Ultranet-Trasse (Foto: SWR)

Wie gefährlich sind die neuen Stromautobahnen? Protest gegen Ultranet-Trasse in Rheinland-Pfalz

Ab 2023 soll Windenergie von der Nordsee über eine Ultranet-Trasse in den Süden des Landes transportiert werden - durch Rheinland-Pfalz. Anwohner befürchten Gesundheitsgefahren.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Der Westerwaldkreis, der Rhein-Lahn-Kreis, der Landkreis Ahrweiler und der Kreis Mayen-Koblenz - durch alle soll künftig Deutschlands erste Ultranet-Trasse führen. Die insgesamt 340 Kilometer lange Stromtrasse soll die Umspannwerke im nordrhein-westfälischen Meerbusch-Osterrath und in Philipsburg in Baden-Württemberg verbinden. Erstmals könnte dann Gleich- und Wechselstrom zeitgleich fließen.

Verlauf der Ultranet-Trasse (Foto: SWR)
Die geplante Ultranet-Trasse soll durch den Norden von Rheinland-Pfalz führen

Doch während die Betreiber Amprion und TransnetBW von Effizienz und Ressourcenschonung sprechen, regt sich in den Orten, durch die die Ultranet-Leitungen laufen sollen, Widerstand. Sie fürchten, dass von der Fernstromtrasse Gesundheitsgefahren ausgehen. Mit einem Mahnfeuer haben Bürger am Samstagabend in Urbar (Kreis Mayen-Koblenz) gegen den geplanten Ausbau der Stromtrasse durch ihren Ort protestiert.

Gesundheitsschäden befürchtet

Laut Betreiber ist die Kombination von Gleich- und Wechselstrom unbedenklich, doch Studien zu möglichen Auswirkungen gibt es bisher nicht. Vor allem die sogenannten Korona-Ionen, die Träger der elektrischen Ladung, stehen in der Kritik, denn für diese gibt es bisher keine Grenzwerte.

Anwohner befürchten, dass sie die elektrisch aufgeladenen Staubteilchen einatmen und diese in der Lunge haften bleiben. Ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko wäre die Folge. Außerdem gelten die Ionen als Leukämie-Auslöser. Die Bildung solcher Ladungswolken hält das Bundesamt für Strahlenschutz für realistisch.

Bürgerinitiative fordert Mindestabstand

Im Aktionsbündnis Ultranet haben sich inzwischen knapp 20 Bürgerinitiativen zusammengeschlossen - unter ihnen auch die Initiative aus Urbar bei Koblenz. Sie fordert, dass die Strommasten der Trasse in mindestens 400 Metern Entfernung von Wohnhäusern stehen. Vorgeschrieben ist ein solcher Mindestabstand - wie ihn das Bundesamt für Strahlenschutz auch empfiehlt - bisher aber nur beim Bau neuer Masten. In Rheinland-Pfalz sollen aus Kostengründen bestehende Masten genutzt werden.

Eine Alternative könnte laut Aktionsbündnis eine unterirdische Stromleitung sein. Doch die wäre weitaus teurer und müsste ebenfalls neu gebaut werden. Für die Betreiber nahezu ausgeschlossen.

Höfken: "Nehmen Bedenken ernst"

Inzwischen hat sich auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium in die Diskussion um die Ultranet-Leitungen eingeschaltet. Gemeinsam mit dem Bundesamt für Strahlenschutz will es mögliche Gesundheitsgefahren prüfen. Eine Alternative zum Bau der Netzleitungen sieht es jedoch nicht. "2022 werden in Baden-Württemberg die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet und dann brauchen wir eine Versorgungssicherheit", so Ministerin Ulrike Höfken (Grüne).

Die Bedenken der Bürger nehme man ernst - drei Anträge seien bereits auf den Weg gebracht worden. Demnach soll die Grundschule Wallersheim in Koblenz in einem größeren Radius ausgespart werden, in den Gemeinden Neuhäusel, Simmern und Eitelborn soll der Mindestabstand von 400 Meter gewahrt werden. Und für die stark betroffene Gemeinde Urbar fordert das Land den Bau einer unterirdischen Leitung. Wie die Chancen dafür stehen, ist jedoch unklar.

Die Betreiber planen derweil schon die nächsten Trassen-Abschnitte. So soll das Netz nach 2023 nach Norddeutschland erweitert werden.

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