Bahnlärm im Mittelrhein (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Neue Studie der Mainzer Universitätsmedizin Nächtlicher Bahnlärm führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Hunderte Güterzüge belasten die Menschen im Mittelrhein-Tal innerhalb von 24 Stunden - die meisten fahren in der Nacht. Mainzer Wissenschaftler weisen nun Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge von nächtlichem Bahnlärm nach.

Eine aktuelle Studie des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz zeigt erstmals Befunde, die darauf hindeuten, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge von Bahnlärm vermehrt auftreten.

Im Mittelrheintal registriert man bis zu 130 Züge pro Nacht, Spitzenschallpegel liegen bei bis zu 90 Dezibel - mittlere Schallpegel bei zirka 60 Dezibel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mittlere Schallpegel von maximal 44 Dezibel für die Nacht. Bei höheren Schallpegeln sei mit Schlafstörungen und mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu rechnen.

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Bahnlärm als Herz-Kreislauf-Risikofaktor

"Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass nächtlicher Bahnlärm aufgrund der negativen Auswirkungen auf die Gefäßfunktion einen wichtigen Herz-Kreislauf-Risikofaktor darstellt", so der Direktor des Zentrums für Kardiologie der Unimedizin Mainz, Thomas Münzel. Die aktuellen WHO-Empfehlungen von 44 Dezibel würden im Rheintal substanziell und dauerhaft überschritten und das müsse gesundheitspolitische Konsequenzen haben.

In der aktuellen Untersuchung führte simulierter nächtlicher Bahnlärm mit 65 Dezibel Spitzenlärmpegeln und bis zu 54 Dezibel mittleren Schalldruckpegeln (also 30-60 Züge pro Nacht) bei den Probanden zu Frühphasen der Gefäßverkalkung. Laut der Unimedizin Mainz konnte dieser Gefäßschaden durch die Gabe von Vitamin C deutlich verbessert werden.

Bluthochdruck, Herzinfarkt und Herzschwäche möglich

Gleichzeitig wurden nach Angaben der Mainzer Wissenschaftler im Blut von bahnlärmexponierten Probanden Veränderungen der Eiweiße, unter anderem in Richtung Thrombose, festgestellt. Die Eiweißveränderung könne das erhöhte Risiko bei der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt erklären.

Schon 2015 konnten die Mainzer Wissenschaftler nachweisen, dass simulierter nächtlicher Fluglärm die Gefäßfunktion von gesunden Menschen und Patienten mit einer etablierten koronaren Herzerkrankung (Sauerstoffmangel am Herzen) deutlich verschlechtert, Stresshormone erhöht und eine drastische Verschlechterung der Schlafqualität bewirkt.

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