Ein Gitarrenkoffer vor einem Straßenmusiker (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Virtuosen und Nervensägen Wie Städte in Rheinland-Pfalz mit Straßenmusikern umgehen

Straßenmusiker können Innenstädte bereichern, aber auch Beschwerden verursachen. Zahlreiche Kommunen in Rheinland-Pfalz machen Vorgaben für die Darbietungen.

Die Frühlingssonne lockt wohl bald wieder mehr Straßenmusiker in die Innenstädte. Sie können Fußgängerzonen beleben und Passanten begeistern - oder auch nicht. Eine einfache und effektive Vorgabe machen etliche Städte: Straßenmusiker müssen nach einer bestimmten Zeit den Ort wechseln - außer Hörweite. In Andernach beispielsweise nach 20 Minuten, "damit nicht jemand eine Stunde 'O Sole Mio' trällert und den Geschäftsleuten die Ohren abfallen", wie Stadtsprecher Christoph Maurer erklärt.

Der Sänger und Gitarrist Bastian Stein spielt in der Fußgängerzone in Koblenz. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Der Sänger und Gitarrist Bastian Stein spielt in der Fußgängerzone in Koblenz. Picture Alliance

Der Sänger und Gitarrist Bastian Stein wechselt bei seinen Auftritten in Koblenz alle 15 Minuten den Ort. "Geschäftsleute sagen schon mal: 'Du vertreibst Kunden'", berichtet der 16-jährige Gymnasiast, der bereits bei einem SWR-Songcontest einen Sonderpreis gewonnen hat. "An meinem besten Tag habe ich in eineinhalb Stunden 195 Euro verdient", sagt Stein. Die Höhe seiner Einnahmen sei aber sehr wechselhaft.

Unterschriftenliste in Kaiserslautern

In Kaiserslautern haben vor Jahren Geschäftsleute und Anwohner sogar eine Unterschriftenliste mit der Überschrift: "Nervende Straßenmusik - nein danke" bei der Stadtverwaltung abgegeben. Ihr Ansinnen, Straßenmusik genehmigungspflichtig zu machen, hat der Bauausschuss seinerzeit jedoch mit breiter Mehrheit abgelehnt.

So ist es auch in den meisten anderen Städten im Land: Straßenmusiker müssen sich weder eine offizielle Erlaubnis für ihre Darbietungen besorgen noch Gebühren zahlen. Streng ist allerdings Trier: Straßenmusikanten dürfen hier laut Pressestelle nur mit Genehmigung und lediglich zu bestimmten Zeiten auftreten - und müssen dafür 25 Euro berappen.

Lautstärke und elektrische Verstärkung

Die Lautstärke verschiedener Musikinstrumente variiert stark. Die Landauer Stadtsprecherin Sandra Diehl teilt mit: "Besonders laute Instrumente wie Trompeten, Schlagzeug und Dudelsack sind nicht generell untersagt; das Ordnungsamt würde aber einschreiten, sollte es zu Beschwerden kommen." Ähnlich äußern sich auch mehrere andere Städte.

Der Koblenzer Stadtsprecher Thomas Knaak erklärt: "Elektronisch verstärkt dürfen die Instrumente nicht sein." Auch hier sind etliche andere Kommunen der gleichen Ansicht. Einige Städte wie Trier und Kaiserslautern gestatten auch nicht den Verkauf eigener CDs.

Sonderform Flashmob

Und dann gibt es noch eine Sonderform von Musik auf der Straße: Flashmobs von Profimusikern, die wie aus dem Nichts auftauchen und musizieren. Der Profigeiger Arvid Single hat das einmal in Koblenz mit einem Kollegen gemacht und Spaß daran gefunden: "Nahes Publikum, keine Bühne, keine Konzertkleidung - all das bedeutet ein unmittelbares Musizieren. Man wird angesprochen, das ist keine steife Konzertatmosphäre." Ungewohnt sei nur gewesen, "dass manche Leute uns Münzen in die Geigenkästen geworfen haben, obwohl wir das gar nicht wollten".

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