Im Dach der Kathedrale Notre-Dame in Paris ist das Feuer ausgebrochen. (Foto: Reuters)

Nach dem Brand in Notre-Dame in Paris So sind Kirchen in Rheinland-Pfalz vor Feuer geschützt

Die Bilder der brennenden Pariser Kathedrale Notre-Dame haben weltweit Entsetzen ausgelöst. Um derartige Zerstörungen zu verhindern, gibt es in rheinland-pfälzischen Kirchen zahlreiche Maßnahmen.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Der Mainzer Dom stand schon mehrere Male in Flammen. Daraus hat man gelernt. Im 18. Jahrhundert wurde auf Betreiben der Dombauhütte daher eine neue Brandschutzmaßnahme eingeführt. "Der komplette Westchor ist mit einem Steingewölbe versehen, auf den dann die Schiefer draufgenagelt sind", erläutert Jörg Walther vom Mainzer Dombauamt. Beim Bau der romanischen Gewölbe wurde hitzebeständiger Tuffstein verwendet, zudem sind die Gewölbe enorm dick.

Mainzer Dom - zum Teil eingerüstet.  (Foto: SWR)
Am Mainzer Dom wird eigentlich immer gebaut.

Wie sieht der Notfallplan für den Mainzer Dom aus?

Sollte doch ein Feuer ausbrechen, gebe es im Mainzer Dom an drei Punkten Steigleitungen für Löschwasser, erklärt Prälat Heinz Heckwolf. Die Feuerwehr kenne alle diese Pläne. Es sei auch ein Schlüssel deponiert, so dass die Feuerwehr auf jeden Fall in den Dom hineinkäme.

Nach dem Brand in Paris werde man sich sicher auch nochmal in Mainz zusammensetzen und alle Maßnahmen überdenken, so Walther. Die Gefahr eines Feuers mit den Ausmaßen von Paris im Mainzer Dom schätzt er aber eher als gering ein, auch wenn der Dachstuhl aus Holz besteht. Das ist auch in der Mainzer St. Stephanskirche ein Schwachpunkt.

chagall-Fenster in Mainz in der St Stephans Kirche sind von außen mit Panzerglas geschützt. Von innen allerdings haben sie keinen zusätzlichen Schutz zum Beispiel gegen Feuer (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa/picture alliance)
Ein Stein von außen kann den Chagall-Fenstern in St. Stephan in Mainz nichts anhaben, aber ein Feuer? dpa/picture alliance

Kein Alarmsystem in Stephanskirche

Der Zugang zum Dachstuhl ist dort versperrt - aus gutem Grund. "Unser Dachstuhl ist alt und sehr trocken und damit die größte Gefahr", sagt Karl-Heinz Mühl, Küster und Hausmeister von St. Stephan in Mainz. Ein Alarmsystem für den Notfall gibt es nicht, aber St. Stephan ist nach Aussage von Mühl bis ins Gewölbe und den Turm mit Steigleitungen ausgestattet. Damit kommt die Feuerwehr schnell an Löschwasser.

Das Herzstück der Kirche, die Chagall-Fenster, sind zwar von außen mit Panzerglas geschützt – "von innen gibt es allerdings keinen zusätzlichen Schutz, der bei einem Brand etwas bewirken könnte", sagt Mühl. Im Brandfall seien auch die Glocken in Gefahr und selbst eine Bedrohung, so Mühl. "Ist der Glockenstuhl abgebrannt, würden die tonnenschweren Glocken in den Kirchenraum stürzen und hätten eine enorme Zerstörungskraft."

Der Speyerer Dom  (Foto: Tourist-Information Speyer)
Ein Vorteil des Speyerer Doms ist das Kupferdach: Das ist sehr viel stabiler als das Pariser Bleidach. Tourist-Information Speyer

Dombaumeisterin in Speyer schockiert

Betroffenheit herrscht auch in Speyer. Ein Tag nach dem verheerenden Brand in Paris ist Dombaumeisterin Hedwig Drabik immer noch schockiert. Sie fühlt mit ihrem französischen Kollegen. "Ich hatte Mitleid mit dem Dombaumeister von Notre-Dame. Er wurde wahrscheinlich rausgeklingelt und musste mit ansehen, wie seine Kirche brennt." Das stelle sie sich emotional sehr schwierig vor.

Der Speyerer Dom sei trotz Bauarbeiten relativ gut gesichert. Unbefugte haben es schwer, einen Brand zu legen, meint Drabik. Das Bauwerk ist mit Rauchmeldern, sechs Steigleitungen und zwei Rauchschutzvorhängen ausgestattet. Durch die Rauchschutzvorhänge bleiben Fluchtwege weiterhin möglich, erläutert Drabik.

Der Wormser Dom (Foto: SWR)
Seit ein paar Jahren sind auch im Wormser Dom Steigleitungen installiert.

Stahl und Beton im Dach vom Wormser Dom

Auch der Wormser Dom wird zurzeit saniert. In den vergangenen Jahren sind laut Architekt mehrere Steigleitungen verlegt worden, die Löschwasser bis in die Turmspitzen pumpen können. Außerdem gebe es Türen in den Türmen, durch die Feuerwehrleute von außen einsteigen könnten. Nach einem Dachbrand im Jahr 1945 seien zudem große Teile des Daches in Stahl und Betonplatten gebaut worden. "Ein Dachstuhlbrand wie in Notre-Dame ist sicher nicht möglich, aber auch unsere Konstruktion birgt Gefahren", erklärt der Propst des Wormser Doms, Tobias Schäfer. Würden zum Beispiel Teile eines Stahlglockenstuhles durch die Hitze eines Feuers einstürzen, sei es unwahrscheinlich, dass die Gewölbe dem standhalten könnten.

Die Schätze des Wormser Doms seien bei einem Brand nur teilweise geschützt: Kostbare Gegenstände wie Monstranzen befinden sich laut Schäfer hinter dickem, feuerfestem Stahl im Tresor. Der Hochaltar oder das Chorgestühl sind dagegen immobil und kurzfristig nicht zu retten.

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