Ein Warnschild warnt vor dem Baden im Rhein (Foto: picture-alliance / dpa)

Tödliche Badeunfälle Flüchtlinge beim Schwimmen besonders gefährdet

Drei Kinder sind an diesem Wochenende in Rheinland-Pfalz ertrunken, zwei davon im Rhein. Die DLRG warnt schon lange vor dem Baden in unbewachten Naturgewässern. Doch kommt diese Warnung bei allen an?

Die zwei Mädchen, die in der Nähe des Wormsers Stadtteils Rheindürkheim in den Rhein stürzten und untergingen, stammen aus einer afghanischen Flüchtlingsfamilie. Sie gerieten am Freitag in einen Strudel und wurden unter Wasser gezogen. Offenbar konnten die neun und 13 Jahre alten Mädchen zudem nicht schwimmen.

Unglücksstelle gilt als gefährlich

Die Stelle, an der die Kinder spielten, gilt als gefährlich. Der Ortsvorsteher von Rheindürkheim, Adolf Kessel (CDU), plädiert dafür, dass dort Hinweisschilder in der Nähe des Ufers mit Warnungen und Piktogrammen aufgestellt werden.

Dauer

Ebenso wie die DLRG fordert er auch, dass wieder mehr über die Gefahren des Rheins gesprochen werde. Viele Menschen würden sich in Ufernähe aufhalten, ihre Kinder dort spielen lassen oder im Fluss baden. Dabei unterschätzten sie die Gewalt der Strömung. Dies sei nicht nur bei Flüchtlingen, die den Rhein noch nicht kennen, ein Problem, sondern auch bei Einheimischen.

Badende am Rheinufer (Foto: picture-alliance / dpa)
Baden am Rhein kann bei Niedrigwasser noch gefährlicher sein

In den rheinland-pfälzischen Erstaufnahmeeinrichtungen macht die DLRG mit Plakaten auf mögliche Gefahren beim Schwimmen in Gewässern und Freibädern aufmerksam. Denn die Geflüchteten gehören laut DLRG zu den besonders betroffenen Gruppen. Sechs Prozent der Ertrunkenen sind Flüchtlinge, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 1,5 Prozent.

"Das zeigt, wie gefährdet die zu uns geflüchtete Menschen sind, wenn es um tödliche Badeunfälle geht", sagte die Staatssekretärin im Integrationsministerium, Christiane Rohleder (Grüne). "Wir sehen diesen überproportionalen Anteil mit Besorgnis und hoffen durch frühzeitiges Informieren die Geflüchteten für Gefahren zu sensibilisieren."

Vier Erntehelfer ertrunken

Doch es sind nicht nur Flüchtlinge, die gefährdet sind. Allein vier Erntehelfer aus Polen ertranken in den vergangenen Wochen. Ein 17-Jähriger starb in der Mosel. Er war bei Zeltingen-Rachtig mit einem Freund zur Abkühlung in den Fluss gegangen, in eine Notlage geraten und untergegangen.

Männer auf einem Boot suchen nach einem Vermissten (Foto: Wolfgang Steil)
Auch in der Mosel ertranken in diesem Sommer bereits mehrere Menschen Wolfgang Steil

Im Juni ertranken drei polnische Erntehelfer im Alter von 22, 27 und 34 Jahren im Niederwiesenweiher in Böhl-Iggelheim (Rhein-Pfalz-Kreis). Laut einem Gutachten hatten sie zwischen 1,79 und 3,38 Promille Alkohol im Blut.

Befürchtung der DLRG bewahrheitet sich

Die Zahl der Badetoten ist damit weiter gestiegen - so wie die DLRG schon seit längerem befürchtet. Die Rekordhitze und die anhaltende Trockenheit sind die entscheidenden Gründe hierfür. Die Menschen suchten überall Abkühlung, auch in unbewachten Gewässern, sagte der Sprecher der DLRG Rheinland-Pfalz, Marco Vogt.

Wegen der Trockenheit hätten die Flüsse zudem Niedrigwasser. Die Fahrrinne sei schmaler als sonst, so Vogt. Dadurch entstehe bei vielen der Eindruck, man könne einen Fluss leicht schwimmend überqueren. Hinzu kämen zudem Leichtsinn und Selbstüberschätzung vieler Schwimmer.

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