Ein Polizeibeamter kontrolliert sogenannte Auto-Poser (Foto: dpa Bildfunk, dpa / Uwe Anspach)

Lärmbelästigung durch sinnloses Hin- und Herfahren Wie die Polizei junge Auto-Poser aus dem Verkehr zieht

In Mainz sorgen Auto-Poser für Ärger. Bei Kontrollen am Wochenende hat die Polizei fast einem Dutzend die Weiterfahrt untersagt. Der Grund: unerlaubte technische Änderungen am Fahrzeug.

Immer wieder gebe es Beschwerden von Bürgern wegen "sinnlosem Hin- und Herfahren", sagte Polizeihauptkommissar Tobias Hartmann. Insbesondere im zentralen Bleichenviertel. Hartmann war Organisator der Kontrolle. Einige Kollegen hätten sich in Tuning-Fachwissen eingearbeitet und auch Kollegen in Dienststellen in und um Mainz geschult. Die Bilanz der jüngsten Kontrollen: 17 überprüfte Autos, zehn Fahrer mussten ihren Wagen an Ort und Stelle stehenlassen, weil unerlaubte technische Änderungen vorgenommen worden waren.

"Bis auf den Rahmen fast nichts mehr original"

Bei den Kontrollen waren den Polizeiangaben zufolge erstmals Vertreter der Bußgeldstelle, des TÜV und der Zulassungsstelle dabei. In der Regel fielen bei derartigen Aktionen nicht in den Papieren eingetragene Tieferlegungen von Wagen, Auspuffanlagen oder nicht rechtmäßige Folierungen von Scheiben auf. "Im letzten Herbst hatten wir einen Wagen, da war bis auf den Rahmen fast gar nichts mehr original", erinnerte sich Hartmann. Der TÜV-Prüfer sei erstaunt gewesen, dass das Auto überhaupt noch gefahren sei. Mal sei ein Heizungsrohr anstelle eines Mittelschalldämpfers an der Auspuffanlage verbaut, mal sei aus einem Endtopf das komplette Dämmmaterial entfernt, damit mehr Lautstärke erreicht werde. Bei einer Kontrollaktion im vergangenen September zogen die Beamten in Mainz einen Wagen aus dem Verkehr, dessen Auspuffanlage mit 96 Dezibel röhrte. Zum Vergleich: ein startendes Flugzeug entwickelt zirka 120 Dezibel."

Polizei Mainz nimmt Auto-Poser ins Visier Breit, tief, laut - und von allem zuviel

Auto-Tuning und -Poser (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Mitchell Burke)
Richtig, das Bild zeigte einen Wagen auf einer Rennstrecke, genau dort gehören qualmende Reifen und driftende Hinterachsen hin. "Ein solches Verhalten ist wie ein Bewerbungsschreiben mit Sofortzusage für uns", sagt Tobias Hartmann von der Polizei Mainz. Und es kann teuer werden, denn die Fahrer werden oft mehrfach mit Bußgeldern belegt. Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, übermäßige Straßenbenutzung, Lärmbelästigung, unnützes Hin- und Herfahren sind alles Ordnungswidrigkeiten. Mitchell Burke Bild in Detailansicht öffnen
Flacher und breiter, darum geht es irgendwann bei jedem Tuning und kann auch teuer werden. Denn die Veränderung der Fahrzeuge hat Grenzen, besonders wenn die Reifen irgendwann keinen Platz mehr im Radkasten haben. "Große Felgen, Achsenverbreiterungen und flache Fahrwerke müssen daher immer vom TÜV gemeinsam geprüft worden sein, sonst hat das Fahrzeug keine Betriebserlaubnis", sagt Hartmann. Ina Fassbender Bild in Detailansicht öffnen
Im Jahr 2018 habe sie in Mainz rund 100 Mal die Weiterfahrt mit Fahrzeugen ohne gültige Betriebserlaubnis verhindert, berichtet Hartmann. Meist sei ein Bußgeld von rund 50 Euro fällig. Mitunter läge jedoch eine Gefahr für den Straßenverkehr vor, wenn Reifen in Kurven zu platzen drohten, weil sie an der Karosserie schliffen. "Dann erhöht sich das Bußgeld und auch ein Punkt in Flensburg kommt dazu." Ina Fassbender Bild in Detailansicht öffnen
Bußgelder riskierten jedoch auch Autofahrer, die mitunter gar nicht in die Kategorie "Poser" passten. "Die oft von Felgen- oder Fahrwerkherstellern mitgelieferten Teilgutachten bedeuten noch lange nicht, dass die Fahrzeuge dann eine gültige Betriebserlaubnis haben", sagt Hartmann. Neue Felgen und Fahrwerke müssten fast immer bei der Zulassungsstelle geprüft und vermerkt werden. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Das betrifft auch Auspuffanlagen - ein weiteres Herzstück der Autotuner. Ziel ist ein satter sportlicher Sound. Dieser soll meist nach mehr klingen, als eigentlich an Pferdestärken unter der Motorhaube steckt. Skurrilster Fall: In Mainz fanden Beamte in der Auspfuffanlage ein eingebautes Heizungsrohr. "Von einer Schalldämpfung konnte da keine Rede mehr sein", sagt Hartmann. Ina Fassbender Bild in Detailansicht öffnen
Neuster Trend: Achtzylindergrummeln aus dem Lautsprecher - per Fernbedienung falls gewünscht. Dabei wird ein Soundgenerator an die Abgasanlage gekoppelt. Je nach Gaspedaldruck oder Drehzahlen liefert ein Lautsprecher dann die mitunter enorme Klangkulisse. Ein in Mannheim sichergestelltes Auto brachte es kürzlich auf 138 Dezibel - die Rennwagen in der Formel 1 kommen derzeit auf "nur" knapp 120 Dezibel. Das Verkehrsministerium hat die Nachrüstung von Soundgeneratoren mittlerweile verboten. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Besonders gefährlich für andere Verkehrsteilnehmer ist die Nachrüstung von superhellen Xenon- oder LED-Scheinwerfern. Während serienmäßige Lichter wie mit einer Wasserwaage den Lichtkegel je nach Fahrzeugposition neu ausrichten, um entgegenkommende Fahrer nicht zu blenden, machten das viele Tuninghersteller nicht. Die Folge: Die grellen Scheinwerfer könnten so stark blenden, dass andere Autofahrer kurzzeitig die Orientierung verlieren, so der Experte. Severin Wurnig Bild in Detailansicht öffnen
Extravagant und verkehrstauglich schließen sich jedoch nicht aus, stellt Tobias Hartmann klar: "Ganz im Gegenteil. Ein Großteil der Tuner weiß genau, was sie tun und machen es im Rahmen der Vorschriften. Ihnen sind die Poser mit illegalen Autos genauso ein Dorn im Auge wie der Polizei." Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen

