Fridays for future Plakat auf der Hunsrückbahn-Strecke (Foto: SWR)

Vier Fragen zur Hunsrückquerbahn Bringt die Klimadebatte die Reaktivierung der Hunsrückbahn?

Trotz aller politischen Bekundungen fristet die Hunsrückquerbahn seit zwei Jahrzehnten ein trauriges Dasein. Bringt die Klimadebatte die Wende?

Worum geht's?

Das Land plant seit zwei Jahrzehnten die Reaktivierung der Hunsrückquerbahn von Langenlonsheim über Stromberg, Simmern, Kirchberg, Büchenbeuren bis zum Flughafen Hahn. Damit solle insbesondere die Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet verbessert werden und die Strecken von Straßenlärm und Abgasen befreit werden.

Der Bund will sich 2020 bis 2030 jährlich mit einer Milliarde Euro zusätzlichen Eigenkapitals an der Deutschen Bahn beteiligen. Zudem sind rund 60 Milliarden Euro für eine neue Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zur Sanierung des Streckennetzes vereinbart. Ist das Klimapaket eine Chance für die Reaktivierung der Hunsrückquerbahn?

Hunsrückquerbahn-Strecke (Foto: SWR)
Zwischen Langenlonsheim und Stromberg fand bis 2010 Güterverkehr statt

Was sagen die Befürworter?

Die Interessengemeinschaft "Nationalparkbahn Hunsrück-Hochwald Pro" ist der Meinung, dass die Reaktivierung heute mehr denn je gebraucht wird. "Nicht um den Flughafen Hahn retten zu wollen, sondern einfach um den Hunsrückraum an das bundesdeutsche Schienennetz anzuschließen", so Patrick Pandel von der Initiative. "Die Planfeststellung läuft seit über zwei Jahren, die müsste sich so langsam dem Ende neigen und dann müsste hier Baurecht herrschen", fordert Pandel.

Beflügelt durch die Klimadebatte und mögliche Dieselfahrverbote in Innenstädten werde die Hunsrück-Strecke heute noch dringender gebraucht. Außerdem könne die Strecke auch für Pendler attraktiv sein, ergänzt Pandel, da die A61 die nächsten Jahre stark bebaut werde. Die Autobahnstrecke sei heute schon stark an der Kapazitätsgrenze. "Demnächst öffnet auch noch der Hochmoselübergang, was noch mehr Verkehr in den Hunsrück spülen wird", erklärt der Befürworter.

Die Gegner verstehe er nicht, denn man dürfe die Hunsrückquerbahn nicht mit der Rheinstrecke vergleichen. Diese sei der dicht befahrenste Güterzug-Korridor Deutschlands, das könne man nicht mit einer Nebenstrecke im Hunsrück vergleichen. "Es wird keine Güterzüge im Minutentakt geben", sagt Pandel dem SWR-Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz.

Was sagen die Gegner?

Die Interessengemeinschaft (IG) "Hunsrückbahn - so nicht" sieht den Lärmschutz in den Ortsgemeinden gefährdet. Sie fordert unter anderem Lärmschutzvorrichtungen in den Ortsdurchfahrten und ein Nachtfahrverbot von 21 bis 7 Uhr. Außerdem fürchtet die IG Verkehrsstaus durch die Bahnübergänge. Sie fordert mit Reaktivierung der Bahnstrecke zum Beispiel eine Untertunnelung der Bahnstrecke im Ortsgebiet Windesheim (Kreis Bad Kreuznach).

Wolfgang Kochanowski, 1. Vorsitzender der IG "Hunsrückbahn - so nicht", sieht sich nicht als Gegner der Bahn, bezweifelt aber, dass ein notwendiger Lärmschutz in der Planung ausreichend gewährleistet wird. Er sehe in der Strecke keinerlei Nutzen, sondern eher nur Kosten für den Steuerzahler. Für ihn sei der Tourismusverkehr unter anderem zu gering. Das sehe man auch an dem Rückgang der Passagierzahlen am Flughafen Hahn, so der Vorsitzende.

Was sagt die Landesregierung?

Auf eine Anfrage des Politikmagazins Zur Sache Rheinland-Pfalz heißt es aus dem Ministerium, die Hunsrückbahn finde sich auch im Koalitionsvertrag von 2016 wieder. Darin steht geschrieben, dass man daran festhalte, die Hunsrückbahn zu reaktivieren, um die Anbindung der Hunsrückregion zu verbessern. Hierzu werde das laufende Planfeststellungsverfahren bis zur Erlangung des Baurechts abgeschlossen.

Wann vollziehbares Baurecht vorliege, könne das Ministerium nicht sagen. Derzeit laufe das Verfahren beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Noch sei nicht klar, ob gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt werden würde. Mit Blick auf die Zahl der Einwendungen sei das zumindest vorstellbar, so das Ministerium auf Anfrage.

Dauer
STAND