Lebensmittel werden bei einer Tafel ausgegeben (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Roland Weihrauch/dpa)

Tafeln in Rheinland-Pfalz Tafel-Verband bittet vergeblich um Unterstützung

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Der rheinland-pfälzische Verband der Tafeln hat ermittelt, dass fast 54.000 Menschen aktuell ihr Angebot nutzen. Mehr finanzielle Hilfe von Kommunen und Land wird es jedoch nicht geben.

Das Ergebnis: Die meisten der 54.000 Nutzer - rund 70 Prozent - besuchen die Tafeln einmal pro Woche. Rund 10 Prozent kommen zwei Mal pro Woche, das geht aus der Umfrage des Verbands hervor, die dem SWR exklusiv vorliegt.

Die Zahl der Tafeln ist in den vergangenen 20 Jahren laut Verband kontinuierlich gestiegen. Außerdem hätten die Tafeln ihr Angebot für arme Menschen ständig ausgebaut. Es habe aber kaum Informationen über die Zahl der Nutzer, die Mitarbeiter oder die Kosten gegeben. Deshalb habe man sich in diesem Jahr dazu entschlossen, unter allen Tafeln im Land eine Umfrage zu machen.

In Rheinland-Pfalz gibt es insgesamt 54 Tafeln mit rund 90 Ausgabestellen.

Fast die Hälfte Hartz-IV-Empfänger

Nach Angaben des deutschen Dachverbands der Tafeln sind fast die Hälfte der Nutzer Hartz-IV-Empfänger. Ein Viertel sind Rentner, die von der Grundsicherung oder einer geringen Rente leben. Etwa 20 Prozent sind Asylbewerber. Zu den weiteren Nutzern gehören nach Angaben des rheinland-pfälzischen Tafelverbandes auch Studenten und Berufstätige mit geringem Einkommen.

Zum Angebot der Tafeln für diese Menschen gehört nicht nur die Ausgabe von Lebensmitteln. Der Umfrage zufolge geben über die Hälfte der Tafeln auch Kleider, Bücher, Haushaltsartikel oder Einrichtungsgegenstände an Bedürftige ab. Rund ein Viertel der Tafeln betreiben ein Café, 18 Prozent bieten Ausflüge an. Weitere Angebote: Mahlzeiten, Kochkurse, Kinderbetreuung, Sprachkurse, Hausaufgabenhilfe und Sozialberatung.

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Tafeln auf Spenden angewiesen

Die Finanzierung der Tafeln erfolgt über Spenden. Der Verband kritisiert, dass mit diesen Spenden auch Ausgaben finanziert werden müssen, die durch staatliche Auflagen entstünden. So würden die Tafeln beispielsweise gezwungen, Fachkräfte für Hygiene, Arbeitssicherheit oder den Datenschutz zur Verfügung zu stellen. Die Lehrgangskosten dazu müssten aber aus Spenden finanziert werden, die eigentlich dafür vorgesehen seien, armen Menschen zu helfen.

Die Vorsitzende des Verbandes, Sabine Altmeyer-Baumann, sagte dem SWR, die Tafeln würden dabei helfen, die Not armer Menschen zu lindern. Aber bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe würden die Tafeln finanziell geschwächt, indem sie die Kosten für staatliche Auflagen übernehmen müssten. Der Tafelverband Rheinland-Pfalz fordert deshalb, dass Lehrgangs- und Fortbildungskosten der ehrenamtlichen Mitarbeiter künftig das Land übernimmt. Das Sozialministerium sagt dazu: Denkbar sei, solche Lehrgangskosten im Rahmen des zur Verfügung stehenden Geldes in Einzelfällen zu bezuschussen.

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Hören Sie hier ein Interview mit dem Bundesvorsitzenden der Tafeln, Jochen Brühl.

Mehr Unterstützung von Kommunen gefordert

Mehr finanzielle Unterstützung fordert der Verband auch von den Kommunen. So hat die Umfrage ergeben, dass nur 14 Tafeln regelmäßig von ihren Städten oder Kreisen finanzielle Hilfe erhalten. Und selbst in diesen Fällen sei die Hilfe keineswegs sicher, so die Vorsitzende Altmeyer-Baumann. Es handele sich um eine so genannte freiwillige Leistung der Kommunen, über die der Stadtrat oder der Kreistag jedes Jahr neu entscheiden müsse. Ob die finanzielle Hilfe tatsächlich fließe, hinge immer auch von der Kassenlage der Kommune ab.

Dabei bräuchten die Tafeln die Unterstützung der Kommunen dringend, etwa um die Kosten für die Miete zu stemmen. Die jährlichen Mietkosten der rheinland-pfälzischen Tafeln (ohne Strom, Wasser, Gas) liegen laut Altmeyer-Baumann jeweils bei bis zu 25.000 Euro im Jahr - beispielsweise bei den Tafeln von Mainz, Worms oder der Tafel Rhein-Hunsrück.

Verband wünscht sich finanzielle Entlastung

Die Kommunen könnten den Tafeln aber auch anders helfen - etwa bei den Müllgebühren. Tafeln müssen wie Privatleute für die Entsorgung von Pappe, Plastik und verdorbenen Lebensmitteln Gebühren an die Kommunen zahlen. Größere Tafeln werden laut Verband wie Gewerbebetriebe behandelt – was zu höheren Gebühren führt.

Laut Altmeyer-Baumann müssten die Tafeln jährlich bis zu 1.500 Euro Müllgebühren zahlen, beispielsweise in Wörth, Edenkoben und Bad Kreuznach. Eine Tafel, die nicht genannt werden will, muss sogar 4.000 Euro im Jahr zahlen. Der Umfrage zufolge kommen in rund 40 Prozent der Fälle die Kommunen den Tafeln hier finanziell entgegen.

Insgesamt wünscht sich der rheinland-pfälzische Verband vom Land und von den Kommunen ein Gesamtkonzept zur dauerhaften finanziellen Entlastung der Tafeln.

Landkreistag sieht das Land in der Verantwortung

Der Vorsitzende des Landkreistages, Günther Schartz (CDU, Landkreis Trier-Saarburg), weist die Forderungen Tafeln zurück. Dazu fehle den Kommunen oft das Geld, sagte er dem SWR. Viele Städte und Kreise seien verschuldet, wofür das Land mitverantwortlich sei.

Deshalb forderten die Kommunen seit Jahren ohne Erfolg mehr Geld vom Land. Erst wenn das Land den Kommunen mehr Geld gebe, könnten die Kommunen unter anderem auch den Tafeln finanziell mehr entgegenkommen, so Schartz.

Sozialministerium verweist auf Spenden

Die Landesregierung lehnt es derweil ab, die rheinland-pfälzischen Tafeln flächendeckend und auf Dauer zu bezuschussen. Das Sozialministerium teilte dem SWR mit, aufgrund der vielen Spenden für die Tafeln sei das derzeit auch nicht erforderlich.

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