Kurt Beck (Foto: dpa Bildfunk, Gregor Fischer)

Vom Elektromechaniker zum Ministerpräsidenten So prägte Kurt Beck Rheinland-Pfalz

"Nah bei de Leut" war Kurt Beck mehr als 18 Jahre lang als Ministerpräsident. Das Ende seiner Amtszeit wurde von der Nürburgring-Affäre überschattet. Jetzt ist Beck 70, aber ein Ruhestand ist nicht in Sicht.

Der frühere SPD-Vorsitzende arbeitet noch immer 60 bis 70 Stunden pro Woche. Als Chef der Friedrich-Ebert-Stiftung pendelt Beck zwischen seinem südpfälzischen Heimatort Steinfeld, Mainz, Bonn und Berlin. Der Vorstandsvorsitz der Stiftung "ist zwar ein Ehrenamt, aber in der Praxis eigentlich ein Fulltime-Job", sagt Beck.

"Ich bin dankbar dafür, dass ich nach schweren gesundheitlichen Rückschlägen, die ich hatte, wieder mit zwei Beinen auf der Erde stehen kann", sagt Beck heute. Seinen Schlaganfall habe er überwunden.

Dauer

Dazu beschäftigten den ehemaligen Ministerpräsidenten noch eine Reihe anderer Ehrenämter, etwa bei der Fritz-Walter-Stiftung, die sportliche Jugendarbeit und die Integration junger Menschen in die Gesellschaft fördert. Seit knapp drei Monaten ist Beck zudem Vorsitzender des Kuratoriums der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer.

Steile politische Karriere

Mehr als 18 Jahre war der Südpfälzer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz - noch länger hatte dieses Amt nur der CDU-Politiker Peter Altmeier inne. Beck, Sohn eines Maurers und gelernter Elektromechaniker, legte eine steile Karriere hin. Aber auch der politische Abstieg war steil, das Ende seiner Amtszeit als Ministerpräsident kam überraschend schnell.

Im Mai 2012 kamen Spekulationen auf, Beck nehme bald den Hut. Doch der Landeschef stellte klar: Er will bis zur Landtagswahl 2016 im Amt bleiben - wenn seine Gesundheit es zulässt. Wenige Monate später waren es eben jene Probleme mit der Bauchspeicheldrüse, die ihn nach eigenen Worten doch zum Rücktritt zwangen. Am 16. Januar 2013 übergab er die Regierungsgeschäfte an die damalige Sozialministerin Malu Dreyer (SPD).

Zugesetzt hatte Beck zuletzt vor allem die permanent köchelnde Nürburgring-Affäre. Das 330 Millionen Euro teure Freizeitzentrum an der legendären Rennstrecke fiel den Steuerzahlern zur Last, obwohl Beck immer das Gegenteil versprochen hatte. Die CDU-Opposition stellte im Herbst 2012 im Landtag einen Misstrauensantrag, den Beck aber dank der Geschlossenheit der rot-grünen Regierungsfraktionen überstand.

