Wohnmobil und Auspuff (Foto: SWR)

Wenn der Camper draußen bleiben muss Wohnmobil-Branche fürchtet Diesel-Fahrverbote

Eigentlich boomt die Caravaning-Branche, Reisen mit dem Wohnmobil liegen im Trend. Gäbe es da nicht das Problem mit den Dieselfahrverboten. Denn in viele Städte kommen ältere Modelle bald gar nicht mehr rein.

Seit dem Wochenende drängen sich auf der Stuttgarter Messe wieder tausende Reiselustige und Interessierte durch die Gänge. Mehr als 2.000 Aussteller präsentieren auf der Caravan Motor Touristik (CMT) ihre neuesten Modelle - vom umgebauten Van bis zur fahrenden Luxuswohnung ist alles dabei.

Aber egal, ob Daimler, VW oder Fiat: Unter der Motorhaube brummt in der Regel ein Dieselmotor. In Zeiten von Dieselskandal und Einfuhrverboten in Innenstädten interessiert immer mehr Besucher: Welche Abgasnorm erfüllen die Reisemobile?

Am besten gleich einen Euro-6-Diesel

Denn entgegen der weitläufigen Meinung ist nicht die grüne Plakette entscheidend, sondern die Schadstoffklasse. Sollten sich in Stuttgart beispielsweise die Stickoxid-Werte nicht verbessern, droht auch Euro-5-Dieseln ein Verbot. In Mainz könnte ebenfalls ein Fahrverbot geben, Details sollen in den kommenden Monaten festgelegt werden.

"Die neuen Fahrzeuge haben alle Euro-6-Normen, erfüllen also die Emissions-Grenzwerte", erklärt Holger Siebert, Geschäftsführer des Reisemobil-Herstellers Eura Mobil mit Sitz in Sprendlingen (Kreis Mainz-Bingen). Diese müssten auch künftig keine Fahrverbote fürchten.

Siebert, der zugleich im Vorstand des Caravaning Industrie-Verband (CIVD) ist, weiß aber auch: "Viele Fahrzeuge, die gerade einmal zehn Jahre alt sind, sind von den Verboten betroffen." Für diese gilt in Stuttgart, Hamburg oder auch Darmstadt: Sie müssen leider draußen bleiben. Für die Eigentümer solcher Fahrzeuge eine Zwickmühle, denn ein Verkauf ist meist mit einem riesigen Wertverlust verbunden, der noch deutlich schmerzhafter ist als beim Pkw.

Forderungen nach C-Kennzeichen

"Die Reisemobilisten leiden unter den Fahrverboten. Denn sie können zum einen nicht mehr nach Hause fahren, und zum anderen nicht mehr zu bestimmten Reisedomizilen", bestätigt auch Peter Hirtschulz vom Deutschen Caravaning Institut (DCI). Das DCI fürchtet massive Auswirkungen auf die gesamte Branche. Denn neben Privatpersonen hätten auch die Verleiher von Reisemobilen Angst, dass sie einen Teil der Flotte nicht mehr vermietet bekämen.

Hirtschulz und seine Mitstreiter haben daher eine Initiative gegründet, in der sie die Einführung eines C-Kennzeichens fordern. Das soll sicherstellen, dass Wohnmobile auch weiterhin freie Fahrt in Fahrverbotszonen haben. Einschließen soll das Kennzeichen nach Plänen des DCI die Abgasnormen Euro 4 bis 6. Vorbild könnten die H-Kennzeichen von Oldtimern sein, so Hirtschulz.

Werk von Eura Mobil in Sprendlingen (Foto: SWR)
In Sprendlingen im Kreis Mainz-Bingen entstehen Reisemobile der neuesten Generation - auch über E-Wohnmobile denkt man hier bereits nach.

Marktlücke E-Wohnmobil

Auf der CMT werden derweil erste Hybrid- und Elektro-Wohnmobile vorgestellt, wie sie auf dem Massenmarkt bisher noch nicht angeboten werden.

Eine Marktlücke, die man bei Eura Mobil im rheinland-pfälzischen Sprendlingen schließen möchte. Künftig will man dort neben Dieselmotoren zusätzlich auch E-Antriebe einbauen.

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