Studenten in Rheinland-Pfalz haben Wohnungsnot und müssen immer wieder improvisieren (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Frank Rumpenhorst/d)

Sommersemester-Start mit Hürden Studenten in Rheinland-Pfalz in Wohnungsnot

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Wie finde ich ein Zimmer? Vor diesem Rätsel stehen auch zum Sommersemester wieder viele Studenten in Rheinland-Pfalz. In Mainz sind zudem die Preise auf Münchner Niveau.

Im bundesweiten Durchschnitt liegt das Verhältnis von Wohnheimplätzen zu Studentenzahl etwa bei 10 Prozent. Es gibt auch in Rheinland-Pfalz Hochschulorte, an denen dieser Schnitt erreicht wird. Kaiserslautern gehört zum Beispiel nach eigenen Angaben dazu. Die Zahl der Studenten schwankte dort in den vergangenen Semestern um die 20.000. Für sie standen gut 2.000 Betten in Wohnheimen bereit.

Studentische Explosion in Landau

Doch das ist eher die Ausnahme. Landau liegt am anderen Ende der Skala, nicht zuletzt deswegen, weil die Stadt in der Südpfalz in den vergangenen Jahren sozusagen studentisch explodiert ist. Fast eine Verdoppelung der Studenten auf heute rund 8.000 Jungakademiker hat die Stadt verbucht. Wohnheimplätze gibt es aber nur 380 - daraus errechnet sich eine Quote von weniger als 5 Prozent.

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SWR Fernsehen RP

50 Studenten in Mainz ohne Wohnheimplatz

In der Landeshauptstadt Mainz sind zum Sommersemester 2019 insgesamt etwa 31.000 Studenten an der Johannes Gutenberg Universität eingeschrieben. Hier gibt es über 4.200 Wohnheimplätze (inklusive Bingen) und damit eine vergleichsweise gute Quote von mehr als 13 Prozent. Reichen tut aber auch das nicht. "Wir haben zum Sommersemester fast 50 Personen keinen Wohnheimplatz vermitteln können", sagt Thomas Kohn-Ade, Pressesprecher des Studierendenwerks Mainz.

Das hört sich zunächst nicht dramatisch an, aber: Vor einem Jahr konnten zum Sommersemester alle Wohnheimplatzwünsche erfüllt werden. Und im Winterhalbjahr, wenn die meisten Studiengänge starten, stehen weit mehr Namen auf der Warteliste. Vor einem halben Jahr waren es 500.

Förderprogramme mit hohen Hürden

So viele Plätze würde das Studierendenwerk Mainz gerne zusätzlich anbieten, erklärt Kohn-Ade. Wäre da nicht die Frage: Wer soll das bezahlen? Die aktuell möglichen Fördermaßnahmen reichten nicht aus. "Die Hürden sind viel zu hoch", erklärt Kohn-Ade. Für die Fördermaßnahmen müsse man ein wahnsinnig hohes Eigenkapital mitbringen und zugleich auch schon ein Grundstück. "Die Förderung muss niederschwellig werden", fordert Kohn-Ade, denn ansonsten sei ein Angebot von bezahlbaren Studentenzimmern nicht möglich.

Ein Studentenwohnheim (Foto: SWR)
Bauen ist teuer - ein wesentlicher Grund für den Mangel an Studentenwohnheimen

In Mainz sei man wegen der hohen Hürden der Förderprogramme darauf angewiesen, sich auf dem Kapitalmarkt mit Geld zu versorgen, wenn man bauen will. Vergleichsweise hohe Mieten für die Studentenzimmer sind die Folge.

Mainz teurer als München

Vergleicht man die Angebote von Mainz und München, stellt man fest: Mainz ist teurer als die bayerische Landeshauptstadt. Am Rhein liegt die Miete für ein Wohnheimzimmer zwischen 297 und 425 Euro. In München liegt hingegen der Durchschnittspreis offenbar unter dem Mainzer Einstiegspreis. Das Studentenwerk München schreibt auf seiner Website: "Die Monatsmieten für einen Einzelwohnplatz liegen im Durchschnitt bei 291,90 Euro." Wartelisten gibt es hier allerdings ebenso.

Bayern schießt viel Fördergeld in Wohnheime

Die vergleichsweise niedrigeren Mieten seien unter anderem mit der besseren Förderung von Wohnheimplätzen in Bayern zu erklären, so Kohn-Ade. Dort würden Wohnheimplätze mit jeweils rund 30.000 Euro bezuschusst.

Auch in Landau kann man mit dem Preisniveau der großen Städte mithalten: Zwischen 260 und 300 Euro müssen Studenten hier für ein Zimmer im Wohnheim auf den Tisch legen. Könnte man bauen, so viel man wollte, dann würde das Studierendenwerk Vorderpfalz nach Aussage von Pressesprecher Thomas Mosthof in Landau die Zahl der Wohnheimplätze (ca. 380) verdoppeln - mindestens. "Wir würden gerne zumindest auf den Bundesdurchschnitt von 10 Prozent kommen."

Auch Mosthof beklagt: "Wenn man nicht entweder extrem billigen Baugrund zur Verfügung hat oder an ein Grundstück in Erbpacht kommt, dann ist so ein Projekt nicht finanzierbar, weil die Mieten am Ende viel zu hoch sind."

Studentenbude auf dem Aldi

In Landau werden neue Wege beschritten, um den Studenten aus der Wohnungsnot zu helfen. Dort wird Aldi zum Bauherrn von Studentenwohnungen. Das erste Projekt ist mittlerweile eine Baustelle in der Maximilianstraße, dort sollen 65 Wohnheimplätze entstehen. Das zweite Projekt hat der Stadtrat durchgewunken, nun muss Aldi an die Planung gehen. Hier sollen immerhin 200 Studenten künftig eine Bleibe finden.

Aushang an einem schwarzen Brett auf dem nach einem Studentenzimmer gesucht wird (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa)
Die Nachfrage an Studentenzimmern ist an den meisten Orten höher als das Angebot picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa

Engpass auch in Koblenz

Im Norden von Rheinland-Pfalz wünscht man sich ebenso wie im Süden deutlich mehr Wohnheimplätze, denn auch hier konnten zum Sommersemester viele Namen nicht von der Warteliste gestrichen werden. Über 200 Studenten kamen laut Studierendenwerk Koblenz nicht zum Zug. Eine kleine Entlastung soll es spätestens bis zum Sommer 2020 geben: Bis dahin sollen 75 neue Wohnheimplätze in Remagen bezugsfertig sein.

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