Eine Hand hält einen Zettel mit dem AWO-Logo, das aus einer Herz-Silhoutte besteht. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Holger Hollemann/dpa)

RP-Verbände befürchten Image-Schaden 100. AWO-Jubiläum überschattet von Ermittlungen in Hessen

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Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat am Freitag mit einem zentralen Festakt ihr 100. Jubiläum gefeiert. Doch die AWO-Verbände Pfalz und Rheinland blicken mit Sorge auf die Ermittlungen in Hessen.

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In den Bezirksverbänden der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Rheinland und Pfalz haben die Nachrichten über die Kollegen aus Frankfurt hohe Wellen geschlagen. Der AWO-Verband Pfalz verzeichnet zwar keine Rückgänge bei seinen Mitgliedern, aber die Verantwortlichen rechnen mit einem nachhaltigen Image-Schaden.

"Ich finde das einfach peinlich", sagt Geschäftsführer Andreas Zels vom Bezirksverband Rheinland über jüngste Berichte, wonach hessische AWO-Mitarbeiter dienstlich im Luxushotel Adlon abgestiegen sein sollen. In Frankfurt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche des Frankfurter AWO-Kreisverbandes wegen Betrugs und Untreue. Außerdem sorgen hohe Gehaltszahlungen in Frankfurt und auch beim Kreisverband Wiesbaden für Schlagzeilen. Der Geschäftsführer der Frankfurter AWO, Jürgen Richter, verkündete am Donnerstag seinen Rücktritt.

Zels befürchtet, dass das noch nicht alles war. In einem Schreiben hat sich der Verband mit Sitz in Koblenz an seine Mitarbeiter, an die Kreis- und Ortsverbände und seine Gesprächspartner in den Kommunen und beim Land gewandt und sein Entsetzen über die Berichte ausgedrückt.

AWO Rheinland: Kompass für richtig und falsch verloren

Der AWO-Bezirksverband Rheinland verlangt Aufklärung von den beiden hessischen Kreisverbänden. In Koblenz kenne man zwar auch nur die Medienberichte, aber es spreche einiges dafür, "dass die dort Verantwortlichen nicht nur Maß und Mitte verloren haben, sondern auch den Kompass für richtig oder falsch", heißt es in einem Schreiben des Verbandes. Mehr als 3.000 hauptamtliche Mitarbeiter und etwa 20.000 Mitglieder hat die AWO in Rheinland-Pfalz, verteilt auf die zwei Bezirksverbände.

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AWO-Chefgehälter sollen sich am Öffentlichen Dienst orientieren

Sein Gehalt liege sehr deutlich entfernt von den in Medienberichten genannten Gehältern aus Wiesbaden, sagt Geschäftsführer Zels. Ein genaues Gehalt nennt er nicht, aber er verweist auf den Kodex, den sich der AWO-Bundesausschuss gegeben hat. Demnach hat sich die Vergütung der Geschäftsführung an den Tarifen des Öffentlichen Dienstes auszurichten. Außerdem soll sie in einem angemessenen Verhältnis zu den Gehältern der Mitarbeiter stehen. Eine Regelung begrenzt Dienstwagen bis zur Mittelklasse.

Kontrolliert wird das Geschäftsführergehalt vom Aufsichtsgremium der AWO. Weitere Kontrollinstanzen für die korrekte Mittelverwendung sind beispielsweise die Kommunen oder das Land, wenn Förderzuschüsse beantragt werden. Auch der Landesrechnungshof prüft stichprobenartig. Ab einer bestimmten Größe sind die Verbände zudem verpflichtet, einen Wirtschaftsprüfer für den Jahresabschluss zu beauftragen. Das Finanzamt prüft, ob die Gemeinnützigkeit weiterhin gegeben ist und kann bei Zweifeln Betriebsprüfungen veranlassen.

Ermittlungen bei AWO im Westerwald seit 2015

Auch in Rheinland-Pfalz sorgten in der Vergangenheit Ermittlungen für Schlagzeilen. In den Kreisverbänden Altenkirchen und Westerwald ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz seit Mitte 2015 wegen Betrugsverdacht gegen sieben früher bei der AWO beschäftigte Mitarbeiter. Sie sollen Handwerker beauftragt haben, die das Werk nicht zahlen konnte und zu hohe Teilnehmerzahlen bei Seminaren angegeben haben, die bezuschusst wurden. Die Auswertung der umfangreichen sichergestellten Unterlagen werde noch geraume Zeit andauern, heißt es von der Staatsanwaltschaft in dieser Woche. Zwischenzeitlich richten sich die Ermittlungen gegen weitere zwei Beschuldigte.

Die beschuldigten Personen seien nicht mehr im Amt, sagt Zels. Die AWO habe als Konsequenz Wirtschaftsprüfer damit beauftragt, die eigenen Bildungsmaßnahmen zu überprüfen. Die korrekte Abwicklung von Anträgen sei der AWO in Koblenz bestätigt worden. Insolvenzverfahren in den beiden Kreisverbänden seien noch offen.

AWO gilt als gemeinnützig

Die AWO gilt als gemeinnützig und finanziert sich unter anderem aus staatlichen Zuwendungen. Zels spricht von einer Mischfinanzierung. Bei einer Pflegeeinrichtung bekommt die AWO als Träger Geld von der Pflegekasse, vom Sozialamt, von Heimbewohnern und deren Angehörigen. Bei einer Beratungsstelle gibt es Zuschüsse vom Land und einer Kommune, ein anderer Teil zur Finanzierung stammt aus eigenen Mitteln. Die AWO erhebt Mitgliedsbeiträge, Spenden lägen im circa einstelligen Prozentbereich der Gesamteinnahmen.

Die Arbeit der AWO ist umfangreich. In der Pfalz ist der Wohlfahrtsverband beispielsweise Träger von sieben Seniorenhäusern, sechs Sozialstationen und einer Tagespflege. Hinzu kommen Kindergärten und Jugendhäuser, es gibt Hilfen für Flüchtlinge, Essen auf Rädern und Demenzkranke werden betreut.

Andreas Zels reist auch zu dem Jubiläums-Festakt nach Berlin. Wenn er im Hotel übernachtet, liege der Preis pro Nacht bei 70 bis 100 Euro. Die Vorgänge in Hessen belasteten voraussichtlich die Atmosphäre, aber gefeiert werde dennoch. "Das ist wie bei einer Familienfeier." Unterm Strich habe die AWO aber 100 Jahre gute Arbeit geleistet und Sozialpolitik mitentwickelt, sagt Zels. "Da steckt viel Herzblut in der Arbeit."

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