Die Feuerwehr hat Nachwuchssorgen - kann das Schulfach Feuerwehr helfen? (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nachwuchssorgen bei Einsatzkräften Landesfeuerwehrverband fordert Feuerwehr-Unterricht an Schulen

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Die Feuerwehr in Rheinland-Pfalz hat Sorgen, in Zukunft im Notfall die nötigen Retter zusammenzubekommen. Der Landesverband fordert daher landesweit "Feuerwehr" als Schulfach.

Der Landesfeuerwehrverband fordert erstens eine verpflichtende Brandschutzerziehung an allen Kindergärten und Schulen im Land. Zweitens verlangt der Verband Schulfeuerwehr-AGs in weiterführenden Schulen. Die dritte Forderung: eine technische Grundausbildung zur aktiven Wehr als Wahlpflichtfach in Gymnasien und an Berufsbildenden Schulen.

Feuerwehr fühlt sich von Bildungsministerium im Stich gelassen

So wie die Lage jetzt ist, kann es nach Ansicht von Michael Klein, dem Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz, nicht weitergehen. Die Feuerwehr fühle sich, wenn es um die Brandschutzerziehung an Schulen geht, vom Bildungsministerium im Stich gelassen.

Feuerwehreinsatz in Mainz - in Rheinland-Pfalz gibt es laut Feuerwehrlandesverband nur sechs Berufsfeuerwehren, den Rest erledigen Freiwillige Brandlöscher (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
In Rheinland-Pfalz gibt es laut Feuerwehrlandesverband nur sechs Berufsfeuerwehren, den Rest erledigen ehrenamtliche Brandlöscher. Picture Alliance

Zwar gebe es vereinzelt schon "Feuerwehrtechnische Grundbildung" als Wahlpflichtfach an Schulen wie etwa in Germersheim oder in Kaiserslautern. Aber das sei "relativer Wildwuchs" und hänge vom Engagement Ehrenamtlicher oder einzelner Lehrer ab, beschwert sich Klein. Mal finde eine AG ein Jahr lang statt, dann wieder nicht. Außerdem fehle eine finanzielle Unterstützung, denn sowohl für die Schulen als auch für die Ehrenamtlichen entstünden Kosten.

Ministerium sieht keinen Bedarf für Feuerwehr-Fach

Dem widerspricht das rheinland-pfälzische Bildungsministerium. Das Land zahle den Gemeinden für die von ihnen mit ihren Feuerwehren durchgeführten Projekte an Schulen selbstverständlich eine Aufwandsentschädigung, antwortete ein Sprecher des Ministeriums auf SWR-Nachfrage. Grundlage dafür sei eine 2011 in Kraft getretene Rahmenvereinbarung des Ministeriums mit dem Landesfeuerwehrverband. Jede Ganztagsschule im Land könne auf Grundlage dieser Regelung mit der örtlichen Feuerwehr kooperieren. Auch an Grundschulen fänden die Themen Feuerwehr und Brandschutzerziehung exemplarisch statt.

Ein Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr Herrstein kämpft nach einem Unwetter mit einem Gully - Vor gut zehn Jahren gab es laut Innenministerium noch mehr als 60.000 ehrenamtliche Feuerwehrleute im Land - heute sind es nur noch rund 51.000. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Vor gut zehn Jahren gab es laut Innenministerium noch mehr als 60.000 ehrenamtliche Feuerwehrleute im Land - heute sind es nur noch rund 51.000. Picture Alliance

"Den Bedarf für ein eigenes Schulfach 'Feuerwehr' in allen Schularten sehen wir nicht", heißt es zudem aus dem Bildungsministerium. Dem stehe auch entgegen, dass man in der Folge auch die Interessen anderer wichtiger gesellschaftlicher Bereiche in Form eines eigenen Faches diskutieren müsste.

Landesfeuerwehr blickt nach Mecklenburg-Vorpommern

Als "schönes Projekt" bezeichnet Michael Klein vom Feuerwehrverband Rheinland-Pfalz einen Modellversuch, der am Montag in Mecklenburg-Vorpommern gestartet ist: An drei Gesamtschulen und einer Grundschule im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte steht für jeweils 12 bis 15 Kinder das Unterrichtsfach "Feuerwehr" auf dem Stundenplan. Jede Woche wird das neue Fach in einer Doppelstunde über ein Jahr hinweg unterrichtet, beziehungsweise in einem Fall sogar drei Jahre lang.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern finanziere das Projekt mit 100.000 Euro, zusätzlich gebe es Unterstützung durch Sponsoren, berichtet Norbert Rieger, Feuerwehrführer im Kreis Mecklenburgische Seenplatte. Von diesem Geld wurde eine Mitarbeiterin der Feuerwehr eingestellt, die bislang vor allem in der Ausbildung aktiv war.

Kreisfeuerwehrführer Rieger hat das Projekt mit dem Kreis, den Schulen und der Schulbehörde auf den Weg gebracht. Das Landesbildungsministerium war dabei außen vor. Rieger gibt seit langem Mitgliedern der Jugendfeuerwehren Nachhilfeunterricht. So wolle er helfen, dass sie Ausbildungsplätze bekommen und in der Region bleiben. In seinem Landkreis leben im Schnitt 47 Einwohner pro Quadratkilometer, also noch etwas weniger Bewohner als im Kreis Bitburg-Prüm, dem am dünnsten besiedelten Landkreis von Rheinland-Pfalz mit rund 60 Einwohnern pro Quadratkilometer.

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