Rosenmontagszug in Mainz (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Weniger Zuschauer als erwartet in Mainz Mieses Wetter, aber gute Laune beim Rosenmontagszug

Die Fastnachter in Mainz haben sich von Sturmtief "Bennet" nicht beirren lassen. Zwar kamen etwas weniger Menschen zum Umzug, aber diejenigen, die da waren, hatten trotzdem ihren Spaß.

Sturmböen, Platzregen und zeitweise etwas Sonnenschein - pünktlich zum Rosenmontagszug in Mainz herrschte Aprilwetter. Aber anders als vor drei Jahren fand der Zug statt und die Narren, die kamen, ließen sich den Spaß nicht verderben.

Rund 450.000 Menschen jubelten nach einer Schätzung des Mainzer Carneval-Vereins dem Rosenmontagszug zu, erfreuten sich an der Satire der elf Motivwagen und tanzten zur Musik. "Die 500.000 haben wir in diesem Jahr wohl nicht geschafft", sagte Zugmarschall Markus Perabo.

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Sturmtief "Bennet" brachte das Programm durcheinander

Sturmtief "Bennet" hatte das Programm etwas durcheinander gewirbelt. Wegen der Sturmprognosen der Meteorologen mussten 100 Reiter auf ihre Pferde verzichten, auch die großen Fahnen des Umzugs waren diesmal nicht erlaubt. "Der Zug läuft in abgespeckter Version", so Zugmarschall Perabo. "Aber die Sonne ist da, und die Narren lachen am Zugrand."

Von Sonne über leichten Regen und heftige Windböen bis zu einem kurzen Wolkenbruch war alles dabei an diesem Rosenmontag. Mit Blick auf die Böen sei Mainz im Vergleich etwa zu Frankfurt gut weggekommen, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdiensts.

Zugente macht schlapp

Während die Narren tapfer durchhielten, machte ausgerechnet die Mainzer Zugente schlapp. Die Ente, die normalerweise den Zug beschließt, schaffte nur gut ein Viertel der Wegstrecke, auf der Kaiserstraße fiel der Motor aus. In der Ente steckt ein schon recht betagter Käfer - Baujahr 1973. Erst vor einigen Tagen war der Motor durchgecheckt worden.

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Die gelbe Ente fährt mit einer Ausnahme seit 1990 immer hinter dem Zug her. Nur beim nachgeholten Zug im Mai 2016 durfte sie einmal vorneweg fahren. Der fahrbare Untersatz der Ente soll jetzt erst einmal untersucht werden, wie es dann mit ihr weitergeht, ist noch nicht klar.

Kurze Zugunterbrechung nach Zwischenfall

Nach einer mehrstündigen Aufstellung in der Neustadt waren am Vormittag als erste die Bläser und Trommler im Musikzug der Mainzer Rittergilde gestartet. Insgesamt waren knapp 8.700 aktive Teilnehmer auf den Beinen.

Schreckmoment kurz nach dem Start: Nach einer starken Sturmböe musste der Zug kurzzeitig gestoppt werden. Zunächst hatte es den Verdacht gegeben, dass Dachziegel heruntergestürzt seien. Laut Polizei handelte es sich aber nur um eine Plane. Niemand wurde verletzt.

Ranzengarde ohne Pferde unterwegs

"Weht der Wind mit Stärke 8, gibt's kaa Gäul an Fassenacht", reimt ein kleiner Junge auf einem selbstgemalten Plakat und fasst so die Entscheidung des MCV treffend zusammen: Die älteste Mainzer Garde musste auf drei sonst von Pferden gezogene Wagen verzichten. "Immerhin haben wir noch unseren Verpflegungswagen, damit die kämpfende Truppen genug zu essen und zu trinken haben", sagte der Generalfeldmarschall der Ranzengarde, Thomas Thelen - die Fastnachtsgarden entstanden im 19. Jahrhundert als Satire auf das Militär.