Bildergalerie Kurt Beck - Landesvater für mehr als 18 Jahre

Kurt Beck mit Rudolf Scharping (Foto: SWR)
Kurt Becks Karriere ist eng mit seinem Vorgänger Rudolf Scharping verbunden, der 1991 als erster Sozialdemokrat Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz wird. Als Scharping 1993 Bundesvorsitzender der SPD wird ... Bild in Detailansicht öffnen
... rückt Beck in das Amt des SPD-Landesvorsitzenden nach und wird ein Jahr später auch Scharpings Nachfolger als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Bild in Detailansicht öffnen
Unter Beck wird Rheinland-Pfalz mehr und mehr zur SPD-Bastion. Während die Partei in der Ära Schröder in vielen Bundesländern Stimmenverluste hinnehmen muss, gewinnt Beck unangefochten Wahl für Wahl. Obwohl er die "alten" Prinzipien der Sozialdemokratie wie soziale Gerechtigkeit verkörpert, macht er mit dem Regierungspartner FDP eine moderne Wirtschaftspolitik. Bild in Detailansicht öffnen
Nach den Parteiquerelen um die Abwahl des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering rückt Beck weiter ins Zentrum der Bundes-SPD. Seine ruhige und vermittelnde Art ist, was die Partei in dieser Phase braucht, und so wählt ihn die SPD 2005 zum ersten Stellvertreter des neuen Vorsitzenden Matthias Platzeck. Bild in Detailansicht öffnen
2006 wird zum Triumphjahr für Kurt Beck. Am 26. März gewinnt die SPD bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit und kann nach 1991 erstmals ohne die FDP allein regieren. Bild in Detailansicht öffnen
Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Nachdem der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck am 10. April 2006 aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt als SPD-Bundesvorsitzender erklärt, übernimmt Beck die Führung der Partei. Bild in Detailansicht öffnen
Knapp einen Monat später wird der Rheinland-Pfälzer auf einem Sonderparteitag zum SPD-Chef gewählt. Die von Personalquerelen und Wahlniederlagen gebeutelte SPD sieht in Beck ihren neuen Hoffnungsträger. Seine Popularität in Rheinland-Pfalz hilft ihm auf Bundesebene aber wenig. Viele Parteikollegen werfen ihm einen Linkskurs vor. Die Lage spitzt sich zu, als Beck seine Zustimmung zu einem Regierungsbündnis von SPD, Grünen und Linkspartei in Hessen signalisiert. Bild in Detailansicht öffnen
Das Ende als SPD-Chef: Kurt Beck erklärt am 9. September 2008 in Mainz seinen Rücktritt als SPD-Bundesvorsitzender. Eigene Fehler im hessischen Landtagswahlkampf, eine fehlende "Hausmacht" in Berlin sowie andauerndes Mobbing der alten SPD-Führung um Franz Müntefering haben ihn scheitern lassen. Bild in Detailansicht öffnen
Auf die Genossen im eigenen Land kann sich der Pfälzer aber weiterhin verlassen. Nur vier Tage nach seinem Abgang von der Berliner Bühne wählt die SPD ihn mit dem Traumergebnis von 95,5 Prozent erneut zum Landesvorsitzenden. Sein Sieger-Image hat laut Umfragen aber auch im eigenen Land Kratzer bekommen. Bild in Detailansicht öffnen
Im Sommer 2009 nimmt die Nürburgring-Affäre ihren Lauf. Ein Freizeitpark soll Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region schaffen, lockt jedoch viel weniger Besucher an als zunächst angenommen. Als 2009 die geplante Privatfinanzierung scheitert, weil die Landesregierung offenbar windigen Geschäftsleuten aufgesessen ist, tritt Finanzminister Ingolf Deubel zurück. Für Beck bedeutet die Affäre einen enormen Imageschaden. Bild in Detailansicht öffnen
Die Affäre schlägt sich auch politisch nieder. Im Frühjahr 2011 verliert die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Beck bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit und liegt fast gleichauf mit der wiedererstarkten CDU. Nur dank der Grünen kann Beck in seine fünfte Amtsperiode gehen. Bild in Detailansicht öffnen
Seine letzte Amtszeit endet vorzeitig im Januar 2013. Beck übergibt sein Amt als Regierungschef an die damalige SPD-Sozialministerin Malu Dreyer. Bild in Detailansicht öffnen
Auch nach seinem Rückzug aus der Politik bleibt Kurt Beck in der Öffentlichkeit. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachstmarkt im Jahr 2016 wird er Opferbeauftragter der Bundesregierung. Seit 2013 ist er zudem Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Bild in Detailansicht öffnen

Populärer und bekannt

Aber auch der spektakuläre Abgang änderte nichts daran, dass kaum ein anderer Politiker in Rheinland-Pfalz so populär war wie Kurt Beck. Im Land kannten ihn phasenweise sage und schreibe 99 Prozent der Rheinland-Pfälzer. Dabei ist Beck eher ein unauffälliger Typ: Igel-Haarschnitt, grau melierter Vollbart, dezente Garderobe - meist weißes Hemd, Krawatte und dunkle Anzüge. Auch gilt er nicht als brillianter Rhetoriker.

Becks Erfolg lag und liegt in seiner Bodenständigkeit. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen entfalteten sich die Talente des gelernten Elektromechanikers im Umgang mit den Bürgern zum Beispiel bei Volksfesten und Fastnachtsveranstaltungen. Dort war er "nah bei de Leut" - genauso wie in seiner Bürgersprechstunde, die er regelmäßig in seinem Privathaus abhielt.

Immer gern im Gespräch "mit de Leut" - Kurt Beck (Foto: dpa Bildfunk)
Immer gern im Gespräch "mit de Leut" - Kurt Beck

Ein Roter regiert das "schwarze" Land 18 Jahre lang

Dazu hatte Kurt Beck einen sicheren Instinkt für Themen, die im strukturell konservativen Rheinland-Pfalz gut ankamen und ihn bei Wahlen unbesiegbar machten: beitragsfreie Kindergärten für alle, keine Studiengebühren und flächendeckende Ganztagsschulen waren nur einige davon. Dass viele soziale Wohltaten auf Pump finanziert waren und der Landeshaushalt unter einer großen Schuldenlast ächzte, kritisierte nicht nur die Opposition, sondern immer wieder auch der Landesrechnungshof.

Bitterer Ausflug in die Bundespolitik

2006 war der Höhepunkt in Becks Karriere: Mit 45,6 Prozent holte er bei der Landtagswahl im April die absolute Mehrheit für die SPD und konnte ohne Koalitionspartner regieren. In Rheinland-Pfalz war aus Kurt Beck längst "König Kurt" geworden. Einen Monat später wurde er zum Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Zwei Jahre danach folgte jedoch eine bittere Niederlage: Am 7. September 2008 trat Beck zermürbt von parteiinternen Intrigen als SPD-Bundesvorsitzender zurück.

Privat ist Beck seit 1968 mit der gelernten Friseurin Roswitha Starck verheiratet. Gemeinsam haben sie einen Sohn. In seiner Freizeit besucht der Fußball-Fan Kurt Beck gerne Spiele seines Lieblingsvereins 1. FC Kaiserslautern.

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