Priester (Sujetbild) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Streitthema in der katholischen Kirche Bistümer haben Priester wegen Zölibats verloren

Der Zölibat ist seit langem ein Streitthema in der katholischen Kirche. Auch in Rheinland-Pfalz geben immer wieder Priester wegen des Zölibats auf - meist, weil sie sich verliebt haben.

Im Bistum Trier haben seit 2014 insgesamt sieben Priester wegen des Zölibats aufgehört und im Bistum Mainz legten drei ihre Ämter nieder. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Den Bistümern Speyer und Limburg blieb ein Personalverlust wegen des Zölibats in den vergangenen fünf Jahren erspart.

Einer der Priester aus dem Bistum Trier, der sein Amt niederlegte, ist Michael Pauken. Er hatte sich in eine Frau verliebt. Heute ist er mit ihr verheiratet und hat eine kleine Tochter. Er leitet ein Seniorenheim im Kreis Trier-Saarburg. Er habe den Schritt nie bereut. Er habe sich die Entscheidung aber nicht leicht gemacht, sagt der 46-Jährige. Als er der Pfarreiengemeinschaft Oberthal-Namborn im Saarland vorstand, habe er "praktisch nur noch für den Beruf gelebt". Ohne den Zölibat wäre er Pfarrer geblieben, sagt der gebürtige Koblenzer. Er ist überzeugt: Ehe und Priestersein würden sich gegenseitig nicht behindern.

Michael Pauken - ehemaliger katholischer Priester (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Michael Pauken, der sein Amt als Priester aufgegeben hat Picture Alliance

"Lebensentwürfe können scheitern"

"Lebensentwürfe können scheitern, das ist auch bei Priestern so", so die Trierer Bistumssprecherin Judith Rupp. Auch wenn jeder Weggang eines Priesters bedauerlich sei, "respektieren wir doch die Entscheidung der betroffenen Männer". Die Zahl der Fälle sei in den vergangenen Jahrzehnten nicht gestiegen.

Ebenfalls keine Zunahme an Fällen sieht das Mainzer Bistum. "Dass Priester ihr Amt aufgeben, hat es immer gegeben", sagte Sprecher Tobias Blum. "Allerdings muss man darauf hinweisen, dass der Zölibat nicht der einzige Grund dafür ist, dass Priester ihr Amt aufgeben."

Übergangsgeld nach dem Ausscheiden

Wenn ein Priester sich entscheidet, den Dienst aufzugeben, endet damit der Anspruch auf Besoldung. Die Bistümer versichern den ausscheidenden Priester für die Zeit seiner Tätigkeit in der Rentenversicherung nach. Im ersten Jahr nach dem Ausscheiden werden Beträge analog zum Arbeitslosengeld (ALG) I gezahlt.

Symbolbild Kirche (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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Diskussion vor Hintergrund des Missbrauchsskandals

Die Diskussion um den Zölibat wurde jüngst bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz angefacht. Ihr Vorsitzender Reinhard Marx sagte, es müsse die Frage erlaubt sein, ob verheiratete Priester in der katholischen Kirche die absolute Ausnahme bleiben müssten. Bei der Sexualmoral gebe es "einen außerordentlichen Gesprächsbedarf", befand der Münchner Kardinal. Auch in Rheinland-Pfalz hatten sich zuletzt die Bischöfe Ackermann und Kohlgraf zum Zölibat geäußert.

"Zölibat wird fallen - wie die Berliner Mauer"

Michael Pauken, der mit seinem Glauben nicht gebrochen hat, gibt sich hoffnungsvoll, dass der Zölibat irgendwann "fallen" wird: "Ich denke schon, weil der Druck so hoch ist. Das ist so ein bisschen wie mit der Berliner Mauer: Die Frage ist nur, wann kommt der Tag?"

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