Stühle stehen in Klassenzimmer auf den Tischen (Foto: dpa Bildfunk, Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa)

Eltern und Ministerium uneins Streit um Unterrichtsausfall in Rheinland-Pfalz

Nach der Auswertung eines Regionalelternbeirats fallen in Rheinland-Pfalz neun Prozent des Unterrichts aus. Das Bildungsministerium spricht von zwei Prozent - und bezieht sich dabei auf dieselben Daten.

Der Regionalelternbeirat Koblenz wirft der Landesregierung vor, Zahlen zum Unterrichtsausfall zu beschönigen. Man habe die Daten des Bildungsministeriums selbst ausgewertet, sagte Regionalelternsprecher Erwin Lenz im Gespräch mit "Zur Sache Rheinland-Pfalz". 2,7 Millionen Unterrichtsstunden würden jährlich ausfallen. "Das sind neun Prozent des gesamten Volumens in Rheinland-Pfalz in allen Schulen im Jahresdurchschnitt", so Lenz.

Erwin Lenz (Foto: SWR)
Erwin Lenz, Sprecher des Regionalelternbeirats Koblenz, kritisiert das Vertretungskonzept

Das Bildungsministerium kommt bei der Auswertung der gleichen Daten zu einem anderen Ergebnis. Zwei Prozent des planmäßigen Unterrichts finde nicht statt und werde nicht vertreten, so Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). "Und das ist eine Zahl, die ist niedriger als in allen anderen Jahren zuvor", sagte sie "Zur Sache Rheinland-Pfalz".

Unterschiedliche Bewertungen

Der Unterschied zwischen beiden Ergebnissen entsteht bei dem Teil der Unterrichtsstunden, die nicht planmäßig stattfinden, aber zum Beispiel durch Stillarbeit, das Aufteilen der Schüler auf andere Klassen oder mit zum Teil fachfremden Vertretungslehrern kompensiert werden.

Bildungsministerin Stefanie Hubig (Foto: SWR)
Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD): Alternative wäre Unterrichtsausfall

"Das ist kein fachlich qualifizierter Unterricht, den wir dort feststellen", sagte Lenz. Der Regionalelternbeirat bewertet diese Stunden deshalb als Unterrichtsausfall.

Vertretungskonzepte für Schulen

Dem widerspricht Bildungsministerin Hubig. Vertretungsunterricht könne genauso qualitativ hochwertiger Unterricht sein wie der reguläre. Natürlich wolle man, dass der Unterricht von den planmäßigen Lehrern gegeben werde. Es komme aber immer wieder vor, dass beispielsweise ein Lehrer kurzfristig erkranke. Aus diesem Grund gebe es Vertretungskonzepte an den Schulen. "Was wäre denn die Alternative? Das der Unterricht gar nicht stattfindet."

Kritik von der Opposition

Die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz war vergangene Woche auch erneut Thema im Landtag. Die Opposition hatte diese während einer aktuellen Stunde kritisiert, die drei Regierungsparteien hatten widersprochen.

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