Andrea Nahles am Rednerpult vor großem SPD-Logo (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa)

Porträt Andrea Nahles Kämpferische Genossin aus der Eifel

Andrea Nahles war die erste Frau, die die SPD-Fraktion im Bundestag anführte und auch die erste Frau an der Spitze der Bundespartei. Dafür hatte die Politikerin aus der Eifel hart gearbeitet. Nun ist Nahles zurückgetreten.

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Bevor Nahles im April 2018 den Bundesvorsitz der SPD übernahm, war sie fünf Jahre lang als Arbeitsministerin in der Großen Koalition für die sozialdemokratischen Herzensanliegen zuständig: Mit dem Mindestlohn, der Rente mit 63 und dem Ost-West-Rentenangleich brachte sie wichtige SPD-Ziele durch. Ihr Fleiß für die SPD zahlte sich - zumindest in Umfragen - nicht immer aus.

Bodenständige Sozialpolitikerin

Nahles ist wichtig für das Image der Partei. Die bodenständige Rheinland-Pfälzerin verkörpert das soziale Gewissen der SPD. Geboren in der Eifel als Tochter eines Maurermeisters und einer Finanzangestellten verbindet sie die Geschichte ihrer Familie mit ihrem Image als Sozialpolitikerin: Sie kenne die Nöte der einfachen Leute. Etwa, wenn sie von ihrem Vater erzählt, der "45 Jahre am Bau" gearbeitet habe und mit "kaputtem Rücken" heim kam.

Hausfrau oder Bundeskanzlerin

Beruflich wollte Nahles aber immer mehr erreichen: "Hausfrau oder Bundeskanzlerin" lautete ihr eigener Wahlspruch in der Abiturzeitung von 1989. Nach dem Abitur studierte sie Politik, Philosophie und Germanistik an der Bonner Universität, begann danach eine Promotion über den Schriftsteller Walter Scott und den historischen Roman. Da war die Politik schon längst der bestimmende Einfluss in ihrem Leben. Nahles trat 1988 in die SPD ein und gründete nur ein Jahr später den SPD-Ortsverband ihres Heimatdorfes Weiler. 1993 wurde sie Vorsitzende der Jusos in Rheinland-Pfalz, 1995 deren Bundesvorsitzende.

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Scharfe Kritikerin der Agenda 2010

Unideologisch war sie damals, eine Pragmatikerin in einer Zeit, als die Jusos ideologische Flügelkämpfe austrugen. Oskar Lafontaine, damals SPD-Chef, nannte sie gar "ein Gottesgeschenk" an die Partei. 1998 zog Nahles das erste Mal in den Bundestag ein, doch vier Jahre später fuhr die SPD in Rheinland-Pfalz ein so schlechtes Ergebnis bei der Bundestagswahl 2002 ein, dass Nahles' Listenplatz für einen Wiedereinzug nicht ausreicht.

Ein Jahr lang arbeitete sie im Hauptstadtbüro der IG Metall, blieb in der SPD aber als Sprecherin des linken Flügels präsent und wurde eine der schärfsten Kritikerinnen der Agenda 2010. Bei der Wahl 2005 kehrte sie als Abgeordnete in den Bundestag zurück.

Müntefering stürzt über Nahles

Nur wenig später kam es zum Eklat. Bei der Wahl zum Generalsekretär setzte sie sich gegen den Favoriten des damaligen SPD-Chefs Franz Müntefering durch. Damit wurde sie für viele in ihrer Partei zur "Königsmörderin". Müntefering trat zurück, Nahles verzichtete zunächst auf alle höheren Ämter in ihrer Partei.

Vier Jahre später war sie zurück: Im Bundestag machte sie sich als Expertin für Arbeit und Soziales einen Namen, in der SPD wurde sie 2007 für zwei Jahre Bundesvize. Im November 2009 wählten sie die SPD-Delegierten dann zur neuen Generalsekretärin.

Nahles zentrale Aufgabe: den Bundestagswahlkampf 2013 organisieren. Die SPD verlor die Wahl zwar, es reichte aber für eine Große Koalition. Um als Bundesarbeitsministerin Platz an Merkels Kabinettstisch zu nehmen, gab die Generalsekretärin ihren Posten ab.

Andrea Nahles wurde am 20. Juni 1970 in Mendig in der Eifel geboren. Sie hat eine Tochter.

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