Das Fahndungsfoto von Ali B., im Hintergrund ein Haus in Wiesbaden in der Kreuzberger Straße. (Foto: tagesschau.de, picture-alliance / dpa, Montage: SWR)

Getötete Mainzer Schülerin Verdächtiger im Fall Susanna reiste legal aus

Im Fall der ermordeten Susanna ist der Hauptverdächtige nach Angaben des Bundesinnenministeriums mit gültigen Papieren ausgereist.

Der 20-jährige Iraker Ali B. habe gemeinsam mit seiner Familie Deutschland über den Flughafen Düsseldorf legal verlassen, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin. Die Gruppe habe sogenannte Laissez-passer-Papiere gehabt, die von der EU oder Deutschland ausgestellt würden, wenn kein gültiger Reisepass vorliege. Zuvor war die Rede, dass es sich um irakische Ausreisepapiere handele.

Auslieferung in Ausnahmefällen möglich

Der Mann sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Fahndung ausgeschrieben gewesen. Nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft hat sich der Mann mit seiner Familie ins irakische Erbil abgesetzt. Laut Auswärtigem Amt gibt es mit dem Irak kein generelles Auslieferungsabkommen. Eine Auslieferung sei aber in Einzelfällen möglich, sagte Ministeriumssprecherin Maria Adebahr in Berlin. Zu dem konkreten Fall könne sie aber nichts sagen. Der Iraker wird verdächtigt, das 14 Jahre alte Mädchen Susanna aus Mainz vergewaltigt und getötet zu haben.

Eine DNA-Analyse der am Mittwoch gefundenen Frauenleiche hatte eine 100-prozentige Übereinstimmung, hatten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitgeteilt. Das Mädchen wurde erwürgt oder erdrosselt. Es habe eine "Gewalteinwirkung" auf den Hals gegeben, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Achim Toma.

Zweiter Beschuldigter aus U-Haft entlassen

Zunächst waren die Ermittler davon ausgegangen, dass zwei Männer Susanna in Wiesbaden vergewaltigt und ermordet haben. Ein 35-jähriger Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit wurde am Mittwoch festgenommen - und am Donnerstag wieder auf freien Fuß gelassen. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr gegen ihn, sagte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn. Im Laufe des Donnerstags habe es neue Ermittlungsergebnisse gegeben.

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Internationaler Haftbefehl erlassen

Die Polizei fahndet nach dem flüchtigen Ali B. mit einem internationalen Haftbefehl. Er stehe weiterhin in dringendem Tatverdacht, sagte Kuhn. Sein Asylantrag war Ende 2016 abgelehnt worden. Da sein Rechtsanwalt dagegen eine Klage eingereicht habe, laufe das Verfahren noch. Deswegen hatte die Stadt Wiesbaden ihm eine Aufenthaltsgestattung ausgestellt.

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Den entscheidenden Hinweis erhielt die Polizei von einem 13-jährigen Flüchtlingskind, das in derselben Unterkunft wie der junge Iraker wohnte. Ihm gegenüber habe der Verdächtige die Tat gestanden.

B. soll laut den Ermittlungen die 14-Jährige kurz nach ihrem Verschwinden am 22. Mai vergewaltigt und anschließend getötet haben, um die Vergewaltigung zu vertuschen. Der jüdische Glaube des Opfers spiele bei den Ermittlungen keine Rolle, sagte ein Sprecher der Polizei. Es würde sich "ausschließlich" um ein Sexualdelikt handeln. Der Zentralrat der Juden hatte in einer Mitteilung darauf hingewiesen, dass Susanna Jüdin gewesen sei.

Das Fahndungsfoto zeigt Ali B. Der 20-jährige Iraker gilt im Fall Susanna als dringend tatverdächtig.  (Foto: picture-alliance / dpa)
Die Polizei veröffentlichte ein Fahndungsfoto von Ali B. Der 20-jährige Iraker gilt im Fall Susanna als dringend tatverdächtig.

Tatverdächtiger Iraker war polizeibekannt

Der 20-Jährige war in diesem Jahr bereits mehrfach polizeilich aufgefallen. Neben Pöbeleien und Prügeleien soll sein Name auch im Zusammenhang mit der Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens gefallen sein, erklärte der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller.

Die Hinweise hätten sich aber nicht erhärten können. Es habe daher keine Gründe für eine Inhaftierung gegeben. Susanna soll sich öfter in der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim aufgehalten haben und den Bruder des tatverdächtigen Irakers näher gekannt haben, sagte der Polizeipräsident.

Die 14-jährige Susanna war seit dem 22. Mai vermisst worden. Bereits in der vergangenen Woche wurde nach der Jugendlichen gesucht, jedoch ohne Erfolg. Nach Zeugenhinweisen wurde die Suche in Wiesbaden-Erbenheim am Montag wieder aufgenommen. Am Mittwoch wurde dann in einem schwer zugänglichen Gelände die Leiche gefunden.

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