Die Kandidatenpaare für den SPD-Vorsitz, Ralf Stegner und Gesine Schwan (l-r), Nina Scheer und Karl Lauterbach, und Klara Geywitz und Olaf Scholz sitzen bei der Fragerunde auf dem Podium. Sieben Kandidatenpaare präsentieren sich auf der Regionalkonferenz in Nieder-Olm.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Andreas Arnold)

Regionalkonferenz in Nieder-Olm Bewerber um SPD-Vorsitz wollen mehr Rheinland-Pfalz im Bund

Der Tross der Bewerber um den SPD-Bundesvorsitz hat in Nieder-Olm bei Mainz Station gemacht. In ihren Reden verwiesen viele der Kandidaten auf die Vorbildfunktion der rheinland-pfälzischen SPD für den Bund.

Mit Mut machenden Worten und Lob für die sozialdemokratisch geführte Landesregierung in Rheinland-Pfalz präsentierten sich die Bewerber in Rheinhessen der Basis: Diskutiert wurde am Dienstagabend vor rund 700 Teilnehmern etwa über Themen wie Gerechtigkeit, Klimawandel, Grundrente und Vermögensteuer - sowie über die große Koalition im Bund.

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Rheinland-Pfalz als Positiv-Beispiel

Die frühere nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann sagte an der Seite von Mitbewerber und Europa-Staatsminister Michael Roth, Solidarität könne nur nach außen gelebt werden, wenn das auch intern hinbekommen werde. "Wir brauchen mehr Rheinland-Pfalz in der SPD", sagte sie.

Ex-NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans, der mit dem Kauf von Steuer-CDs für Aufsehen gesorgt hatte und mit Saskia Esken antritt, sagte, Rheinland-Pfalz habe seinerzeit an seiner Seite gestanden - das hätten nicht viele getan. Umweltexpertin Nina Scheer, die im Duo mit Gesundheitsfachmann Karl Lauterbach im Rennen ist, sagte mit Blick auf die aus Rheinland-Pfalz stammende Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), Agrarpolitik gehe nur mit "starken staatlichen Vorgaben". Es funktioniere nicht nur mit Freiwilligkeit.

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Gesine Schwan, Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, erklärte, Rheinland-Pfalz zeige, wie heil die sozialdemokratische Welt sein könne. Das funktioniere hier, weil bei Ministerpräsidentin Dreyer Handeln und Sprechen übereinstimmten.

Stegner verweist auf seine pfälzischen Wurzeln

Schwans Bewerbungspartner, Parteivize Ralf Stegner aus Schleswig-Holstein, berichtete, viele meinten, er gehe zum Lachen in den Keller. "Das stimmt nicht. Jemand, der in Bad Dürkheim geboren ist, ein gebürtiger Pfälzer ist, der geht nicht zum Lachen in den Keller - der hat was zum Lachen." Er wolle mit Schwan dafür sorgen, dass auch die Partei wieder was zum Lachen habe. Dafür bringe er außerdem die "Standfestigkeit von der Küste" mit.

Klara Geywitz, Bewerbungspartnerin von Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz, meinte, die SPD in Rheinland-Pfalz zeige, dass das Regieren der Sozialdemokratie nicht per se schade. Scholz selbst betonte, es müsse dafür gesorgt werden, dass der Sozialstaat seine "sichernde Funktion" auch in diesem Jahrhundert entfalten könne.

Tour geht bis zum 12. Oktober weiter

Ein klares Favoritenduo war am Ende der sechsten Regionalkonferenz nicht auszumachen. Die meisten Besucher zeigten sich zufrieden und lobten die offene und sachliche Debatte. 13 von 15 Bewerbern - sieben Duos und ein Einzelbewerber - präsentierten sich bei der einzigen Veranstaltung in Rheinland-Pfalz - nicht mit dabei waren Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und der Einzelbewerber Karl-Heinz Brunner.

Der Abschluss der Veranstaltungsreihe ist am 12. Oktober in München. Anschließend können die SPD-Mitglieder eine neue Führung wählen. Die Mitgliederbefragung ist Grundlage der formalen Wahl beim Bundesparteitag vom 6. bis 8. Dezember in Berlin.

Die Teilnehmer der SPD-Regionalkonferenz senden ein Zeichen an Manuela Schwesig (Foto: dpa Bildfunk, Andreas Arnold)
Die Teilnehmer der SPD-Regionalkonferenz senden ein Zeichen an Manuela Schwesig Andreas Arnold

"Herz"-liche Grüße an Schwesig

Zum Auftakt hatten die Teilnehmer aus der Halle in Nieder-Olm per Foto eine Botschaft an die an Brustkrebs erkrankte Interimsvorsitzende Manuela Schwesig gesendet. Auf Initiative Dreyers standen die Teilnehmer auf und formten mit ihren Händen ein Herz. Das Foto sollte an Schwesig geschickt werden. Sie wünsche sich, dass von Nieder-Olm ein "ganz starkes Signal" an Schwesig ausgehe, sagte Dreyer, und "dass wir Manuela wirklich Kraft und Stärke schicken".

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