Nach Fund des "Barbarenschatzes" von Rülzheim Archäologen in Rheinland-Pfalz wollen mit Schatzsuchern kooperieren

Hobby-Archäologen, die mit Detektoren durchs Rheinland-Pfalz ziehen, gehen mit den Funden oft nicht so um, wie es sich Profis erhoffen würden. Deshalb werben die jetzt für Zusammenarbeit.

Schatzsucher mit Metalldetektoren (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Schatzsucher mit Metalldetektoren sind für professionelle Archäologen oft ein Ärgernis Picture Alliance

Ob "Schatzinsel" oder "Schatz im Silbersee": Der Traum von gefundenen Kostbarkeiten beflügelt seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen. In der Pfalz wurde er wahr: Vor sechs Jahren entdeckte ein junger Mann bei Rülzheim Gold und Silber aus der Spätantike. Von heute an sind die Prunkstücke in Koblenz zu sehen.

"Barbarenschatz" - erst der Fund, dann der Rechtsstreit

Der Ausgrabung von 2013 folgte aber ein erbitterter juristischer Streit. Denn der Finder, ein Sondengänger, meldete die Ausgrabung zunächst nicht. Heute ziehen die Behörden ein versöhnliches Fazit: Der medienwirksame Streit hat offenbar dazu beigetragen, dass deutlich mehr Sondengänger mit Genehmigung suchen.

"2014 gab es einen Boom", erzählt Bettina Hünerfauth. Sie arbeitet seit 2014 als Archäologin in der Außenstelle der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) in Speyer. Etwa 500 Sondengänger hätten sich in Rheinland-Pfalz mittlerweile angemeldet, davon rund 200 in der Pfalz, sagt sie. "Das geht bunt gemischt vom 13-Jährigen, der mit Papa loszieht, bis zum 75-jährigen Heimatforscher."

Sondengänger auf Probe

Die GDKE vergibt Interessenten zunächst für eine "Probezeit" von einem Jahr ein bestimmtes Gebiet - "das ist meist heimatnah, weil man sich da gut auskennt". Später gelten die Genehmigungen für zwei Jahre.

Auch für Hünerfauth ist der oft als "Barbarenschatz" bezeichnete Fund von Rülzheim "absolut ungewöhnlich und einzigartig für die Region". Die goldenen Gewandapplikationen sowie Silberobjekte und fein ausgearbeitete Büsten und Statuetten seien herausragende Stücke und einziger Beleg für Menschen aus dem hunnischen Kulturkreis in der Pfalz während der Spätantike.

Problem der unprofessionellen Bergung

"Der große Haken ist die Bergung", sagt die 34-Jährige. Der Sondengänger habe vor Ort nichts professionell dokumentiert. "Damit haben wir leider keinen Kontext. Zweitens hat die unsachgemäße Lagerung großen Schaden an den Stücken angerichtet."

Viele Sondengänger sind auf eigene Faust unterwegs, oft zum Entsetzen von Archäologen. Doch so verschnupft wie die Behörden reagieren ihrerseits viele Hobby-Historiker. Sie fühlen sich zu Unrecht verunglimpft. Das Suchen mit einer Sonde sei weder illegal, noch sei eine Genehmigung vom Denkmalamt dafür vonnöten, meinen sie.

In Rheinland-Pfalz ist die Suche jedoch genehmigungspflichtig, und Funde von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung gehören dem Gesetz nach automatisch der Allgemeinheit - also dem Land.

Die Suche auf "legale Füße" stellen

Die GDKE wirbt für eine faire Zusammenarbeit. Bei Sascha Hornbach war das erfolgreich. Der Mann aus Rödersheim-Gronau im Rhein-Pfalz-Kreis ging zunächst zwei Jahre lang ohne Genehmigung auf Schatzsuche. "Vor drei Jahren stellte ich das dann auf legale Füße", erzählt der 38-Jährige. Ihn fasziniert der Gedanke, in der Natur auf Zeugnisse längst vergangener Zeiten zu stoßen. Er wisse zwar gut, dass die Chance auf einen Fund wie in Rülzheim gering sei. "Aber den Gedanken hat man natürlich immer im Hinterkopf", sagt Hornbach.

Mit der Genehmigung verpflichten sich Sondengänger, die Grabung den Experten zu überlassen. Hornbach geht nur noch selten auf die Suche - das liegt aber nicht am gesunkenen "Jagdfieber". "Mit zwei Kindern hat man weniger Zeit als früher", sagt er. Die Faszination aber bleibe. "Als ich zum ersten Mal eine römische Münze fand, machte es 'Klick.'"

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