vorhersagetechniken hätte der DWD die im Juni 2018 in großen Teilen Deutschlands anhaltende Dürre schon sechs Wochen vorher mit guter Qualität vorhersagen können."

Bauernverband begrüßt neues Verfahren

Begrüßt die neue Möglichkeit: BWV-Präsident Eberhard Hartelt (Foto: SWR)
Begrüßt die neue Möglichkeit: BWV-Präsident Eberhard Hartelt

Eberhard Hartelt, der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes (BWV) Rheinland-Pfalz Süd, bezeichnete das neue Verfahren als "Schritt in die richtige Richtung." Langfristigere Vorhersagen wären vor allem bei Aussaat, Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen sinnvoll. Allerdings müssten die Vorhersagen auch kleinräumig sein, "an den Standort angepasst".

Nun müssten die Landwirte die neuen Möglichkeiten aber erst einmal in der Praxis testen. "Ich bin selbst gespannt. Aber wir müssen auch Erfahrungen damit sammeln", sagte Hartelt dem SWR. Klar sei aber schon jetzt, dass extreme Bedingungen auch durch bessere Vorhersagemethoden nicht verhindert werden könnten - so etwa die Dürre im vergangenen Sommer. Denn: "Eine Katastrophe mit Ansage bleibt auch eine Katastrophe."

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