Schafe im Sonnenaufgang auf einer Weide bei Maulbronn (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)

Landschaftspflege durch Tiere Wie Weideprojekte in Rheinland-Pfalz dem Artenschutz helfen

Im ganzen Land sind Rinder, Pferde und Schafe als Landschaftspfleger angestellt. Ihre Arbeitgeber sind Naturschutzverbände, ihr Lohn der Erhalt von Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen.

Freie Kost und Logis und das einzige, was sie tun müssen ist Fressen. Landschaftspflege ist für Tiere ein wahrer Traumjob. Für den kann sich aber nicht jeder bewerben: Gefragt sind Robustrinder, Pferde, Schafe, Ziegen und Esel. Denn sie stehen das ganze Jahr draußen, leben praktisch halb wild auf ihren Weiden. Der Streit um ein Weideprojekt im Selztal wurde kürzlich vor Gericht geklärt. Denn wer für die Tiere verantwortlich ist, ist individuell per Vertrag geregelt.

Quelle: NABU, Umweltministerium

Per Vertrag festgelegt, wer sich kümmert

Oft gehören die Auerochsen und Konik-Pferde den Naturschutzorganisationen, die sich für das Weideprojekt einsetzen und es betreuen. Manchmal stellen aber auch wie im Selztal Landwirte die Tiere zur Verfügung, erklärt NABU-Sprecherin Ann-Sybil Kuckuk. "Es wird im Einzelfall ausgehandelt, wer vor Ort die Tierbetreuer sind", sagt sie.

Die Tiere sind trotz aller Freiheiten keine Wildtiere - die Zäune müssen gewartet werden, sie müssen zum Tierarzt und büxen auch mal aus. "Es muss jemand da sein, der mit den Tieren umgehen kann", sagt Kuckuk. Einige Tiere wie die Karpatenbüffel auf den Thürer Wiesen bei Koblenz gehören dem NABU-Landesverband, andere den Ortsgruppen. Träger von Weideprojekten sind außerdem Naturschutzbehörden, Naturparks oder auch Kommunen.

Konik-Pferd (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Konik-Pferde sind nachgezüchtete Tiere der fast ausgestorbenen Przewalski-Wildpferde. Sie wurden mit Hauspferden gekreuzt. Picture Alliance

Finanzierung aus vielen Töpfen

Finanziert werden die Projekte in Rheinland-Pfalz laut Umweltministerium häufig als naturschutzrechtliche oder bauplanungsrechtliche Kompensation. Dann zahlt der Kompensationspflichtige. Weitere Möglichkeiten der Finanzierung sind Naturparks und Fördermittel. Ein solches Artenschutzprogramm fördert zum Beispiel die Weideflächen im Gaytal und am Frankenstein in der Pfalz. Einige kleinere Projekte werden auch von den Naturschutzbünden NABU oder BUND allein getragen. Häufig beantrage der NABU laut Kuckuk Landesfördermittel, die aber wiederum häufig auf EU-Förderung zurückgehen.

Ohne Weidetiere wird Wildnis immer Wald

Vor 12.000 Jahren waren Wisent, Auerochse und Wildpferd in Rheinland-Pfalz heimisch. Heute nehmen schnellwachsende Bäume den Raum sofort ein. "Ohne große Weidetiere würde jede Wildnis irgendwann zu Wald werden", sagt Kuckuk. Doch man wolle eine Vielfalt an Lebensräumen erhalten - am Boden brütende Vögel wie Wachteln, Greifvögel, Fledermäuse und Pflanzen wie Orchideen brauchen das Offenland.

hochlandrind (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Das Schottische Hochlandrind gehört zu den Robustrindern, die ganzjährig draußen gehalten werden können. Picture Alliance

Gerade schwere Tiere wie die schottischen Hochlandrinder an der Selz oder die Heckrinder im Pfrimmtal helfen auch den flussnah lebenden Amphibien. "Sie drücken mit ihrem Gewicht den Boden stellenweise zu Tümpeln ein", sagt Kuckuk. Zudem sorgen sie für eine natürliche Düngung des Bodens, es gebe mehr Käfer und damit mehr Futter für Vögel.

"Die Weideprojekte wachsen immer weiter", sagt Kuckuk. Werden Verträge gekündigt, werden Herden häufig anderswo eingesetzt. "Doch eigentlich kommt das sehr selten vor. Meist laufen die Projekte unbefristet oder werden immer wieder verlängert", sagt die NABU-Sprecherin.

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