Ein toter Mensch ist in einer Leichenhalle aufgebahrt. Die nackten Füße schauen aus dem Leichentuch hinaus. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Polizei-Gewerkschaft will bessere Leichenschau Dutzende Tötungsdelikte bleiben unentdeckt

In Rheinland-Pfalz werden nach Schätzung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) jedes Jahr rund 150 Todesfälle fälschlicherweise als natürlich eingestuft. Der Grund sei eine unzureichende Leichenschau.

Etwa 50 bis 60 Tötungsdelikte blieben so unentdeckt. Die Gewerkschaft will mit einer Tagung auf die Problematik aufmerksam machen.

Grund für die unentdeckten Todesursachen sind laut dem stellvertretenden Vorsitzenden der GdP Rheinland-Pfalz, Bernd Becker, Fehleinschätzungen bei der Leichenschau. Zurzeit sei jeder Arzt per Gesetz dazu verpflichtet, diese durchzuführen.

Oft fühlten sich die Ärzte aber überfordert, viele seien nicht ausreichend fortgebildet, sagte Becker. So würden Tötungsdelikte, Suizide oder häusliche Unfälle zum Teil nicht erkannt und als natürlicher Tod eingestuft.

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"Österreichisches Modell" soll helfen

Die GdP Rheinland-Pfalz fordert deshalb die Einführung des sogenannten Österreichischen Modells. Dieses sieht vor, dass es in jedem Bezirk qualifizierte Ärzte gibt, die für die Leichenschau zuständig sind. Gleichzeitig sollten andere Ärzte nicht mehr dazu verpflichtet werden.

Jedes Jahr sterben in Rheinland-Pfalz etwa 45.000 Menschen. Zur Hilfe gerufene Notärzte dürfen laut GdP nur eine vorläufige Todesbescheinigung ausstellen. "In aller Regel wird die endgültige Todesbescheinigung vom Hausarzt ausgestellt", sagte Becker: "Auch wenn er das eigentlich nie macht und die Vorlesung vor 20 Jahren auch wieder vergessen hat."

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Gesundheitsministerin will Verbesserungsvorschläge ernstnehmen

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sagte, man nehme Hinweise auf mögliche Verbesserungen ernst. Daher sei auch eine interministerielle Arbeitsgruppe eingerichtet worden, die das Thema praxisnah bespreche, sich auch mit anderen Verfahren der Leichenschau befassen und mögliche Veränderungen hierzulande prüfen werde.

Die Ministerin betonte auch, die Ärzteschaft im Land, der die Aufgabe der Leichenschau übertragen sei, sei entsprechend ausgebildet und könne sich in Fortbildungsveranstaltungen weiterqualifizieren, um die "hohe Verantwortung" zu tragen. "Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Aufgabe in Rheinland-Pfalz verantwortungsvoll wahrgenommen wird und sich unser System im Grundsatz bewährt hat."

Absage der Landesärztekammer

Die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz unterstützt die Forderung der GdP nach speziellen ärztlichen Leichenbeschauern nicht. "Die Forderung ist in einer Zeit, in der immer weniger Ärzte zur Verfügung stehen, auch nicht abbildbar", sagte der Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Günther Matheis.

Es gebe regelmäßige Fortbildungen, um die Qualität der Leichenschau sicherzustellen. Diese können laut Matheis aber durchaus noch mehr gefördert und intensiviert werden.

Arbeitsgruppe gegründet

Man wisse, dass es zurzeit allgemein zu wenig Ärzte gebe, um die Forderung der GdP sofort umzusetzen, sagte Becker. Die qualifizierte Leichenschau solle aber in der Zukunftsplanung berücksichtig werden. Ein erster Schritt sei die Schaffung einer ressortübergreifenden Arbeitsgruppe "Mainzer Initiative Qualifizierte Leichenschau" gewesen.

Gemeinsam mit der Rechtsmedizin der Uniklinik Mainz, dem Gesundheitsamt Mainz-Bingen, der Landesärztekammer und dem Ministerium sollen dort erste Schritte diskutiert werden.

Die Überlegungen dürften vor Rechts- und Finanzierungsfragen aber nicht halt machen, forderte Becker: "Es ist ein vollkommen unakzeptabler Gedanke, dass so viele Tötungsdelikte unentdeckt bleiben."

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