Der Uhu hat wieder seinen festen Platz zwischen Pfalz und Eifel (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance / Marijan Murat)

Steinbrüche, Siedlungen und Fabrikhallen Uhu erobert mehr Lebensraum zurück

In Steinbrüchen findet die größte Eulenart ideale Lebensbedingungen, aber auch in Siedlungen wird sie immer häufiger gesichtet. Die Wiederansiedlung des Uhus ist eine Erfolgsgeschichte für den Naturschutz. Dennoch lauern Gefahren.

Knapp fünf Jahrzehnte nach seiner Ausrottung in Rheinland-Pfalz hat der Uhu wieder einen festen Platz in der Tierwelt zwischen Pfalz und Eifel. In diesen Tagen hat die größte Eulenart mit der Brut begonnen.

Lange Zeit galt der Uhu als unerwünschter Konkurrent für die Niederwildjagd, also auf Hasen, Marder und Füchse. Es wurden Prämien gezahlt für das Abschießen von Uhus, nachzuweisen mit der Vorlage der Krallen.

Der vermutlich letzte wildlebende Uhu in Rheinland-Pfalz wurde im April 1973 tot im Nettetal in der Eifel gefunden. Danach trieben Vogelschützer die Wiederansiedlung mit der Auswilderung von Jungtieren aus der Volierenzucht voran.

Uhu keine gefährdete Art mehr

Das Programm war nicht unumstritten, da die Tiere aus weit entfernten Regionen stammten. Negative Folgen für die Ökosysteme seien aber nicht bekannt, sagt der Ornithologe Christian Dietzen. Die Wiederansiedlung sei ein schöner Erfolg für den Naturschutz. "Der Uhu gehört hierhin, das ist überhaupt keine Frage."

Da sich der Bestand mit 300 bis 400 Brutpaaren gut etabliert habe, gelte die Art nach den Rote-Liste-Kriterien des Bundesamts für Naturschutz (BfN) nicht mehr als gefährdet, sagt Josephine Keller im Umweltministerium.

Kollisionen und Stromtod

Dennoch komme es immer wieder zu Verlusten wegen einer Vielzahl von Gefahren: Störungen durch Kletterer, Geocacher, Hubschrauberspritzungen an Weinbergshängen, betrieblichen Arbeiten oder Wanderer. "Aufgescheuchte Uhus kehren in der Helligkeit meist nicht zum Brutplatz zurück."

Eine bedeutende Todesursache sei die Kollision mit Bahn oder Autos, aber auch mit Mittelspannungsleitungen. Oft bedeuten zu kurze Isolatoren und fehlende Schutzkappen an Strommasten den Stromtod für Uhus. "Wenn das Männchen nicht mit Beute zurückkehrt, gibt das Weibchen die Brut auf", sagt Stefan Brücher, Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen.

Zunehmende Gefahr von Vergiftung

Auf der Suche nach einem Brutplatz lassen sich Uhus nach Angaben von Experten auch immer öfter wieder in Siedlungen nieder. "Sie fangen auch an, in Städten zu brüten, in Kirchen oder Fabrikhallen", sagt Brücher. Auch mitten in Koblenz würden immer wieder Uhus gesichtet.

"Wenn sie häufiger in Städten jagen, nimmt die Vergiftungsgefahr zu", sagt der Experte. So sei in ausgewürgten Speiseresten, Mäuse- oder Rattengift nachgewiesen worden. Auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium nennt Rodentizide - Gifte zur Bekämpfung von Nagetieren - als einen von mehreren Gefährdungsfaktoren für den Uhu.

STAND