Richter vor Gericht (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Verwaltungsgerichte beklagen Nachwuchssorgen Richtermangel - Hessen macht Rheinland-Pfalz Bewerber abspenstig

Die Verwaltunsggerichte in Rheinland-Pfalz konnten sich ihren Nachwuchs bislang aussuchen. Doch die Zeiten sind vorbei - wohl auch, weil andere Bundesländer mit attraktiveren Angeboten werben.

"Wir hatten für die Verwaltungsgerichtsbarkeit immer Bewerber, die zu den besten rund fünf Prozent der Prüfungsjahrgänge gehörten", sagte der Präsident des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Rheinland-Pfalz, Lars Brocker, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. "Es gab auch immer mehr Bewerber, als wir einstellen konnten. Dann nimmt man die Allerbesten."

Lars Brocker, Präsident des rheinland-pfälzischen Oberverwaltungsgerichts (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Andreas Arnold/dpa)
Lars Brocker, Präsident des rheinland-pfälzischen Oberverwaltungsgerichts Andreas Arnold/dpa

Kanzleien und andere Länder als Konkurrenten

Doch nun sei es schwerer geworden, Nachwuchs zu gewinnen. "Die Konkurrenz der Kanzleien ist groß. Das ist in dieser Dimension neu", nannte Brocker als einen Grund. Zudem drohe der Konkurrenzkampf mit den Nachbarbundesländern schärfer zu werden. Hessen und Baden-Württemberg bezahlten besser. "Hessen lockt demnächst zusätzlich mit der Verbeamtung der Referendare, vom höheren Einstiegsgehalt für Richter ganz zu schweigen."

"Den Begriff Work-Life-Balance höre ich ungern, weil die meisten, die sofort damit kommen, dann mit Life-Work-Balance anfangen"

OVG-Präsident Lars Brocker

Diese "Art des Wettbewerbsförderalismus trägt schon fast ruinöse Züge", kritisierte Brocker. "Wir mussten mit den Ansprüchen an die Examensnoten mittlerweile schon ein bisschen runter gehen", so Brocker. "Es ist schon nicht mehr so, dass es in jedem Fall zwei Prädikatsexamen sind."

"Hohe Präsenzkultur" in den Gerichten

Dennoch: "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Qualität der Arbeit schlechter geworden ist. Es gibt mehr, als nur eine formale Qualifikation über Noten." Was zählt bei den Bewerbern noch? "Den Begriff Work-Life-Balance höre ich ungern, weil die meisten, die sofort damit kommen, dann mit Life-Work-Balance anfangen", sagte Brocker. "Bei uns herrscht eine hohe Präsenzkultur, das heißt, da sein, Kontakt mit den Kollegen. Wir entscheiden auch viel in der Kammer."

In Rheinland-Pfalz gibt es vier Verwaltungsgerichte mit Sitz in Koblenz, Mainz, Neustadt/Weinstraße und Trier sowie das OVG in Koblenz. 96 Richter arbeiten an den Gerichten, darunter 20 am OVG, aber nicht alle in Vollzeit.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP
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