Die Autobahn A1 endet zwischen Kelberg und Blankenheim - hier klafft eine Lücke von rund 25 Kilometern (Foto: dpa Bildfunk, Thomas Frey)

Verbände fordern Alternativkonzepte von Politk Naturschützer wollen Straßenausbau in Rheinland-Pfalz stoppen

Die rheinland-pfälzische Verkehrspolitik setzt zu sehr auf den Autoverkehr, finden die drei großen Naturschutzverbände im Land. Sie fordern einen Stopp aller Ausbauprojekte und vor allem: Alternativkonzepte.

In einer gemeinsamen Erklärung sprachen sich die Landesverbände des BUND und des NABU sowie die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz am Donnerstag in Mainz für einen Neuanfang in der Verkehrspolitik aus. Gleichzeitig forderten sie ein Moratorium für den Neubau und Ausbau von Straßen.

Ausnahmen nur für wirklich notwendige Maßnahmen

Ausnahmen von diesem Moratorium solle es nur für den Ersatzbau maroder Brücken, für Instandsetzungsmaßnahmen sowie bereits begonnene Ausbauprojekte geben.

Der Hochmoselübergang, der Lückenschluss der A1 in der Eifel sowie der sechsspurige Ausbau der A643 durch das Naturschutzgebiet Mainzer Sand seien rein auf einen Zuwachs des Straßenverkehrs ausgelegt, erklärten die Verbände: "Anstatt jährlich Milliarden in den Neu- und Ausbau von Straßen zu stecken, müssten alternative Verkehrskonzepte entwickelt und finanziert werden, die zur Reduktion des Straßenverkehrs beitragen", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Besonders A643-Ausbau Dorn im Auge der Naturschützer

Nicht mehr notwendig sei dann insbesondere ein weiterer Ausbau der A643 durch das Naturschutzgebiet Mainzer Sand und den Lennebergwald. Für dieses Projekt hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) im August die Planungsunterlagen vorgelegt. Nach Einsicht in die Pläne können Bürger bis zum 11. Oktober Einwendungen gegen den Ausbau des 2,2 Kilometer langen Abschnitts von der Schiersteiner Brücke zum Mainzer Autobahnring erheben.

In den Unterlagen heißt es zur grundsätzlichen Bewertung des von der Autobahn geteilten Naturschutzgebiets, der Mainzer Sand habe "einen extrem hohen Anteil an Biotopen von hoher bis sehr hoher Bedeutung". Das Dünengebiet nehme aufgrund seiner geologischen Entstehung "eine Sonderstellung für den gesamten westdeutschen Raum" ein.

Verkehrsministerium stellt sich gegen Forderungen

Das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium hat sich gegen die Forderung der Naturschützer ausgesprochen. Gute Straßenverbindungen seien die Voraussetzung für gleichwertige Lebensverhältnisse, teilte das Ministerium mit. Nur Regionen, die gut erreichbar seien, könnten sich als Standorte für Unternehmen, als Reiseziele oder Wohngebiete erhalten. Wer dem ländlichen Raum die Infrastruktur verweigere, der verweigere ihm eine Perspektive.

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