In einer Reihe von Fällen hat es im Vorjahr in Rheinland-Pfalz den Verdacht eines illegalen Autorennens oder gar eins Unfalls wegen eines mutmaßlich illegalen Rennens gegeben. Im Land waren es 2018 insgesamt 37 Strafanzeigen ohne Unfälle wegen des Verdachts einer Straftat nach Paragraf 315d des Strafgesetzbuches, wie das Innenministerium auf Anfrage mitteilte. Hinzu kamen neun Unfälle mit dem Verdacht eines unerlaubten Rennens. Den Paragrafen 315d im Strafgesetzbuch gibt es seit Oktober 2017, seitdem können Teilnehmer illegaler Autorennen härter bestraft werden. Wird durch ein "verbotenes Kraftfahrzeugrennen" der Tod eines anderen Menschen verursacht, können bis zu zehn Jahre Haft verhängt werden.

Aus- und Fortbildung für Polizisten

Neben Rasern und Renn-Teilnehmern beschäftigt sich die Polizei regelmäßig auch mit Autobesitzern, die verbotene Veränderungen an ihren Fahrzeugen vornehmen. Solche illegalen Veränderungen an Fahrzeugen sind laut Ministerium in der Regel eine Ordnungswidrigkeit. Es könne soweit gehen, dass die Betriebserlaubnis für einen Wagen erlischt und es sichergestellt wird. Das Thema werde auch bei der Aus- und Fortbildung von Polizisten berücksichtigt, so das Ministerium.

Sicherstellung des Fahrzeugs wegen "etxtremer Tieflage"

So biete die Hochschule der Polizei am Flughafen Hahn pro Jahr mehrere Fortbildungen an, die jeweils mit Großkontrollen endeten. Zuletzt gab es im Gebiet des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kaiserslautern, das sogar eine Expertengruppe geschaffen hat, eine solche Kontrolle. Insgesamt wurden 16 Anzeigen gefertigt wegen illegaler Umbauten oder erloschener Betriebserlaubnisse. Ein Wagen musste etwa wegen seiner "extremen Tieflage" sichergestellt werden.

Ein Polizist kontrolliert die Reifen eines mutmaßlichen Auto-Posers (Foto: dpa Bildfunk, dpa / Uwe Anspach)
Ein Polizist kontrolliert die Reifen eines mutmaßlichen Auto-Posers dpa / Uwe Anspach

Die Polizei berichtete, dass im Vorfeld der Kontrolle in sozialen Netzwerken von einer "Hetzjagd" der Polizei die Rede gewesen sei. Letztlich seien bei der Kontrolle aber alle Fahrer absolut freundlich und zumeist auch einsichtig gewesen. "Echten Liebhabern schöner Autos ist daran gelegen, alle technischen Veränderungen ordnungsgemäß vorgenommen zu haben", bilanzierte das Polizeipräsidium Westpfalz. "Schwarze Schafe" würden in der Tuning-Szene nicht geduldet."

Im Kampf gegen die Auto-Poser, die mit aufheulenden Motoren oft langsam an belebten Plätzen vorbeirollen, arbeitet die Polizei in den Nachbarstädten Mannheim und Ludwigshafen mittlerweile eng zusammen.

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