Flugzeuge von Ryanair auf dem Rollfeld des Flughafens Hahn (Foto: picture-alliance / dpa)

Gerüchte um Ryanair-Abzug vom Hahn Flughafen dementiert, Ryanair schweigt

"Völliger Unsinn" - so hat die Geschäftsführung des Flughafens Hahn auf Berichte über einen Abzug des Hauptkunden Ryanair reagiert. Die Gerüchte sorgten auch für Streit in der Landespolitik.

Die Mainzer "Allgemeine Zeitung" hatte am Montag berichtet, der irische Billigflieger wolle sich komplett vom Hahn zurückziehen - und zwar bereits vom kommenden Sommerflugplan 2019 an. Die Zeitung berief sich auf Informationen aus "höchsten Managementkreisen" von Ryanair aus Dublin.

Der Flughafen Hahn dementierte am Dienstag: "Nach meinen Kenntnissen ist das völliger Unsinn", so Christoph Goetzmann, Mitglied der Hahn-Geschäftsführung. Man stehe im engen Kontakt mit Ryanair und habe keine Hinweise, die auf einen Rückzug hindeuteten.

Ryanair-Sprecher Robin Kiely teilte dem SWR mit: "Wir kommentieren keine Gerüchte oder Spekulationen. Die noch ausstehenden Sommerflugpläne 2019 finalisieren wir derzeit."

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CDU: Land soll Zahlungen einstellen

Die rheinland-pfälzische CDU-Fraktion fordert von der Regierung Klarheit zur Lage am Flughafen Hahn und gegebenenfalls ein Stopp der Zahlung von Landesgeld. Fraktionschef Christian Baldauf sagte, nach wie vor erhalte der Hahn Steuergelder. Angesichts der aktuellen Gerüchte forderte er: "Wenn es nicht sicher ist, dass der Flugbetrieb aufrecht erhalten bleibt und der Hahn eine Zukunft hat, fordern wir die Einstellung der Zahlung dieser Steuermittel."

Verpflichtungen bis zum Jahr 2024

Rheinland-Pfalz hatte 2017 seine 82,5 Prozent Anteile am Hahn an die chinesische Gruppe HNA verkauft. Das Land verpflichtete sich aber zugleich, dem neuen Betreiber bis zum Jahr 2024 bis zu 27 Millionen Euro Feuerwehr- und Sicherheitskosten zu zahlen, bis zu 25,3 Millionen Euro Beihilfen für den Betrieb und bis zu 22,6 Millionen Beihilfen für Investitionen. Dazu könnten maximal 25 Millionen Euro für die Beseitigung von Altlasten kommen.

Lewentz: CDU kann keinen Haushalt lesen

"Das Land unterstützt natürlich den Flughafen so wie vereinbart im Rahmen der Leitlinien der Europäischen Kommission mit Investitionsbeihilfen, mit Betriebsbeihilfen und in Sicherheitsfragen", erklärte am Dienstag Innenminister Roger Lewentz (SPD). "Das ist unsere Verantwortung und der kommen wir auch nach, im Rahmen der vertraglich vereinbarten Gegebenheiten." Die CDU sei offenbar nicht in der Lage, einen Haushalt zu lesen. Das Geld sei bereits im letzten Doppelhaushalt angelegt.

Expertin: Kein kurzfristiger Abzug

Nach Einschätzung der Luftverkehrs-Expertin Yvonne Ziegler wird sich Ryanair längerfristig in Richtung Großflughäfen orientieren. Es sei absehbar, dass sich Ryanair am neuen Terminal 3 des Frankfurter Flughafens etabliere. Die Professorin der Frankfurt University of Applied Sciences sagte dem SWR, für einen Abzug vom Hahn bereits im kommenden Jahr sehe sie keine Anzeichen. Dass im Winterflugplan 20 Prozent weniger Flüge angeboten würden, sei nicht unüblich für eine Fluggesellschaft, die überwiegend Urlauber transportiere.

Hahn-Manager: "Kollateralschäden" im Tarifstreit

Hahn-Manager Goetzmann sagte, der laufende Tarifkonflikt der Ryanair mit ihrem Personal inklusive dreier Streiks seit August erschwere die Lage. "Wenn Tarifparteien von Kriegserklärung sprechen, dann werden Regionalflughäfen zu Kollateralschäden." Ryanair hatte angekündigt, seine Basis in Bremen mit zwei stationierten Flugzeugen zu schließen und im nordrhein-westfälischen Weeze zwei von fünf Maschinen abzuziehen. Von Gewerkschaftsseite war das als "Kriegserklärung" gewertet worden. Im Hunsrück ist zu hören, dass auch hier eine weitere Verringerung der Streckenzahl von Ryanair keine Überraschung wäre.

Flugpläne bereits ausgedünnt

Ryanair ist der größte Kunde am Hahn. Gäben die Iren den Standort ganz auf, käme dies dem Aus für den Flughafen gleich, so die "AZ". Als reiner Frachtflughafen könne der Standort Experten zufolge nicht existieren. Hinzu kommt die große Konkurrenz für den Flughafen durch die Airports in Luxemburg, Köln/Bonn und Frankfurt. In Frankfurt hat Ryanair seit Frühjahr 2017 Maschinen stationiert.

Ryanair hatte die Verbindungen am Hahn bereits im aktuellen Winterflugplan und im vergangenen Sommer ausgedünnt. Ryanair hatte dies mit der "schwachen wirtschaftlichen Leistung" am Hahn begründet.

Erster Gewinnrückgang seit Jahren

Am Montag war zudem bekannt geworden, dass Ryanair den ersten Gewinnrückgang seit fünf Jahren verzeichnet hat. Der Gewinn sank im ersten Halbjahr um sieben Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Als Grund nannte die Airline die jüngsten Streiks, hohe Kerosinpreise, geringere Ticketpreise und Ersatzzahlungen aufgrund der EU-Fluggastrechte. Auch für das Gesamtjahr hat Ryanair seine Gewinnprognose gesenkt.

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