Papast Franziskus mit Kardinälen in Rom (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

Erwartungen aus Rheinland-Pfalz Bischöfe setzen auf Anti-Missbrauchstreffen im Vatikan

Bis Sonntag beraten Kirchenvertreter im Vatikan über Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal. Die rheinland-pfälzischen Bischöfe blicken mit Spannung auf das Treffen.

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"Aus meiner Sicht wäre es ein wichtiger Schritt, wenn Papst Franziskus es mit seiner Autorität schafft, die Bischöfe zu verpflichten, sich dem Thema Missbrauch opferorientiert zu stellen und nicht das Ansehen der Kirche an die erste Stelle zu setzen", sagte der Trierer Bischof Stephan Ackermann vor dem Treffen. Er ist innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz seit 2010 Beauftragter für Missbrauchsprävention.

Kein alleiniges Problem der Kirche in Deutschland

Er erhoffe sich, dass die Teilnehmer des Gipfels mit der Einsicht heimkehrten, "dass die Problematik von sexueller, psychischer und spiritueller Gewalt in der Kirche nicht bloß eine Problematik der Bischofskonferenzen des Nordens oder Westens ist". Die Kirche in Deutschland gehört nach Angaben der Päpstlichen Universität Gregoriana inzwischen mit Ländern wie USA, Australien und Irland zur Spitzengruppe weltweit, was die Prävention betrifft.

Die Bischöfe Marx und Ackermann (r) vertreten die Deutsche Bischofskonferenz bei dem Anti-Missbrauchstreffen (Foto: dpa Bildfunk)
Die Bischöfe Marx und Ackermann (r)

Thomas Schnitzler, der mit zehn Jahren vom Kaplan seiner Heimatgemeinde in Trier-Kürenz missbraucht wurde, erwartet wenig von dem Treffen in Rom. "Dass die Kirche ihre eigenen Delikte aufklärt, das geht einfach nicht", sagte er im SWR.

Der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, wies den Vorwurf zurück, dass die Kirche nur intern aufkläre. Die katholische Kirche in Deutschland arbeite mit Staatsanwaltschaften und dem Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung zusammen. Für Missbrauchsopfer gebe es unabhängige Anlaufstellen. Ähnliche einheitliche Standards müssten in der Weltkirche gelten. "Es geht nicht um das Aufpolieren eines Images", sagte er über das Treffen in Rom.

Wiesemann: Missbrauchsopfer ernst nehmen

Die Kirche sei an einem wichtigen Punkt der Glaubwürdigkeit, warnte Wiesemann. Für ihn gibt Papst Franziskus mit dem Treffen das Signal: "Wir wollen in der Kirche wirklich, dass Opfer gehört werden und dass auch Konsequenzen gezogen werden." Er selbst habe an alle ihm bekannten Missbrauchsopfer in seinem Bistum geschrieben und sie teils persönlich getroffen, sagte er dem SWR.

In der Vergangenheit sei der Schutz der Institution über den der Betroffenen gestellt worden. Missbrauchsopfer müssten überall ernst genommen werden - auch die lebenslangen Konsequenzen der Taten für die Betroffenen, forderte Wiesemann. "Wenn durch unsere eigene Schuld, durch Menschen in der Kirche, Kinder und Jugendliche Verbrechen zum Opfer fallen, dann können wir nicht glaubhaft unsere Botschaft verkünden."

"Es geht nicht um das Aufpolieren eines Images."

Bischof Wiesemann, Speyer

Kohlgraf will mehr Laien beteiligen

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hatte zuvor zu Reformen aufgerufen, an innerkirchlichen Entscheidungsprozessen sollten auch Laien beteiligt werden. Seinem Amtsvorgänger, Karl Kardinal Lehmann, hielt er vor, das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirchen unterschätzt zu haben: "Die strukturellen Fragen oder die Fragen eines systemischen Versagens hatte er nicht auf dem Schirm."

Der Limburger Bischof Georg Bätzing sagte, bei Missbrauchsfällen habe die katholische Kirche generell "lange Jahrzehnte den verkehrten Blick eingenommen" und gefragt, ob diese der Kirche schaden oder wie man mit den Tätern umgehen müsse. Die Perspektive der Opfer sei vernachlässigt worden: "Wir haben nicht gesehen, dass Menschen so verwundet, so verletzt sind, dass sie oft ihr Leben gar nicht in den Griff kriegen."

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Offener Brief an Kardinal Marx

Vor dem Treffen in Rom hatten neun prominente Katholiken, fünf Frauen und vier Männer, einen Brief veröffentlicht und darin eine kirchliche Gewaltenteilung und die Priesterweihe von Frauen gefordert. Katholischen Geistlichen solle zudem die Wahl der zölibatären Lebensform freigestellt und Homosexualität neu bewertet werden. Zu den Unterzeichnern gehören die Jesuiten Ansgar Wucherpfennig und Klaus Mertes. Letzterer hatte 2010 als damaliger Leiter des Berliner Canisius-Kollegs Fälle von Missbrauch an der Schule öffentlich gemacht.

Ab morgen werden wir einige Tage des Dialogs und der Gemeinschaft, des Hörens und der Unterscheidung leben. Mögen sie eine Zeit der Umkehr sein. Wir wollen nicht uns selbst verkünden, sondern Ihn, der für uns gestorben ist. #PBC2019

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