Tödliche Schüsse auf Bad Kreuznacher in Wetzlar Drohvideo aus Umfeld des Opfers aufgetaucht

Im September wurde ein Restaurantbesitzer aus Bad Kreuznach niedergeschossen. Nach seinem Tod tauchte ein Drohvideo auf, das aus dem Umfeld des Opfers stammt. Die Polizei hat reagiert.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Ein Mann droht in dem Video, das dem SWR vorliegt, indirekt weitere Taten an - als Reaktion auf die Tötung des 39-jährigen Hasan Y. in Wetzlar. Weiter heißt es in der Aufzeichnung: "Das ist der Anfang. Merkt Euch das!"

Nach Recherchen des SWR-Politikmagazins Zur Sache Rheinland-Pfalz entstand das Video in der Türkei, im kurdischen Heimatort der Familie. Dort waren bereits 2017 drei Familienmitglieder nach einer Schießerei ums Leben gekommen.

Video "im Eifer der Emotionen entstanden"

Der SWR konnte mit dem Mann sprechen, der das Video gepostet hat. Er sagte, er bereue, das Video produziert zu haben. Es sei im Eifer der Emotionen nach dem Tod von Hasan Y. entstanden. Er habe es inzwischen aus den sozialen Medien gelöscht.

Polizei führt Gefährderansprachen

Nach SWR-Informationen kursiert das Video nach wie vor in Teilen der Familie. Laut Staatsanwaltschaft Wetzlar, die in dem Fall die Ermittlungen führt, ist das Video polizeibekannt. Es sei Grundlage von so genannten präventiven Gefährderansprachen gewesen. In diesen werden Familienmitglieder auch davor gewarnt, Selbstjustiz zu üben.

Familienumfeld des Opfers wird bedroht

Nach SWR-Informationen soll im Oktober in Wetzlar zudem eine junge Frau von zwei vermummten Männern bedroht worden sein. Die zuständige Polizeidirektion Lahn-Dill bestätigte dem SWR den Eingang einer entsprechenden Strafanzeige. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt und prüft einen Zusammenhang zu dem Tötungsdelikt im September 2019, da die junge Frau zum erweiterten Familienumfeld des Getöteten gehört."

Angst vor Gewaltspirale

Joachim Schäfer, Pastoralreferent aus Wetzlar, der mit vielen Mitgliedern der Familie in Kontakt steht, sagte im Interview mit Zur Sache Rheinland-Pfalz: "Wenn man mit den Leuten selbst spricht, dann spürt man schon die Angst, dass die Rache, diese Gewaltspirale weitergeht." Inzwischen würden Kinder der Familie aus Angst nicht mehr an Veranstaltungen in Schulen und der örtlichen Jugendarbeit teilnehmen.

Konflikte könnten gelöst werden

Der Essener Politikwissenschaftler Caner Aver, der für die "Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung" zu länderübergreifenden Problemen bei der Migration forscht, schlägt in Fällen wie diesen den Einsatz von Friedensrichtern vor. Im Interview mit dem SWR sagte er: "Die kurdisch stämmigen Menschen sind gut organisiert in Deutschland. Darunter sind Wortführer, Meinungsführer, deren Wort auch Gewicht hat. Die hinzuzuziehen, mit den Sicherheitsbehörden an einen Tisch, kann durchaus dazu führen, dass die Konflikte auch gelöst werden können. Gleichwohl müssen auch die Täter bzw. die Konfliktparteien wissen, dass wenn hier Straftaten passieren, sie auch die Konsequenzen des Rechtsstaates zu spüren bekommen."

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