Seehof Erlenbach im Naturpark Pfälzerwald (Foto: dpa Bildfunk, Jürgen Wackenhut)

Warnung des Landesamtes Blaualgen in vier Badeseen in Rheinland-Pfalz

Bei steigender Temperatur wird die Wasserqualität in stehenden Gewässern problematisch. In einigen Badeseen könnte das Schwimmen bald nicht mehr erlaubt sein.

Zu Beginn des Sommers und zur ersten großen Hitzewelle des Jahres wird in Rheinland-Pfalz in vier Badegewässern wegen einer Blaualgenblüte gewarnt - noch ist dort das Baden aber erlaubt. Bei den betroffenen Gewässern handelt es sich nach Angaben des Landesamtes für Umwelt in Mainz um die Krombachtalsperre im Westerwald, den Seehof Erlenbach in der Verbandsgemeinde Dahn im Süden des Landes, den Badeweiher "An der Steinernen Brücke" in Neuhofen (Rhein-Pfalz-Kreis) sowie den Stadtweiher Baumholder.

Grundsätzlich seien von den 70 Badegewässern in Rheinland-Pfalz zurzeit etwa 50 Prozent Kandidaten für die Ausbildung einer Blaualgenblüte, sagte Christoph Deller. Der Chemiker ist beim Landesamt für Umwelt Leiter des Referats Allgemeine Wasseranalytik, Anorganische Spurenanalytik und Badegewässerüberwachung. Am Dienstag beschäftigt sich auch der Umweltausschuss des Mainzer Landtags mit der Wasserqualität der Badegewässer.

Blaualgen im Wasser mit Seerose (Foto: dpa Bildfunk, Ralf Hirschberger)
So sehen die Algenteppiche der Blaualgen aus. Ralf Hirschberger

Grundsätzlich sei es so, dass viel Sonnenschein, hohe Temperaturen und lange Tage das Wachstum von Phytoplankton in Gewässern beförderten, also von meist einzelligen Kleinstlebewesen, die Photosynthese betreiben. Wenn dies auf ein gutes Nährstoffangebot treffe, könne es zu einer Massenentwicklung kommen, sagte Deller - also zu einer Algenblüte. Problematische Regionen seien beispielsweise solche, wo Düngemittel aus der Landwirtschaft eingeschwemmt würden und Phytoplankton so auf viele Nährstoffe treffe. Während Grünalgen für Badende nicht gesundheitsschädlich seien, könnten Blaualgen, also Cyanobakterien, das sehr wohl sein.

Sie produzieren Deller zufolge Giftstoffe. Streng genommen seien Blaualgen keine Algen, sondern zu Photosynthese befähigte Bakterien - und die haben dem Experten zufolge häufig wenig Fressfeinde und sind an eine Vielzahl extremer Bedingungen angepasst, können sich also schnell ausbreiten. Die von den Blaualgen ins Wasser abgegebenen Giftstoffe könnten wiederum allergische Reaktionen hervorrufen, Hautreizungen oder auch Magen-Darm-Probleme.

Für Fische könnte pH-Wert gefährlich werden

Ab einer Konzentration an Blaualgen-Chlorophyll von 15 Mikrogramm pro Liter Wasser wird den zuständigen unteren Wasserbehörden - den Kommunen - vom Landesamt eine Warnung der Badegäste empfohlen, wie Deller erklärte. Dann werde geraten, Algenteppiche zu meiden, kein Wasser zu trinken, sich nach dem Schwimmen gründlich zu duschen und darauf zu achten, dass Kinder möglichst wenig Wasser schlucken. Der nächste Schritt bei einer noch intensiveren Algenblüte wäre dann ein Badeverbot.

Im Herbst können sowohl die Folgen einer Grün-, als auch einer Blaualgenblüte Probleme für das Gewässer bringen. Bei kühleren und kürzeren Tagen sterben diese ab, sinken zu Boden und werden zersetzt. Wenn es typischerweise im Herbst zu einer kräftigen Durchmischung der Wasserschichten komme, könnten bei der Zersetzung im unteren Bereich des Sees entstandene Faulgase wie Schwefelwasserstoff im gesamten Gewässer verteilt werden und ein Fischsterben auslösen.

Probleme für Fische drohten auch, wenn der pH-Wert im Wasser wegen einer Algenblüte steige. Wenn der zwischen den Werten neun und zehn oder sogar darüber liege, könne Ammonium zu Ammoniak werden, was ebenfalls giftig für Fische sei. Insbesondere in flachen Gewässern könnten die Tiere dann nicht in andere Schichten ausweichen.

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