Welt-Suizid-Präventionstag (Foto: Colourbox)

Experten warnen am Welttag der Suizidprävention Der verherrlichte Suizid im Internet

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Die Zahl der Suizide ist seit den 1980er Jahren rückläufig. Die Organisation jugendschutz.net in Mainz warnt allerdings vor neuen Gefahren für Heranwachsende durch das Internet und Social-Media-Plattformen.

In Rheinland-Pfalz schwankte die Zahl der Selbsttötungen in den vergangenen Jahren nach den Erhebungen des Statistischen Landesamtes um die 500.

Mehr als 9.200 Menschen nahmen sich nach Angaben des Nationalen Suizidpräventionsprogramms in ganz Deutschland 2017 das Leben. "Das ist die niedrigste Anzahl der in Deutschland erhobenen Suizide seit deren Höchststand im Jahre 1981", erklärt Hannah Müller-Pein von der Universität Kassel.

Während die Todesfälle durch Suizide rückläufig sind, tauchten in den vergangenen Jahren allerdings neue Gefahren und Risiken, insbesondere für Jugendliche auf. Davor warnt jugendschutz.net in Mainz anlässlich des "Welttags der Suizidprävention" am 10. September. Diese Einrichtung ist das Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet.

Gefährliche Inhalte nicht nur im Darknet

Die Experten durchforsten das Internet und die sozialen Medien kontinuierlich unter anderem nach Inhalten, die Selbsttötungen verharmlosen oder verherrlichen. Bei ihrer täglichen Arbeit stellen die jugendschutz.net-Mitarbeiter immer wieder fest: Was früher nur im Geheimen stattfand, ist heute offen für jedermann auffindbar.

So gebe es frei zugängliche Suizidforen im Internet, die die Selbsttötung als einzigen Ausweg beschreiben. Zudem finde man heutzutage in den von Jugendlichen stark genutzten Social-Web-Plattformen wie zum Beispiel Facebook, Instagram und YouTube eine Vielzahl von Inhalten, die Suizide verharmlosten und verherrlichten, berichtet Katja Rauchfuß von jugendschutz.net.

Gefahr von Nachahmung

Als weitere Gefährdung von Heranwachsenden nennt Rauchfuß die "Suizid-Challenges", die in den vergangenen zwei Jahren Thema waren. Es gibt nach ihrer Einschätzung zwar keine gesicherten Erkenntnisse, dass diese Challenges mit Namen wie "Blue Whale" oder "Momo" tatsächlich "gespielt" werden.

Von dieser Frage unabhängig stellten diese "Phänomene" dennoch ein Risiko für Kinder und Jugendliche da. Inhalte, die Suizide oder auch Selbstverletzungen verherrlichten und verharmlosten, könnten labile Heranwachsende in ihrem Verhalten bestärken und zur Nachahmung animieren, warnt Rauchfuß. Die jungen Menschen könnten in den Challenges eine verlockende Möglichkeit sehen, Gleichgesinnte zu finden oder Aufmerksamkeit zu erregen.

jugendschutz.net sieht insbesondere die Anbieter der Plattformen in der Verantwortung, eine sichere Umgebung für Kinder und Jugendliche zu schaffen.

Schnelles Handeln ist gefragt

Welt-Suizid-Präventionstag (Foto: Colourbox)

Die Einrichtung beobachtet bereits seit vielen Jahren das Phänomen von prosuizidalen Inhalten im Internet. Im vergangenen Jahr registrierten die Experten allein 58 Fälle in Deutschland, in denen nach Personen für einen gemeinsamen Suizid gesucht wurde. Das war ein deutlicher Anstieg gegenüber 2017. Dafür verantwortlich, so jugendschutz.net, seien maßgeblich zwei Foren gewesen. Das eine war im Ausland beheimatet, das andere im Darknet.

"Suizid" - Schriftzug auf Kopfsteinpflaster (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Picture Alliance

Rauchfuß weist darauf hin, dass in diesen Fällen sehr schnelles Handeln erforderlich ist. Durch Einschaltung der Polizei sei es in den genannten Fällen möglich gewesen, einige Verfasser zu finden und Selbsttötungen zu verhindern.

Belastender Arbeitsalltag bei jugendschutz.net

"Diese Situationen sind auch für uns als Mitarbeiter nicht einfach und manchmal auch belastend", erzählt Rauchfuß aus ihrem Arbeitsalltag. Immer wieder erinnern sich die Kollegen jedoch untereinander daran, Ruhe zu bewahren und keine Angst zu haben, etwas falsch zu machen. "Lieber einmal zu viel die Polizei informiert als einmal zu wenig", sagt Rauchfuß und meint damit ihr Team genauso wie jeden aufmerksamen Internet-User.

Bedenkliche Webinhalte melden

Wer im Netz oder den Sozialen Medien auf bedenkliche Inhalte stößt, sollte diese umgehend melden. Das geht entweder über das Webformular von jugendschutz.net oder per E-Mail an das Kompetenzzentrum jugendschutz-net in Mainz (hotline@jugendschutz.net)

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