Anne Spiegel von den rheinland-pfälzischen Grünen (Archiv) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Ein Porträt der Spitzenkandidatin der Grünen Spiegel prescht an die Spitze

Anne Spiegel hat den Turbo eingelegt: Mit 30 Jahren ins Parlament, mit 35 Ministerin, mit 37 vierfache Mutter und jetzt Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl 2021. Das wirft eine Frage auf.

Will die in der Pfalz geborene Politikerin mit 40 Ministerpräsidentin werden? "Für mich stellt sich die Frage nicht", antwortet die Familien- und Integrationsministerin. Die aktuellen Umfragen machten ihre Partei zwar selbstbewusst. Aber die Grünen dürften nicht überheblich werden.

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Spiegel stand lange unter so großem Druck wie kein anderes Mitglied der Ampelregierung - politisch und persönlich. Anfang 2018 erreichten die politischen Attacken der Opposition wegen der aus ihrer Sicht zu liberalen Asylpolitik ihren Höhepunkt. Christian Baldauf, inzwischen als Spitzenkandidat der CDU nominiert, legte Spiegel damals den Rücktritt nahe. Wegen Drohungen von Rechtsaußen nach der Ermordung einer 15-Jährigen durch einen afghanischen Flüchtling in Kandel steht sie seit Anfang 2018 unter Personenschutz.

Regierungsarbeit unter schlechtem Stern

Weitere schlechte Nachrichten für das Ministerium folgten im zweiten Jahr von Spiegels Regierungsarbeit: Betreuer eines minderjährigen Bombenbastlers standen unter Salafismusverdacht und ein Abschiebehäftling floh aus einer Klinik.

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Spiegel hielt an einer humanitären Flüchtlingspolitik fest, wurde aber von Menschenrechtsgruppen auch wegen der gestiegenen Zahl von Abschiebungen kritisiert. Der starke Rückgang der Flüchtlingszahlen ermöglichte es der 38-Jährigen zuletzt, sich verstärkt auch familien-, frauen- und jugendpolitischen Themen sowie dem Verbraucherschutz zuzuwenden.

Sizilianisches Temperament

Die in Speyer lebende Pfälzerin hat Verbindungen zu vielen Kulturen. Geboren wurde sie 1980 auf der anderen Rheinseite in Leimen. Den lebhaften Charakter führt sie gern auf ihre sizilianische Großmutter zurück. Ihre politische Laufbahn begann 1999 im Landesvorstand der Grünen Jugend. 2006 kandidierte sie erstmals für den Landtag. Die Grünen scheiterten damals aber an der Fünf-Prozent-Hürde. Fünf Jahre später zog Spiegel in den Landtag ein und profilierte sich als flüchtlingspolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Nach dem enttäuschenden Wahlergebnis der Grünen 2016 war sie zunächst für den Fraktionsvorsitz im Gespräch. Der Rückzug ihrer Parteifreundin Irene Alt aus dem Integrationsministerium hievte Anne Spiegel dann aber in ihr erstes Regierungsamt.

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