Polizei Mainz nimmt Auto-Poser ins Visier Breit, tief, laut - und von allem zuviel

Polizei Mainz nimmt Auto-Poser ins Visier Breit, tief, laut - und von allem zuviel

Auto-Tuning und -Poser (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Mitchell Burke)
Richtig, das Bild zeigte einen Wagen auf einer Rennstrecke, genau dort gehören qualmende Reifen und driftende Hinterachsen hin. "Ein solches Verhalten ist wie ein Bewerbungsschreiben mit Sofortzusage für uns", sagt Tobias Hartmann von der Polizei Mainz. Und es kann teuer werden, denn die Fahrer werden oft mehrfach mit Bußgeldern belegt. Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, übermäßige Straßenbenutzung, Lärmbelästigung, unnützes Hin- und Herfahren sind alles Ordnungswidrigkeiten. Mitchell Burke
Flacher und breiter, darum geht es irgendwann bei jedem Tuning und kann auch teuer werden. Denn die Veränderung der Fahrzeuge hat Grenzen, besonders wenn die Reifen irgendwann keinen Platz mehr im Radkasten haben. "Große Felgen, Achsenverbreiterungen und flache Fahrwerke müssen daher immer vom TÜV gemeinsam geprüft worden sein, sonst hat das Fahrzeug keine Betriebserlaubnis", sagt Hartmann. Ina Fassbender
Im Jahr 2018 habe sie in Mainz rund 100 Mal die Weiterfahrt mit Fahrzeugen ohne gültige Betriebserlaubnis verhindert, berichtet Hartmann. Meist sei ein Bußgeld von rund 50 Euro fällig. Mitunter läge jedoch eine Gefahr für den Straßenverkehr vor, wenn Reifen in Kurven zu platzen drohten, weil sie an der Karosserie schliffen. "Dann erhöht sich das Bußgeld und auch ein Punkt in Flensburg kommt dazu." Ina Fassbender
Bußgelder riskierten jedoch auch Autofahrer, die mitunter gar nicht in die Kategorie "Poser" passten. "Die oft von Felgen- oder Fahrwerkherstellern mitgelieferten Teilgutachten bedeuten noch lange nicht, dass die Fahrzeuge dann eine gültige Betriebserlaubnis haben", sagt Hartmann. Neue Felgen und Fahrwerke müssten fast immer bei der Zulassungsstelle geprüft und vermerkt werden. Picture Alliance
Das betrifft auch Auspuffanlagen - ein weiteres Herzstück der Autotuner. Ziel ist ein satter sportlicher Sound. Dieser soll meist nach mehr klingen, als eigentlich an Pferdestärken unter der Motorhaube steckt. Skurrilster Fall: In Mainz fanden Beamte in der Auspfuffanlage ein eingebautes Heizungsrohr. "Von einer Schalldämpfung konnte da keine Rede mehr sein", sagt Hartmann. Ina Fassbender
Neuster Trend: Achtzylindergrummeln aus dem Lautsprecher - per Fernbedienung falls gewünscht. Dabei wird ein Soundgenerator an die Abgasanlage gekoppelt. Je nach Gaspedaldruck oder Drehzahlen liefert ein Lautsprecher dann die mitunter enorme Klangkulisse. Ein in Mannheim sichergestelltes Auto brachte es kürzlich auf 138 Dezibel - die Rennwagen in der Formel 1 kommen derzeit auf "nur" knapp 120 Dezibel. Das Verkehrsministerium hat die Nachrüstung von Soundgeneratoren mittlerweile verboten. Picture Alliance
Besonders gefährlich für andere Verkehrsteilnehmer ist die Nachrüstung von superhellen Xenon- oder LED-Scheinwerfern. Während serienmäßige Lichter wie mit einer Wasserwaage den Lichtkegel je nach Fahrzeugposition neu ausrichten, um entgegenkommende Fahrer nicht zu blenden, machten das viele Tuninghersteller nicht. Die Folge: Die grellen Scheinwerfer könnten so stark blenden, dass andere Autofahrer kurzzeitig die Orientierung verlieren, so der Experte. Severin Wurnig
Extravagant und verkehrstauglich schließen sich jedoch nicht aus, stellt Tobias Hartmann klar: "Ganz im Gegenteil. Ein Großteil der Tuner weiß genau, was sie tun und machen es im Rahmen der Vorschriften. Ihnen sind die Poser mit illegalen Autos genauso ein Dorn im Auge wie der Polizei." Picture Alliance
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