Tanzende Menschen - Tanzverbot (Foto: Thinkstock)

Stiller Feiertag in Rheinland-Pfalz Nicht nur Karfreitag ist Tanzen verboten

Karfreitag ist ein sogenannter stiller Feiertag, doch Jahr für Jahr wird es wegen des damit verbundenen Tanzverbots laut um dieses Thema. In Rheinland-Pfalz sind die Gesetze bislang besonders streng.

Kein anderer Tag ist so still wie der Karfreitag. In den meisten Bundesländern gilt nämlich ein ganztägiges Tanzverbot. Das geht zurück auf die Bedeutung des Karfreitags für die christlichen Kirchen: Es ist der Tag, an dem die Gläubigen des Leids, des Sterbens und des Todes Jesu gedenken.

In Rheinland-Pfalz ist es deshalb laut Feiertagsgesetz von 1970 verboten zu tanzen. Auch öffentliche Sportveranstaltungen sind am Karfreitag nicht erlaubt. Und die Verbote sind nicht auf Karfreitag beschränkt: Das Tanzverbot beginnt am Gründonnerstag um vier Uhr in der Früh und geht über Karfreitag, Karsamstag bis zum Ostersonntag, 16 Uhr.

Gesetz ist Ländersache

Eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland gibt es nicht, denn die Gesetzgebung liegt in Länderhand. Ein Feiertag ist Karfreitag zwar in allen 16 Bundesländern, aber die Frage, wie still es sein muss, wird in den Ländern unterschiedlich beantwortet.

Still, stiller, Rheinland-Pfalz

In keinem anderen Bundesland muss es an den Kartagen laut Gesetz so still sein wie in Rheinland-Pfalz. Nur Hessen ist fast genauso streng, dort darf allerdings am Ostersonntag schon zwei Stunden früher wieder angefangen werden zu tanzen. Dafür gilt dort auch am Ostermontag noch ein Tanzverbot zwischen vier Uhr morgens und zwölf Uhr mittags.

Tanzverbot in Rheinland-Pfalz (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Gegen das Tanzverbot in Rheinland-Pfalz gibt es Kritik. Picture Alliance

Lascher als in Rheinland-Pfalz ist die Karfreitagsregelung in den Stadtstaaten Bremen, Hamburg, Berlin sowie in Schleswig-Holstein. Dort wurden die Regeln in den vergangenen Jahren gelockert. In Bremen gilt das Tanzverbot nur an Karfreitag zwischen 6 und 21 Uhr, in Berlin zwischen 4 und 21 Uhr. An den anderen Tagen davor und danach darf gezappelt werden.

Was sagt das Bundesverfassungsgericht zum Tanzverbot?

Im November 2016 erklärte das Bundesverfassungsgericht den strengen bayerischen Schutz des Karfreitags für verfassungswidrig. Geklagt hatte der "Bund für Geistesfreiheit" (BfG), dem die Stadt München seit 2007 das Feiern von "Heidenspaß"-Partys am Karfreitag untersagt hatte. Ein generelles Verbot sei unverhältnismäßig, so das Urteil, es müsse auch Möglichkeiten für Ausnahmen von der Pflicht zur Stille geben.

Auf Rheinland-Pfalz hat dieses Urteil des Bundesverfassungsgericht bislang keine Auswirkungen. Die Regeln von 1970 haben unverändert Bestand - und sorgen immer wieder für Diskussionen. "Relikt aus dem letzten Jahrhundert", "überkommene Rücksichtnahme", "Ausbremsen von Nachtschwärmern" - das sind einige Beispiele der geäußerten Kritik. Der Bundesverband deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe wäre schon mit einem Ende des Tanzverbots um 22 Uhr am Karfreitag zufrieden. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hingegen will am Karfreitags-Verbot nicht rütteln, könnte sich aber eine Lockerung an Ostern vorstellen.

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