Trauer in Halle (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Marek Majewsky)

Nach Anschlag auf Synagoge in Halle (Saale) Bischöfe und Politiker erklären Verbundenheit mit jüdischer Gemeinde

Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale) zeigen sich die katholischen Bischöfe solidarisch mit jüdischen Gemeinden. Auch Politiker aus dem Land äußern ihr Mitgefühl. In Mainz fand am Donnerstagabend eine Mahnwache mit über 100 Leuten statt.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf schrieb am Donnerstag in einem Solidaritätsbrief an die Jüdische Gemeinde von Mainz, Rheinhessen und Worms: "Es macht uns fassungslos, dass Juden in unserem Land einer solchen Gewalttat ausgesetzt sind." Er sei besonders entsetzt darüber, dass der Täter gezielt den hohen jüdischen Feiertag Jom Kippur ausgesucht habe.

Polizei steht vor Synagoge in Mainz (Foto: SWR)
Die Polizei zeigt - wie hier in Mainz - Präsenz vor den jüdischen Einrichtungen im Land.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sprach von "einem Angriff auf die ganze jüdische Gemeinschaft in Deutschland". Als Bürger und als Bischof werde er jetzt und in Zukunft antisemitischen und menschenfeindlichen Äußerungen und Aktionen entgegentreten. "Solche Machenschaften dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben."

Mahnwache in Mainz

Einem kurzfristigen Aufruf des Bündnisses "Mainz für Israel" zu einer Mahnwache auf dem Gutenbergplatz der Landeshauptstadt folgten mehr als 100 Menschen, unter ihnen der Staatssekretär im Kulturministerium, Denis Alt, Finanzministerin Doris Ahnen und Oberbürgermeister Michael Ebling (alle SPD) sowie der evangelische Dekan Andreas Klodt und der Landesbeauftragte für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, Dieter Burgard.

Teilnehmer der Mahnwache entzündeten Kerzen auf dem Platz. "Die abscheulichen Ereignisse in Halle - an Jom Kippur - schockieren mich zutiefst", erklärte Burgard. "Die Morde an diesen unschuldigen Menschen und der Angriff auf die gut besuchte Synagoge zeugen von einer solch unfassbaren Menschenverachtung, wie ich es in Deutschland nicht mehr für möglich gehalten hätte."

Dauer

Die Sicherheitsbehörden in Rheinland-Pfalz haben nach den Schüssen in Halle (Sachen-Anhalt) mit zwei Toten ihre Präsenz vor 17 jüdischen Einrichtungen erhöht. Bereits vorher sei die Polizei regelmäßig Streife gefahren, hieß es.

Politiker äußern Mitgefühl

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zeigte sich erschüttert. "Dass Juden in Deutschland nicht mehr frei ihren Glauben leben können, das muss uns alle beschämen", sagte sie dem SWR. Es müsse endlich Schluss sein mit der Relativierung rechter Gewalt.

Dauer

Auch der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christian Baldauf (CDU) verurteilte die Tat. "In unserem Land müssen alle ihren Glauben in Frieden ausleben können, egal ob Christen, Juden oder Muslime. Meine Gedanken sind bei den Opfern dieser schrecklichen Tat", twitterte Baldauf.

Lambrecht: "Rechsextremistischer Terroranschlag"

Bei den Angriffen mitten in Halle waren vor einer Synagoge und einem Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen worden. Der mutmaßliche Täter ist ein 27-jähriger Deutscher, der offenbar in Sachsen-Anhalt wohnt. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) und Generalbundesanwalt Peter Frank sprachen am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung von einem "rechtsextremistischen Terroranschlag". Der Schütze habe aus antisemitischen und rechtsextremistischen Gründen gehandelt, sagte die Ministerin.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Nach Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, richtete sich der Angriff des Täters direkt gegen die Synagoge, in der zu dem Zeitpunkt 70 bis 80 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten.

Einen Tag nach der Bluttat von Halle hat der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Rechtsterroristen Stephan B. erlassen. Das bestätigte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe dem SWR am Donnerstagabend. Der Richter habe Untersuchungshaft angeordnet.

STAND