"Es gibt kein schlechtes Wetter"

"Heute ist das Wetter der Hauptgegner", frotzelte die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner, die es sich auch als Bundesagrarministerin nicht nehmen ließ, in der Ranzengarde mitzulaufen. "Aber wir halten durch, es gibt kein schlechtes Wetter."

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Malu Dreyer (SPD) verfolgte den Umzug auf der Tribüne am Gutenbergplatz. Auch ihre Partei bekam ihr Fett weg - ein Motivwagen zeigt die Bundesvorsitzende Andrea Nahles am Boden, mit ihrem Zitat "Auf die Fresse". Das gehöre dazu, sagte Dreyer. "Fastnacht ist dafür da, die Politik auf die Schippe zu nehmen."

Elf Motivwagen nahmen aktuelle Themen wie die US-Klimapolitik, den Brexit und die Große Koalition sowie Mainzer Lokalthemen auf die Schippe. Die Teilnehmer hatten 7,2 Kilometer zu bewältigen. Für die Zuschauer dauerte der Umzug rund vier Stunden. Dabei wurden gut 130 Tonnen Bonbons, Bälle und Brausepulver geworfen.

Motivwagen des Mainzer Rosenmontagszugs 2019

Die Motivwagen des Rosenmontagszugs 2019 (Foto: SWR)
Die Bäume des Liebfrauenplatzes am Mainzer Dom klatschen sich vor Freude in die Hände, weil der Bibelturm bei dem Bürgerentscheid abgelehnt wurde. Dazu nachdenkliche Zeilen: „Die Bäume blühen froh und heiter, doch das Museum, das darbt weiter.“ Bild in Detailansicht öffnen
Der Mainzer wird trotz schlaffördernder Hilfsmittel schon sehr früh morgens aus dem Schlaf gerissen. Der Grund: der Krach der Flugzeuge und das schon fünf Minuten vor Ende des Nachtflugverbots. Bild in Detailansicht öffnen
Bei dem Baustellenchaos in der Mainzer Innenstadt kann es passieren, dass der Mainzer lange im Stau steht, geht es nach den Wagenbauern: sehr sehr lange. Bild in Detailansicht öffnen
"Auf die Fresse" heißt dieser Motivwagen, angelehnt an das Zitat der SPD-Vorsitzenden. Bruchlandung für Andrea Nahles und ihre Partei. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Nazi, der direkt aus einem AfD-Plakat steigt. Kommentar der Wagenbauer dazu: Der AfD-Biedermann auf dem Wahlplakat lässt sich ein mit der braunen Glatze, die aus der Rückseite des Plakats steigt. Bild in Detailansicht öffnen
Es hat sich nach Ansicht der Wagenbauer "Ausgemerkelt". Angela Merkel versucht mit Müh und Not den fast toten Gaul der Groko zu reiten. Bild in Detailansicht öffnen
Auch der Brexit darf nicht fehlen als Motiv: Die Queen springt über die Grenze ihres Landes und stellt einen Asylantrag in Deutschland. Bild in Detailansicht öffnen
Donald Trump wird als Rindvieh dargestellt, das das Weltklima belastet. Bild in Detailansicht öffnen
Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche wird provokativ dargestellt: Ein grinsender Wanderprediger verlässt seine Kirche und geht einfach zur nächsten Pfarrei, seine Taten bleiben ungesühnt. Bild in Detailansicht öffnen
"Zum Kotzen" denken sich wohl nicht nur die Wagenbauer, sondern auch die Erde. Die blaue Weltkugel spuckt Müllberge. Bild in Detailansicht öffnen
"Jagdunfall" heißt dieser Motivwagen und beschreibt den Konflikt zwischen Seehofer und Merkel. Ersterer hat es auf das Rautenhäschen Merkel abgesehen, trifft aber sich selbst. Bild in Detailansicht öffnen

Die Veranstalter des MCV hatten sich am Sonntag mit Vertretern der Stadt und mit Meteorologen beraten, wie man mit der Sturmwarnung umgehen wollte. Die Entscheidung fiel für den Zug - mit den genannten Einschränkungen.

