Klimawandel in Rheinland-Pfalz (Foto: Getty Images)

40 Grad im Sommer könnten zur Norm werden Rheinland-Pfalz steckt im Klimawandel

Die 30-Grad-Marke wird seit Wochen in Rheinland-Pfalz regelmäßig überschritten. Abkühlung gibt es wenn überhaupt nur in Form von Starkregen, Hagel und heftigen Unwettern. Alles spricht dafür, dass es Folgen des Klimawandels sind.

Es ist heiß - so richtig heiß in Rheinland-Pfalz. Eine Herausforderung für Mensch, Tier und Pflanzen, an die sich diese in den kommenden Jahren wohl gewöhnen müssen - denn wegen des Klimawandels nehmen Hitzephasen und Unwetter zu.

40 Grad könnten im Sommer bald ganz normal sein

Das bestätigt Ulrich Matthes, Leiter des Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen in Trippstadt. Zwar gebe es bisher keine offiziellen Statistiken, aber wenn die Messergebnisse der letzten 200 Jahren verglichen würden, seien die jüngeren Jahrzehnte deutlich wärmer. "Extremjahre wie etwa das Jahr 2003 können bis 2050 zu Normaljahren werden", sagt Matthes im SWR-Gespräch. Sommertage mit Temperaturen über 40 Grad könnten bald keine Ausnahme mehr sein.

Auch dieses Jahr sei besonders warm, die Zahl der Sommertage sei hoch, auch Tropennächte stehen bevor. Der Mensch müsse sich in den nächsten zehn bis 20 Jahren den Temperaturen anpassen, sagt Matthes. "Arbeitszeiten und Tageszyklus werden sich wohl verändern."

2018 ist bereits jetzt ein Jahr der Extreme

Klimawandel bedeute aber nicht nur trockene und knackig heiße Sommertage, sondern insgesamt "extremere und intensivere Wetterereignisse". 2018 ist da ein Paradebeispiel: Hochwasser im Januar, Schnee im März und seit den Sommermonaten Unwetter, Hitze und Trockenheit. Regionale Unterschiede allein in Rheinland-Pfalz will Matthes nicht definieren. "Natürlich spielt die Topografie eine Rolle", aber in jüngster Zeit habe es Unwetter an unterschiedlichen Stellen des Landes gegeben.

In der Natur habe der Klimawandel zur Folge, dass die Vegetationszeit früher beginne und länger gehe, erläutert Matthes. Auch wenn Landwirte über Frostschäden klagten, müsse man generell sagen, dass die kalten Nächte eher zurückgehen. "Die Schäden entstehen dann, weil die Vegetation einfach früher beginnt", sagt er.

Schädlinge profitieren von Klimawandel

Für die Landwirtschaft bedeute die Hitze aber auch eine Herausforderung. Die Landwirte müssen neue Kulturen aussäen, die besser mit Trockenheit und Schädlingen zurecht kommen würden. "Vor allem Schädlinge profitieren vom Klimawandel", sagt Matthes. Auch eine Tortur für die Menschen: Denn Stechmücken sind auf dem Vormarsch.

In Städten und Kommunen hat das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen bereits mehrere Projekte ins Leben gerufen, um gemeinsam gegen den Klimawandel anzugehen. Seit April dieses Jahres coacht das Zentrum mehr als zehn Kommunen. Unter anderem werde da Wert auf eine blau-grüne Stadtentwicklung gelegt - neue Wasser- und Grünflächen in den Städten.

Klimawandel in Rheinland-Pfalz Wetter-Extreme haben 2018 zugenommen

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