Frachtschiff bei Niedrigwasser auf dem Rhein (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uli Deck/dpa)

Pegelstände könnten sinken Wie sich Rheinland-Pfalz auf Dürre vorbereitet

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2018 war das Jahr der Pegelniedrigstände. Auch jetzt wird es wieder heiß - es könnte erneut zu Problemen in der Binnenschifffahrt kommen. Einige Unternehmen bereiten sich auf den Ernstfall vor.

Noch liegen die Wasserstände auf einem guten Niveau - sogar über dem Mittelwert. In Kaub wird zur Zeit ein Wasserstand von 319 Zentimetern gemessen, der Mittelwert liegt bei 224 Zentimetern. Im Oktober 2018 sank der Wasserstand auf 24 Zentimeter, ein historischer Wert. Doch die Tendenz ist auch jetzt zu Sommerbeginn wieder leicht fallend: Denn diese und nächste Woche kommt die Hitze zurück.

Die wichtigsten Begriffe rund um den Pegelstand von Flüssen (Foto: SWR)
Die wichtigsten Begriffe rund um den Pegelstand von Flüssen

Logistik muss schnell reagieren

Momentan habe der Rhein einen guten Wasserstand für die Binnenschifffahrt, meint Oliver Schüttler, Vorstand des Logistikunternehmens Rhenania AG Worms. "Mit dem Schnee aus den Alpen haben wir in den nächsten ein bis zwei Monaten kein Problem mit Dürre", sagt Schüttler. Doch wenn die Schneeschmelze aufhört, die Dürre wieder bis in den Herbst anhält? "Wir müssen eben mit der Natur leben", sagt Schüttler. Im vergangenen Jahr konnten einige Frachtschiffe gar nicht oder nur teilweise beladen fahren - ein Rückblick im Video.

Sollte es nochmal so trocken werden, müsse die Logistik eben wieder eilig auf Lkw und Güterwaggons umsteigen wie im Hitzesommer 2018. 2017 habe man mit Hochwasser umgehen müssen. Pegelschwankungen sind für die Binnenschifffahrt natürlich schon immer ein Problem. "Aber wir merken in den letzten Jahren, dass die Extreme größer werden", sagt Schüttler.

Und das ist dann eine logistische Herausforderung: Jedes Frachtschiff, das nicht fahren kann, muss durch ungefähr 80 Bahnwaggons oder 160 Lkw ersetzt werden – die Rheinschifffahrt ist für einige Unternehmen essentiell. Wirtschaft und Landesregierung wollen deshalb die Rheinvertiefung zwischen Mainz und St. Goar vorantreiben: Bis 2030 soll sie kommen. Die Fahrrinne wäre dann 2,10 Meter statt 1,90 Meter tief.

Dauer

BASF will widerstandsfähiger werden

Für die BASF hat die Dürre im vergangenen Jahr durch den eingeschränkten Frachtschiffverkehr Einbußen von 50 Millionen Euro bedeutet. "Wir bereiten uns darauf vor, dass solche extremen Wetterereignisse in Zukunft häufiger auftreten könnten", sagt Ursula von Stetten, Sprecherin der BASF. Der Standort Ludwigshafen solle widerstandsfähiger gegen Niedrigwasser gemacht werden.

Die BASF arbeite momentan an einem Konzept, dass sich vor allem mit Kühlwasserversorgung und Logistik befasst. Zum Beispiel werden zwei weitere sogenannte Rückkühlwerke gebaut. Damit wird Rheinwasser mehrmals für Kühlzwecke verwendet, bevor es wieder in den Fluss zurückgeleitet wird.

Um in Sachen Transport besser vorbereitet zu sein, wolle die BASF vor allem verstärkt auf Digitalisierung setzen. "Durch die Vernetzung von Daten werden wir künftig genauere Langzeitprognosen für Wetter, Wasserstände und Lieferketten erstellen können", sagt von Stetten. Darüber hinaus habe die BASF den Anteil an Schiffen erhöht, die auch bei sehr niedrigen Wasserständen fahren können.

Trinkwasser wird nicht so schnell knapp

Der Trinkwasserversorgung macht die Dürre erstmal nichts aus. Anders als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, wird in Rheinland-Pfalz das meiste Trinkwasser aus Uferfiltrat genutzt und nicht aus Talsperren. Wenn die Flüsse wenig Wasser führen, sinkt unmittelbar auch der Talsperren-Wasserstand. Aber in Koblenz werden zum Beispiel unterirdische Zuströme des Rheins genutzt, erklärt Marcelo Peerenboom, Sprecher der Energieversorgung Mittelrhein (evm).

150.000 Einwohner im Großraum Koblenz, Lahnstein und Vallendar werden so versorgt. "Dadurch, dass das Wasser aus dem Untergrund kommt, haben wir mit der Dürre bisher keine Probleme", sagt Peerenboom.

Zwar rät er Verbrauchern verantwortungsvoll mit dem Wasser umzugehen, aber Engpässe seien nicht zu erwarten. "Aber wir merken schon, der Grundwasserspiegel sinkt und was an Regen gerade nachkommt, reicht nicht um ihn aufzufüllen", sagt er. Zunächst sehe er keinen Handlungsdruck, aber langfristig könnte das zum Problem werden.

Dürren werden heftiger werden

Trockenheitsphasen werden länger werden, ist bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BFG) zu lesen, da klimawandelbedingt der Jetstream nachlässt. Genau das ist 2018 passiert: Ein Hochdruckgebiet setzte sich fest.

Und die negativen Auswirkungen auf die Flüsse könnten dabei in Zukunft noch zunehmen: Denn 2018 profitierten insbesondere Rhein und Donau noch von überdurchschnittlichen Wassermengen aus der Schnee- und Gletscherschmelze.

Doch da immer weniger Schnee fällt und die Gletscher schrumpfen, werden diese Wassermengen Ende des Jahrhunderts wesentlich geringer ausfallen als gegenwärtig. Während die BFG im Zeitraum 2021-2050 mit ungefähr 26 Tagen Niedrigwasser rechnet, sind für 2071-2100 rund 54 Tage prognostiziert.

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