100 Autos abgeschleppt, 400 Verwarnungen

Für die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung begann der höchste Mainzer Feiertag schon um 6 Uhr. Sie mussten sicherstellen, dass entlang der sieben Kilometer langen Strecke keine Autos abgestellt sind. Allein in der Neustadt wurden am Montagmorgen etwa 100 Autos entlang der Zugstrecke abgeschleppt. Insgesamt seien etwa 400 Autofahrer verwarnt worden, so die Verkehrsüberwachung

Fotostrecke Rosenmontag 2019 Helau aus Mainz!

Ein Abschleppauto hat einen Pkw geladen. (Foto: SWR, F. Maurer)
Auch das gehört in Mainz zur Rosenmontags-Tradition: Bereits am frühen Morgen werden Falschparker abgeschleppt. In diesem Jahr waren es nach Angaben der Stadt etwa 100 Stück. Die Parkplätze und Straßen müssen für die großen Wagen des Rosenmontagszuges frei bleiben. Rettungswege braucht es auch. F. Maurer Bild in Detailansicht öffnen
Und während in Mainz vor 11.11 Uhr die Spannung steigt, wird auf einem Schiff auf dem Rhein gefeiert. Fastnachter sind in Bingen an Bord gegangen und steigen in Mainz wieder aus, um zu feiern. J. Seitz Bild in Detailansicht öffnen
In der Mainzer Neustadt setzt sich der Rosenmontagszug in Bewegung. Kurz bevor es losgeht, grüßen Fastnachter noch einmal recht freundlich. Helau! F. Maurer Bild in Detailansicht öffnen
Und dann geht es endlich los. Trotz des starken Windes setzt sich der Zug in Bewegung. Pferde, die sonst immer am Rosenmontagszug dabei sind, müssen aus Sicherheitsgründen im Stall bleiben. Es gibt aber trotzdem viel zu sehen. F. Maurer Bild in Detailansicht öffnen
Schrill und bunt geht es am Rosenmontag in Mainz zu. Jedes Jahr kommen nach Angaben der Veranstalter etwa 500.000 Menschen in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. F. Maurer Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Gardistinnen der Mainzer Ranzengarde. F. Maurer Bild in Detailansicht öffnen
Während des Rosenmontagszuges in Mainz wird auch mal getanzt und geschunkelt. Süßigkeiten und anderes Wurfmaterial werden natürlich auch gesammelt. In diesem Jahr wurden etwa 130 Tonnen unter das Volk gebracht. F. Maurer Bild in Detailansicht öffnen
Kreative Kostüme satt: Auch Ernie und Bert sind in der Mainzer Innenstadt unterwegs. F. Maurer Bild in Detailansicht öffnen
Und nicht nur auf der Straße wird gefeiert. So manch ein Wohnzimmer wird zur Party-Location, in Praxen und Büros, die entlang der Zugstrecke liegen, knallen die Sektkorken. F. Maurer Bild in Detailansicht öffnen
Bei der Straßenfastnacht in Mainz sind vor allem warme Kostüme gefragt. F. Maurer Bild in Detailansicht öffnen
Auf dem Wagen des Karneval-Clubs Kastel (KCK) fährt erstmal der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf mit. Er wurde von den Fastnachtern dazu eingeladen. S. Steinbrecher Bild in Detailansicht öffnen
Die gute Laune lassen sich die Fastnachter nicht nehmen - egeal welches Wetter herrscht. S. Umla Bild in Detailansicht öffnen
Zwischendurch zeigt sich immer wieder mal die Sonne. Das Riesenrad am Dom dreht sich trotz des relativ starken Windes. S. Umla Bild in Detailansicht öffnen
Die Zugente hat es dieses Jahr nicht bis zum Ziel geschafft. Sie ist kaputt gegangen und muss am Stadthaus auf den Abschleppdienst warten. C. Germer Bild in Detailansicht öffnen
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