Der abgebrochene Flügel eines Windrades in Hahnweiler (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nach Windrad-Unfall im Hunsrück Wissing fordert einheitliche Sicherheitsstandards für Windräder

An Rosenmontag war im Hunsrück das Rotorblatt eines Windrades abgebrochen. Wirtschaftsminister Wissing fordert nun bundeseinheitliche Sicherheitsstandards. Das Umweltministerium sieht das anders.

Bei starkem Gewitter war das Windrad bei Gimbweiler im Hunsrück vermutlich durch einen Blitz getroffen worden. Teile des Rotorblatts waren auf die nahe Autobahn 62 geweht worden, die daraufhin gesperrt wurde.

Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) spricht sich nach dem Unfall für eine bundesweit gleiche Regelung der Sicherheit von Windkraftanlagen aus. Es mache keinen Sinn, regional Unterschiede bei den Sicherheitsstandards zu machen, sagte Wissing dem SWR-Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz. "Wir brauchen da hohe Standards, und wir brauchen einheitliche Standards", forderte Wissing.

Dauer

Auch TÜV-Verband will einheitliche Richtlinien

Der Minister schloss sich damit der Forderung des TÜV-Verbandes an, der seit Monaten für bundeseinheitliche Richtlinien plädiert und die Sicherheit von Windkraftanlagen kritisiert: "Sowohl in der Regelung von Bundesland zu Bundesland, als auch in der Frage, wie ein Blitzableiter vernünftig geprüft wird", sagte Joachim Bühler, Geschäftsführer des Verbandes.

Der Wind mache nicht an Ländergrenzen halt, sagte Bühler. "Wir müssen da in Zukunft bei Windrädern eben genauer hinschauen, damit solche Abrisse am besten überhaupt nicht mehr vorkommen", so Bühler.

Bundesverband Windenergie gegen Neuregelung

Der Bundesverband Windenergie Rheinland-Pfalz spricht sich gegen mögliche bundeseinheitliche Prüfungen aus. "Ich kann mir im Augenblick nicht vorstellen, dass sie präventiv mehr tun können als bereits getan wird", sagte Sprecherin Gabriele Rau.

Bei etwa 1.700 Windkraftanlagen in Rheinland-Pfalz gebe es durchschnittlich einen größeren Unfall im Jahr. "Das zeigt eigentlich, wie sicher die Bestimmungen und Prüfungen sind," so Rau. Unwetter und Blitzeinschläge könne man auch nicht durch engmaschigere Kontrollen verhindern.

Windräder im Abendrot (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Nach Angaben des Bundesverband Windenergie gibt es rund 1.700 Windräder in Rheinland-Pfalz Picture Alliance

Ampel-Regierung uneinig

Auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) sieht keinen Handlungsbedarf. "Eine entsprechende Sonderregelung für Windenergieanlagen im Vergleich zu anderen industriellen Anlagen mit teilweise deutlich höherem Risikopotenzial ist aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt," heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Es ergäbe sich dadurch auch kein Sicherheitsgewinn, da bereits jetzt schon die Prüfungen in regelmäßigen Intervallen von unabhängigen Sachverständigen durchgeführt werden müssten.

Auf den Dissens innerhalb der Ampel-Regierung angesprochen erwiderte Wirtschaftsminister Wissing: "Man muss nicht immer einer Meinung sein, wenn man zusammen regiert."

Vor dem Vorfall an Rosenmontag im Hunsrück hatte es bereits mehrfach in Rheinland-Pfalz Unfälle mit Windrädern gegeben. Im November war in der Südwestpfalz ein Windrad in Flammen aufgegangen. Im Dezember 2016 war ein 53 Meter langes Rotorblatt in Rheinhessen auf ein Feld gestürzt.

Logo von "Zur Sache Rheinland-Pfalz" (Foto: SWR)

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