Sitzendes Mädchen legt Kopf auf Teddy (Foto: Imago, blickwinkel)

Überprüfung eines ehemaligen Assistenzarztes wegen Kindesmissbrauchs Opferbeauftragter fordert Bericht von Uniklinik Homburg

Der rheinland-pfälzische Opferbeauftragte Detlef Placzek fordert einen detaillierten Bericht der Uniklinik Homburg. Dort soll ein Assistenzarzt mehrere Kinder sexuell missbraucht haben.

Detlef Placzek will mit Hilfe des Berichts Hilfsangebote für eventuell betroffene Kinder aus Rheinland-Pfalz prüfen. "Aus Opfersicht sind diese Vorfälle schmählich", so Placzek.

Bisher keine Hinweise am Westpfalz-Klinikum

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass der beschuldigte Arzt auch am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern Kinder missbraucht hat. Das ist das erste Zwischenergebnis einer Task-Force, die die Vorwürfe überprüfen soll.

Der inzwischen gestorbene Mann war in der Zeit von April 2014 bis zu seinem Tod im Juni 2016 in Kaiserslautern in der Klinik für Neurologie beschäftigt. Er habe sich aber auch für den Bereich Kinder- und Jugendmedizin interessiert, hieß es von Seiten des Krankenhauses.

Hotline am Westpfalz-Klinikum

Das Westpfalz-Klinikum hat eine Hotline eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0151 68825769 können sich ehemalige Patienten, Angehörige oder Mitarbeiter mit Hinweisen melden. Betreut wird die Hotline von der ehemaligen Missbrauchsbeauftragten der Diözese Speyer, Sybille Jatzko. Sie ist auch unter der E-Mail-Adresse sybille@jatzko.de erreichbar. Alle Hinweise werden auf Wunsch anonym behandelt.

Akten werden überprüft

In der Task-Force des Westpfalz-Klinikums sitzen Vertreter der Geschäftsführung, der ärztlichen Direktion, der Pflegedirektion und der Klinik für Neurologie. Sie überprüft die Akten aus dem betreffenden Zeitraum, um die Patientenkontakte des ehemaligen Assistenzarztes "im Detail zu ermitteln". Diese Prüfung dauert noch an.

Am Montag war bekanntgeworden, dass der ehemalige Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKS in Homburg von 2010 bis 2014 womöglich mehrere Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht hat. Die Eltern der meist fünf bis acht Jahre alten Kinder wurden bis vor Kurzem nicht darüber informiert.

Überprüfungen in Homburg werden ausgeweitet

Die Uniklinik in Homburg teilte mittlerweile mit, dass sie ihre Ermittlungen ausweitet. Der Mann habe seit 2003 Medizin an der Universität des Saarlandes studiert, seine klinische Ausbildung habe 2005 begonnen. Deshalb sollen jetzt auch die Akten aus dieser Zeit überprüft werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen der Behandlung von 34 Patienten. Nach dem überraschenden Tod des Arztes 2016 waren die Ermittlungen eingestellt worden. Der Fall hat im Saarland auch eine politische Debatte ausgelöst.

Opfer-Anwältin kündigt Klage an

Eine Opfer-Anwältin wirft der Uni-Klinik Homburg vor, jahrelang versucht zu haben, den Missbrauchsskandal zu vertuschen. Sie hat angekündigt, Verantwortliche der Klinik und der Staatsanwaltschaft anzuzeigen.

Die Uni-Klinik sei, so die Anwältin, den Vorwürfen gegen den Arzt nicht richtig nachgegangen und habe viel zu spät Anzeige erstattet. Ein Gerichtspsychiater habe dem Arzt ein hohes Gefährdungspotenzial bescheinigt. Trotzdem habe er ein einwandfreies Arbeitszeugnis ausgestellt bekommen und sein späterer Arbeitgeber, das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern, nichts von den Vorwürfen erfahren.

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