Außenansicht des Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier (Foto: SWR)

Fachkräftemangel an Trierer Krankenhaus Krankenhaus verteidigt Aufnahmestopp an Kinderkrebsstation

Die Klinikleitung des Mutterhauses der Borromäerinnen hat Mittwoch mitgeteilt, dass in den vergangenen Wochen zwei Ärzte die Kinderkrebsstation verlassen haben.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Schon zuvor habe es Schwierigkeiten gegeben, Pflege-Stellen zu besetzen. Der Weggang der beiden Ärzte habe dann die Situation zusätzlich verschärft. Daher habe man sich entschlossen, bis auf weiteres alle schwer krebskranken Kinder in die Uniklinik ins saarländische Homburg zu verweisen. Wann wieder junge Krebspatienten stationär in Trier aufgenommen werden können, sei offen. Es sei nach wie vor schwierig, offene Stellen zu besetzen - insbesondere im Pflegebereich. Auf der Kinderkrebsstation gebe es derzeit ein sehr junges Team an Schwestern. Sie müssten aber zunächst eingearbeitet werden.

Gesundheitsministerium wusste nichts von Situation

Das Landes-Gesundheitsministerium hatte am Dienstag das Klinikum Mutterhaus aufgefordert, schnellstmöglich eine Lösung zu finden. Junge Krebspatienten müssten auch weiterhin in Trier stationär behandelt werden. Wie das Krankenhaus bestätigt hatte, sind davon aktuell zwölf Kinder betroffen. Sie werden laut Mutterhaus schon seit Anfang 2018 in der Uniklinik im saarländischen Homburg therapiert.

Kranke Kinder müssen in Homburg behandelt werden

Das gelte auch für alle neu aufgenommenen krebserkrankten Kinder aus der Region, bei denen beispielsweise Chemotherapie notwendig sei. Das Klinikum Mutterhaus begründet die Schließung mit Fachkräftemangel im Pflegebereich. Die ambulante Versorgung sei nicht betroffen.

Kritik vom Förderverein

Eugen Schuh, Vorsitzender des Fördervereins krebskranker Kinder in Trier, forderte, die Kinderkrebsstation müsse wieder voll funktionsfähig arbeiten. Es sei ein unerträglicher Zustand, dass die Kinder für die Behandlung so weit weg ihrer Heimat verwiesen würden. Es sei erschütternd, dass die betroffenen Familien zusätzlich mit der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten und Fahrtkosten belastet würden. Der Förderverein krebskranker Kinder habe erst vor wenigen Tagen davon erfahren, dass das Klinikum schon seit Monaten keine Kinder mehr auf der Krebsstation aufnehme.

30 Jahre Kinderkrebsstation in Trier

Die Kinderkrebsstation im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen sei vor mehr 30 Jahren ins Leben gerufen worden, um Patienten wohnortnah zu betreuen, so Schuh weiter. Für den Förderverein sei jetzt nicht nachvollziehbar, wie das Krankenhaus die Schließung begründe. Wenn Mitarbeiter schon Anfang des Jahres gekündigt hätten, bliebe die Frage, warum das Krankenhaus nicht rechtzeitig gegengesteuert habe. Eine Sprecherin des Krankenhauses sagte, man arbeite mit Hochdruck daran, die stationäre Versorgung der Patienten in Zukunft wieder zu gewährleisten.

Betroffener reagiert entsetzt

Die Tochter von Harald Mitscher erkrankte vor zwanzig Jahren an Leukämie - Laura war erst zwei Jahre alt. Es folgten jahrelange Chemotherapien und Behandlungen. Viele Tage und Nächte verbrachte der Familienvater auf der Kinderkrebsstation im Trierer Mutterhaus.

"Die haben uns so liebevoll aufgenommen. Von allen Seiten hatten wir eine gute Unterstützung. Du brauchst in dem Moment irgendjemand, der dir sagt: Das ist jetzt nicht das Ende. Das kann auch gut gehen. Diese familiäre und herzliche Aufnahme, die hat uns am Anfang schon sehr, sehr geholfen."

Harald Mitscher, Betroffener

Später verschlechterte sich der Zustand von Laura. Harald Mitscher musste mit seiner Tochter in die Uniklinik ins saarländische Homburg fahren – dort war alles viel größer, viel anonymer als im Mutterhaus in Trier. Das sei wie eine kleine Stadt in sich. An die 200 Zimmer. Es sei einfach so, dass in so einem großen Klinikum die Menschen nicht für den einzelnen Patienten da sein könnten. Dieses Gefühl, dass für seine Tochter Laura jemand da war, das sei aber sehr wichtig in der Situation gewesen. Man greife nach jedem Strohhalm.

Begründung reicht Betroffenem nicht

Laura hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Sie starb vor zehn Jahren. Noch immer engagiert sich Harald Mitscher im Förderverein krebskranker Kinder und berät Eltern. Als er erfahren hat, dass das Trierer Mutterhaus keine krebskranken Kinder mehr stationär aufnimmt, war er entsetzt. Vor allem die Begründung des Krankenhauses, es fehle Pflegepersonal, kann er so nicht akzeptieren. Das Krankenhaus hat für Mittwoch eine Pressekonferenz mit weiteren Details angekündigt.

STAND