Engpass bei Vlexx, Ärger bei Pendlern in Rheinhessen - was sich mit den neuen Fahrplan in Rheinland-Pfalz verändert. Das Foto zeigt einen DB- und einen Vlexx-Zug (Foto: dpa Bildfunk, dpa/Fredrik von Erichsen)

Fehlendes Personal, aber mehr Verbindungen Was sich mit dem neuen Fahrplan in Rheinland-Pfalz ändert

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Geplante Ausfälle bei Vlexx, neue Umstiegszeiten für Pendler, aber unterm Strich mehr Bahnen, mehr Busse, mehr Verbindungen - der Fahrplanwechsel zum 15. Dezember bringt in Rheinland-Pfalz viele Änderungen mit sich.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Besonders umfangreich fallen die Änderungen im neuen Fahrplan in Rheinhessen aus. Auslöser dafür ist "Gateway Gardens", eine neue S-Bahn-Haltestelle am Frankfurter Flughafen. Sie sorgt dafür, dass zahlreiche Fahrpläne angepasst wurden und Pendler sich nicht nur auf neue Umstiegszeiten, sondern teils auch auf neue Umstiegsverbindungen einstellen müssen.

Zweckverband hofft auf erträgliches Ergebnis

Besonders die von Pendlern stark genutzte S-Bahn 8 braucht zwischen Mainz und Frankfurt nun länger und hat andere Abfahrtszeiten. Für die komplette Südhälfte von Rheinland-Pfalz hat Fritz Engbarth-Schuff vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV Süd) die neuen Fahrpläne mitausgehandelt. "Die Sensibilität bei den hessischen Kolleg*innen dafür, dass die durch 'Gaga' ausgelösten Änderungen der S8 bei uns massive Probleme zur Folge haben würden, musste erst wachsen", schreibt Engbarth-Schuff auf Nachfrage. Er hofft, dass das Ergebnis für die Menschen in Rheinhessen nun erträglich ist.

"Die Sensibilität bei den hessischen Kolleg*innen dafür, dass die durch 'Gaga' ausgelösten Änderungen der S8 bei uns massive Probleme zur Folge haben würden, musste erst wachsen."

Fritz Engbarth-Schuff, ZSPNV Süd

Das sind die wichtigsten Änderungen in Ihrer Region:

Geplante Zugausfälle bei Vlexx

Bei den privaten Bahnunternehmen macht sich der Personalengpass deutlich bemerkbar. Bei Vlexx greift deshalb seit Sonntag ein Ersatzfahrplan, bei dem Zugausfälle schon eingeplant sind. Etwa zehn Prozent der Verbindungen fallen aus. Auch bei Trans Regio gilt ein reduzierter Fahrplan. Der ZSPNV Süd weist darauf hin, dass Vertragsstrafen bei unpünktlichen Zügen und Ausfällen erhoben werden und die ausfallenden Leistungen auch nicht bezahlt werden. Teilweise fange DB Regio aber Verbindungen auf.

Der Fahrgastverband "Pro Bahn Rheinland-Pfalz/Saarland" übt besonders Kritik am hessischen Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Der RMV sei vorgegangen "wie die Axt im Walde", geradezu arrogant gegenüber Rheinland-Pfalz, sagt Martin Mendel von "Pro Bahn". Was in Hessen entschieden werde, habe Auswirkungen von Oberwesel bis nach Frankenthal. Er befürchtet, dass viele Pendler ins Rhein-Main-Gebiet wegen der neuen Taktung ihre Anschlüsse verpassen und längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Der Regional-Express von Frankfurt nach Saarbrücken, der zum Beispiel in Mainz und Idar-Oberstein hält, brauche mit dem neuen Fahrplan 17 Minuten länger als bisher. Das sei zu lang.

Pro Bahn fordert mehr Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

"Pendlerbewegungen enden nicht mehr an Ländergrenzen", sagt Mendel. Er sieht einen Rückschritt hin zur "Länderbahnzeit". Jedes Bundesland mache beispielsweise seine eigene Internetseite für Fahrkarten.

Zufrieden klingt dagegen Thomas Nielsen vom Zweckverband SPNV-Nord. Im Norden laufe die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Nordrhein-Westfalen sehr gut. Vorzeigeprojekt ist hier der Rhein-Ruhr-Express (RRX), eine wichtige Verbindung für Bahn-Pendler aus der Region nach Koblenz, Bonn und Köln. Im Herbst habe es Einbrüche bei der Pünktlichkeit gegeben, räumt Nielsen ein, der selbst täglich den RRX nutzt, das dürfte sich nun wieder verbessern. Man habe dazu viele Gespräche geführt.

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Generell sei die Infrastruktur in weiten Teilen des Landes überlastet, meint Nielsen. Viel Geld sei nötig, um Gleise und Bahnhöfe zu ertüchtigen und um neue Züge einzukaufen. Die Deutsche Bahn (DB) hat in diesem Jahr eine große Einstellungsoffensive gestartet. Das sei bei den Busunternehmen im Land und bei Transregio und Vlexx noch viel nötiger als bei der DB, um Personal für die Zukunft zu finden, sagt Nielsen. Aber für eine große gemeinsame Einstellungs-Werbeaktion fehlten die Mittel und das Personal. Beim SPNV-Nord arbeiten insgesamt zwölf Personen. Da müssten das Land und der Bund helfen, um dem Nah- und dem Regionalverkehr für das nächste Jahrzehnt einen ordentlichen Anschub zu verleihen.

Ministerium: 500 Millionen Euro jährlich für ÖPNV

Das Verkehrsministerium von Rheinland-Pfalz weist darauf hin, dass das Land bereits jedes Jahr mehr als 500 Millionen Euro in das landesweite Angebot für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) steckt. Im Norden von Rheinland-Pfalz laufe ein großes Projekt, um den Busverkehr über Verbundgrenzen hinweg aufeinander abzustimmen, was positive Auswirkung selbst auf sehr kleine Gemeinden habe. Außerdem gebe es Verbesserungen im grenzüberschreitenden Verkehr. Zum Fahrplanwechsel eingeführt wird die RB83 als neue Verbindung von Wittlich über Trier nach Luxemburg.

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