Baustellenschild neben einem Auto (Foto: picture-alliance / dpa)

Straßenbau im Land Wie lassen sich Dauer-Baustellen in Rheinland-Pfalz vermeiden?

Rund 350 Baustellen gibt es im Moment in Rheinland-Pfalz, 38 davon auf Autobahnen. Teilweise dauern die Bauarbeiten mehrere Monate oder Jahre. Könnte auch schneller gebaut werden?

Straßenbaustellen sind wichtig und notwendig - doch bedeuten sie für viele Autofahrer auch Ärger durch langsameres Fahren, Stau und Umleitungen. "Eine einzelne Maßnahme für die Optimierung der Bauzeiten gibt es nicht", sagt Martin Dossmann, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz. Es seien jedoch viele kleine Stellschrauben denkbar.

Autobahnbaustellen in Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)
38 Autobahnbaustellen gibt es im Moment in Rheinland-Pfalz (Stand: 11.Oktober 2018)

Alle Gewerke einzeln ausschreiben

Dazu gehört, dass Ausschreibungen in kleine Teilaufträge zerstückelt werden. "Es gibt leider Urteile, dass Markierungsarbeiten oder Leitplankenarbeiten getrennt vergeben werden müssen. Und das Zusammenspiel von unterschiedlichen Unternehmern auf der gleichen Baustelle ist dann zeitlich einfach sehr schwer", sagt Dossmann im Interview mit "Zur Sache Rheinland-Pfalz".

Diese Regelung soll mittelständische Unternehmen schützen. "Es ist natürlich klar, dass viel effizienter und viel produktiver gebaut werden kann, wenn man nicht viele einzelne Gewerke auf der Straße hat, sondern wenn das zusammenfasst", sagt Dossmann.

Martin Dossmann (Foto: SWR)
Martin Dossmann vertritt mit der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz das Baugewerbe und die Bauindustrie

Ingenieure dringend gesucht

Auch Fachkräftemangel ist ein Problem für Rheinland-Pfalz. Im vergangenen Jahr musste das Land Bundesmittel für Baumaßnahmen zurückgeben, weil Kapazitäten fehlten.

"Wir haben im Moment sicherlich eine Konkurrenzsituation zwischen der freien Wirtschaft und unserem Tarifsystem im öffentlichen Dienst", sagt Ulrich Neuroth vom Landesbetrieb Mobilität (LBM). So sei die die Bezahlung für Bewerber ein maßgebliches Kriterium.

Ulrich Neuroth (Foto: SWR)
Ingenieur Ulrich Neuroth vom vom Autobahnamt Montabaur des LBM

Ein dritter Faktor für die Bauzeiten sind die Planungsverfahren. Im Moment plant der Landesbetrieb Mobilität mit einer Excel-Datei, die nach einem Bauzeitenkatalog des Bundes erstellt wurden. Dort ist jeder Arbeitsschritt aufgelistet.

Neue Planungsverfahren

Ab 2021 wird der Bund die Planung für Autobahnbaustellen vom Land übernehmen. Bereits ein Jahr vorher soll bundesweit mit einem neuen, digitalen Verfahren gearbeitet werden. Das "Building Information Modeling"-Verfahren (BIM) wird in anderen Ländern wie Großbritannien und den USA bereits angewendet. Straßenverwaltungen, Baufirmen und Ingenieurbüros können damit digital zusammenarbeiten.

Damit das funktioniert, müsste sich auch der LBM jetzt intensiv mit dem System auseinandersetzen. Neuroth findet die Idee sehr interessant. "Aber sie ist wahnsinnig personalintensiv", sagt der Ingenieur. "Und dieses Personal würde mir zum Bauen fehlen."

Verkehrsminister Wissing verteidigt Auschreibe-Praxis

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) sagte dazu in der Sendung "Zur Sache Rheinland-Pfalz", der Landesbetrieb Mobilität habe bereits mehr Personal bekommen. Im nächsten Haushalt seien noch einmal 60 zusätzliche Stellen vorgesehen.

Wissing verteidigte zudem die Ausschreibe-Praxis für Bauaufträge. In Rheinland-Pfalz würden Millionen-Summen verbaut, im vergangenen Jahr seien es mehr als 500 Millionen Euro gewesen, so der Minister: "Und ich möchte, dass dieses Geld auch mittelständischen Unternehmen im Land zugute kommt." Deshalb schreibe man so aus, dass nicht nur Großunternehmen zum Zuge kämen.

Volker Wissing (FDP) (Foto: SWR)
Volker Wissing (FDP)

Am schnellsten wäre man, wenn die Straßen voll gesperrt werden könnten, erklärte Wissing. Dies sei allerdings niemandem zuzumuten. Im Übrigen habe der Bund Rheinland-Pfalz besondere Effizienz bescheinigt. "Was die Bauzeiten angeht, sind wir gut im Schnitt."

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